Am 12. Dezember …
… 1962 lief in den deutschen Kinos die Karl-May-Verfilmung „Der Schatz im Silbersee“ an. Pierre Brice gab erstmals und fortan lebenslänglich „den edelsten aller Apachen“, Ex-Tarzan Lex Barker den Old Shatterhand, der dafür eigentlich ins Auge gefasste, noch blutjunge Götz George spielte muskelbepackt einen Farmersohn und machte alle Stunts selbst. Regie führte der Bad Ischler Ex-Riefenstahl-Assistent Harald Reinl, seine Frau Karin Dor durfte eine der öden Frauenrollen in Western spielen, die auf die Rettung durch den Helden angewiesen sind. Der Film hält sich, wie auch die meisten späteren Karl-May-Verfilmungen, kaum an die Romanvorlage. Dennoch wurde der Film im deutschsprachigen Raum ein Riesenerfolg und leitete eine Welle von 16 Karl-May-Verfilmungen ein, die erst 1968 mit „Winnetou und Old Shatterhand im Tal der Toten“ endete.
Ich sah den „Schatz im Silbersee“ wohl Ende der 1960er Jahre in Gleisdorf, zusammen mit meiner Cousine Gabi, die dort mit ihrer Mutter Hilde – einem ausgewiesenen Karl-May-Fan – und unseren Großeltern lebte. In der Folge las ich alle May-Romane, die im Wilden Westen spielten, und auch viele, in denen Kara Ben Nemsi im Orient auf Schurkenschläfen schlug. Winnetou war eines der Idole meiner Kindheit, und bei allem wenig Schmeichelhaftem, was man über den Schwindler Karl May sagen kann, so hat er doch spannend erzählt und dabei auch noch edle Werte wie Nächstenliebe, Toleranz und Ritterlichkeit in meine junge Seele gepflanzt.
Und auch wenn ich mich mittlerweile darüber mokiere, dass sich bei May neun von zehn Westernhelden als ausgewanderte Deutsche entpuppen und Winnetous Beziehung zu Old Shatterhand homoerotische Züge aufweist, bei der Frauen wie Nscho-Tschi oder Ribanna tot auf der Strecke bleiben: Ich find’s ein bisschen schade, dass keiner meiner drei Söhne jemals eine „Karl-May-Phase“ hatte.
Adventmail 2009/12 (Was geschah am … Dezember?)
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