Adventmail 2009/22 (Was geschah am … Dezember?)

Am 22. Dezember …
… 1849 rettete eine Weihnachtsamnestie von Nikolaus I. die Weltliteratur vor einer Katastrophe. An diesem Tag begnadigte der russische Zar den damals 28-jährigen Fjodor Michailowitsch Dostojewski im allerallerletzten Moment: Wegen revolutionärer Umtriebe zum Tode verurteilt, stand der durch seinen Erstling „Arme Leute“ (1844) schon berühmte Dichter schon vor dem Erschießungskommando, als ihn eine kaiserliche Depesche vom Richtplatz in St. Petersburg nach Sibirien zu Verbannung und Zwangsarbeit mit anschließender Militärdienstpflicht umdirigierte.
Dostojewski trat die Haft in Omsk an, wurde Epileptiker, kam ab 1854 seiner Militärpflicht nach, wurde 1856 zum Offizier befördert und erreichte 1859 krankheitsbedingt seine Entlassung aus der Armee. Nach zehnjähriger Schaffenspause schrieb er zurück in St. Petersburg die „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“ als Dokument seiner Verbannungszeit in Sibirien, dann folgten „Der Spieler“ (1863), „Schuld und Sühne“ (1866) als Frucht seiner Wandlung vom Revolutionär zum Christen, „Der Idiot“ (1868), „Die Dämonen“ (1872) und schließlich „Die Brüder Karamasow“ (1981): Diesen Roman, der als Quintessenz seines Werkes betrachtet wird, hat Dostojewski nie beendet. Ich schon, denn ich muss gestehen, dass er der einzige ist, den ich von ihm gelesen habe. Und sehr beeindruckend fand, vor allem den vielsagend stummen Jesus in der Binnenerzählung „Der Großinquisitor“ zur Theodizee-Frage.