Radtour Mürzzuschlag – Mariazell – St. Pölten, 23./24.7.25

Die Wetterprognose war schauerlich: Viel Regen sei in diesem feuchten Sommer mit bisher eher kurzen Hitzeperioden zu rechnen. Ich hatte aber schon länger die Zuganreise nach Mürzzuschlag und die Rückreise von St. Pölten geplant und auch das Nachtquartier in Mariazell schon reserviert. Ob am zweiten Tag dann auch Freund Heinrich und andere Mitglieder der WhatsApp-Gruppe „geRADeaus“ den Traisenradweg entlang dabei sind, würde sich zeigen.

Empfehlenswerte Tour – Start- und Endpunkt von Wien aus gut erreichbar

Feucht wurde es bereits kurz nach dem Losfahren in Wien, also nahm ich die U-Bahn zum Hauptbahnhof. Der Mürztalradweg ab Mürzzuschlag war nass wie nach heftigem Regen, der Himmel noch düster, aber die Strecke bis Mürzsteg gut ausgebaut, sehr angenehm. Münsterbesuch und Kaffeestop in Neuberg, 550 Höhenmeter ging’s dann rauf zum Niederalpl und zu einem jener Skigebiete auf 1220m, die dem Klimawandel zum Opfer fallen (werden). Mit bis zu 70 Sachen dann runter nach Wegscheid, danach nordwärts Richtung Marienwallfahrtsort, bei angenehmen Temperaturen knapp über 20 Grad. Vorbei am JUFA Sigmundsberg, wo Claudia und die drei Enkelsöhne bereits einmal urlaubten, dann die letzte Steigung rauf nach Mariazell bei immer mehr aufklarendem Himmel.
Ich bezog mein Zimmer in der Magnus Klause und brach bald nochmals auf, zum Erlaufsee und dem naheliegenden JUFA, wo wir in drei Wochen in größerer Besetzung sein werden. Und ich war ziemlich angetan von diesem Familienhotel: sehr verkehrsberuhigt im Grünen, viele Sportmöglichkeiten indoor und outdoor, ein ruhiger Innenhof mit Wiese und Kinderspielplatz, Fitnessraum, Bouldern, Kickfelder, freundliches Personal. Der Erlaufsee ist halt leider nicht in unmittelbarer Nähe. Zu Fuß eine halbe Stunde (wobei ich einen Fußweg im Wald entdeckte), mit dem Rad ca. 10 min, per Auto die Hälfte. Dort dann strahlender Sonnenschein und doch recht viele Badende im kristallklaren Wasser.

Abends dann fein Speisen im noblem Brauhaus Mariazell: Mir wurde allein ein Vierertisch zugewiesen, auf Nachfrage erklärte ich mich einverstanden, etwaige Tischnachbarn zu bekommen – und bald gesellte sich Leonard, ein nach Songwriter Cohen benannter Vorarlberger Fußwallfahrer, zu mir. Wir kamen ins Gespräch, und es zeigte sich, dass dabei die Leut‘ z’sammkommen: Leonard, ein studierter Wirtschafter und Berufsschul-Quereinsteiger, wird im nächsten Schuljahr „RuR“ unterrichten, also Schüler:innen unterschiedlichen religiösen Bekenntnisses eine Art Religionskunde. Darauf haben sich verschiedene christliche Konfessionen und die Aleviten in Vorarlberg und auch in Tirol geeinigt. Was für eine passende Ergänzung zu meinen Recherchen über interreligiösen Religionsunterricht, an dem ich gerade dran bin!
Am nächsten Morgen ein banger Blick aus dem Hotelzimmer. Der Himmel schwarzbewölkt, ein Anruf bei Heinrich in der Mariazellerbahn ergab aber: Vier unerschrockene Radler – zwei weniger als geplant – würden ab 11h die Traisen entlang radeln. Bis zum Treffpunkt am Bahnhof besuchte ich noch die Basilika, wo gerade einer der vielen Pilgergottesdienste gefeiert wurde. Dann begrüßte ich am Bahnhof meinen alten Freund Heinrich sowie die Jungpensionisten Paul und Thomas, letzterer sogar als einziger ohne E-Bike unterwegs. Was sich trotz des langen Anstiegs nach Gscheid nicht in langen Wartezeiten bemerkbar machte – der Mann ist superfit. Und die Strecke erst im Rechengraben, dann am Hubertussee und an der Wuchtlwirtin vorbei und ab St. Ägyd die Traisen entlang herrlich. Durch die vielen, teilweise steilen Bergabpassagen machten wir Tempo: 23,5 km/h Schnitt sollte das Display schließlich in St. Pölten anzeigen – so flott war ich bei einer 90km-Tour noch nie unterwegs. Daran änderte auch eine unliebsame Premiere (erster Bienenstich während des Radfahrens) nichts.
Mit dem Wetter hatten wir Glück: Es gab zwar einen heftigen Regenguss, aber zu einem Zeitpunkt, als wir in Lilienfeld zu Mittag aßen und bei Kaffee zuwarteten, bis es wieder aufklarte. Negativ überrascht war ich nur von meiner angeblich regendichten “Mi Velo”-Radtasche. Durch die beiden Reißverschlüsse vorne beim kleinen Fach und hinten für die Tragegurte dran ganz schön viel Wasser ein.


Gegen 17.30 Uhr waren wir in St. Pölten, Thomas und Paul verabschiedeten sich, ich blieb noch bis zur Railjet-Abfahrt um 19.03 bei Heinrich. Nass wurde meine Regenjacke erst, als ich beim Donauzentrum aus der U1 stieg…

„Tud dret“ – alles bestens – auf Santo Antao

Es war eine Premiere: Noch nie hatte Lena Ehrlich, Chefin der Agentur „Aventura“ und unsere Begleiterin für knapp zwei Wochen, die Tour „Santo Antao zu Fuß“ mit einer „Wikinger“-Gruppe in Angriff genommen. Und andere Guides, denen sie von der geplanten Route erzählte, meinten, das sei verrückt: Die Teilnehmer würden ihr zusammenbrechen angesichts von Tagesetappen bis zu zehn Stunden.
„Ihr werdet an eure Grenzen kommen, physisch und psychisch“, kündigte (drohte?) die 36-jährige, seit elf Jahren in Mindelo auf Sao Vicente lebende Braunschweigerin augenzwinkernd an. Aber die Belohnung würde reichhaltig sein: wunderbare Landschaften auf der nördlichsten, fruchtbarsten Insel der Kapverden, und Begegnungen mit offenen, vom Massentourismus unbehelligten Menschen, unvergessliche Eindrücke einer lebensfrohen Kultur abseits mitteleuropäischer Alltagsroutine.
Lena sollte recht behalten. Es wurde anstrengend, die Wanderstrecke – oft vom Meeresniveau 1.500 Höhenmeter rauf bis zum Nachtquartier und umgekehrt – wurde zwar nicht zur „Tortour“, aber allemal Anlass für Muskelkater und schwere Beine. Wer im Urlaub Erholung sucht im Sinn von relaxen und mit hochgelagerten Füßen Caipirinha schlürfen, ist hier fehl am Platz. Aber erholen kann ich mich zuhause auch, sage ich immer; im Urlaub suche ich ungleich lieber die Herausforderung, im Schweiße meines Angesichts fremde Länder und deren BewohnerInnen zu erkunden – zu erwandern, per pedes. Auf Santo Antao geht das bestens.

Guide Lena erläutert die nächste Etappe auf Santo Antao

Aber der Reihe nach…
Ich, Journalist aus Wien, war sowas wie der „Quotenösi“ in einer 13-köpfigen Gruppe mit sonst lauter Deutschen. Anfangs will man ja nicht keck sein, aber später meinte ich zur Besetzung: eine österreichische Gruppe mit deutscher Beteiligung ;-). Erste Kontaktaufnahme am winzigen Flughafen von Mindelo nach der Anreise aus Lissabon, dann per Bus ins Hotel namens Che Guevara (der hier fast so hoch im Kurs steht wie Bob Marley oder die „Nationalheilige“ Cesaria Evora), dann ein Begrüßungsdrink am nahen Strand. Ich und einige andere stürzten uns in den 20 Grad warmen und trotz der geschützten Bucht von Mindelo recht bewegten Atlantik – es sollte mein einziges Ozeanbad auf der Reise werden, denn Santo Antao hat felsige Strände mit hohem Seegang.
Am zweiten Tag Überfahrt mit der Fähre von Sao Vicente zum Hauptort Porto Novo auf Santo Antao, Trinkwasser kaufen, Bustransfer nach Alto Mira III rauf in die Berge, vorbei am höchsten Berg Tope de Coroa (1979m). Und los ging’s, „nobai!“, wie Lena und unser zweiter, einheimischer Führer Jandir immer wieder zum Aufbruch riefen – an diesem ersten Halbtag und an den folgenden. „Die hochgebirgige Insel vulkanischen Ursprungs ist geprägt von Gebirgslandschaften mit tief eingeschnittenen Erosionstälern … junge Vulkane mit weiten Caldeiras, weitläufige weißglänzende Puzzolan-Hügel (Magma-Gestein, Anm.) und Hunderte von Metern hohe Basaltfelsen bilden dramatische Vulkanlandschaften“, heißt es in wikipedia. „Dramatisch“? Ja! Jedenfalls faszinierend, wunderschön und immer wieder zum Stehenbleiben und Staunen einladend.
Die Namen der passierten Orte werden demgegenüber nachrangig, ich vergesse sie ja doch wieder, Ribeira da Cruz, Ribeira das Patas, Figueiras, Cha de Igreja, Espongeiro, Vila das Pombas und wie sie alle hießen. Nur Ponta do Sol werde ich mir merken, wunderbar gelegen am nördlichsten Punkt der Insel, atlantikumtost, mit netten Lokalen und dem besten Essen der Reise im „Caleta“ dem Restaurant einer korsischen Maitresse (?) de Cuisine, die einheimische und europäische Kulinarik virtuos kombiniert.
Und was ich ganz sicher nicht vergessen werde, weil es unvergesslich ist: der Abstieg am dritten Tag, 800 Meter die Vulkankraterwand der Bordeira de Norte hinunter auf einem supersteilen Serpentinenpfad, in wohl mühsamster Arbeit gepflastert wie viele Wege auf der Insel. Wir mäanderten uns abwärts, tief unter uns das Ziel, ein Hotel in Ribeira das Patas, Felder mit Papayas, Bananen und Mangos und weiter im Hintergrund der Atlantik im Abenddunst.

Von nun an ging’s bergab – und mit was für einer Aussicht!

Oder: das hastige Hüpfen über Felsen und Steine am Strand, vor der Ankunft in Cha de Igreja, einige hundert Meter flankiert vom wilden Ozean, der einigen von uns die Beine bis hoch zu den Shorts benetzte. Guide Jandir meinte davor, es sei wegen der wilden Brandung nie ganz sicher, ob die Stelle passierbar ist, aber versuchen würden wir’s, denn der Umweg würde uns mehr als zwei Stunden kosten. Und es ging, auch wenn für einen meeresungewohnten Österreicher wie mich die Wucht der Wellen ein echter Thrill war. Jandir, ein Modellathlet und Twen, der demnächst Vater wird, eilte nochmals zurück, um die Nachzügler ebenfalls sicher durch die Gischt zu begleiten.
Ein weiteres Highlight war der spektakuläre Küstenweg entlang der Steilküste am Tag darauf: manchmal zehn, dann wieder 50 Meter über dem Wasser; am Ende kurz vor dem Dorf Fontainhas ein sich den Fels hinaufwindender Kreuzweg mit den 14 Leidensstationen Christi (wie passend kurz vor Ostern), den – wie Lena erzählte – manche Einheimische in solidarischer Buße auf Knien bewältigen.

In der Bildmitte der Küstenweg, ganz rechts ein Abschnitt mit den Langsameren unserer Gruppe

Der Schweiß floss bei uns allen in Strömen. Obwohl Anfang April, hatte es tagsüber um die 25 Grad. Sonnencreme ist ein Muss; bei mir schälte sich dennoch die Haut im ausgesetzten Nacken und an der Ohrenoberseite. In den Pausen suchten wir Schattenplätze, tranken das mitgeschleppte Wasser (Lenas stereotype tägliche Ankündigung: „So drei bis vier Liter werdet Ihr schon brauchen!“), aßen das vom jeweiligen Nachtquartiergeber in Tupperware abgefüllte, einfache, aber nahrhafte Mittagessen oder die von unseren Guides ausgeteilten Kekse (die man ohne viel Flüssigkeit nicht runterbringt).
Zu schleppen gab’s außer Wasser und Nahrung nicht viel. Unser Hauptgepäck (mit viel zu viel warmem Zeug) wurde fast immer per Bus zum nächsten Nachtquartier gebracht; nur einmal, als wir im engen, straßenlosen Figueiras-Tal in einer Schule übernachteten, mussten wir Schlafsack und Wechselkleidung mitnehmen. Dort verzichteten die meisten übrigens darauf, den Klassenraum als Lager zu nutzen – auch ich legte die mir zuteilte Matratze auf dem betonierten Schulhof auf und schlief bei angenehmen Temperaturen unter freiem, von Straßenbeleuchtung ungetrübten Sternenhimmel. Geweckt wurden wir – wie auch sonst oft – vom Kikeriki der Hähne, das lange vor dem Morgengrauen einsetzt, und vom Kläffen der Hunde. Aber müde Wanderer lernen das wie auch das Geschnarche zu ignorieren. Oder nehmen Ohropax.
Wir gingen nicht nur wegen der Anstrengung meist früh zu Bett, auch, weil nach Sonnenuntergang nicht mehr viel los ist, und weil die Zeitdifferenz von drei Stunden zur MEZ frühes Schlafen bzw. Aufstehen nahelegt. Abends gab es in Restaurants am Ankunftsort die beste Mahlzeit des Tages. Viel Fisch (für einen meeresungewohnten Österreicher heißt das viel Grätenklauberei), öfters Hühnchen, als Beilagen Salat, Reis, Kartoffeln, Yams, Maniok, Brotfrucht, Gemüse und „Cachupa“ – der Mais-Bohnen-Eintopf ist das Nationalgericht der Kapverden; dazu das einheimische Strela-Kriola-Bier oder das aus Portugal bekannte Super Bock, seltener Wein (Vinho Verde ebenfalls aus Portugal) oder Fruchtsäfte in Dosen. Das Frühstück fällt dagegen ab: eher fade Brötchen, geschmacksarmer Ziegenfrischkäse, dazu die unvermeidliche Papaya-Marmelade. Manchmal Omelett. Immer Bananen – auch als Zwischendurchmahlzeit bewährt.
Zu den milchkaffeebraunen bis schwarzafrikanisch aussehenden Menschen auf Santo Antao: Da hier der Tourismus noch im Entstehen ist, wurden wir als weiße, offensichtlich Fremde in den Dörfern neugierig beäugt, aber immer wieder freundlich gegrüßt. „Bon dia!“ bis Mittag, danach „Boa tarde!“ hören wir oft und sagen es bald selbst. Auch das allgegenwärtige „tud dret!“ – alles bestens“ – hatten wir bald im Ohr. Obwohl die Leute gelassener sind als bei uns zuhause, gibt es viel zu tun: Die Felder sind oft viele (Höhen-)Meter weit vom Haus entfernt, der trockene Boden, dem Vulkanland in pitoresken Terrassen abgerungen, erfordert ausgeklügelte Bewässerungssysteme und viel Arbeitseinsatz. Esel helfen beim Bewältigen schwerer Lasten, ihre Treiber daneben laufen oft mit unzureichendem Schuhwerk, sogar mit Flipflops – und waren durchwegs schneller als wir mit unseren teuren Wanderschuhen.

Und wieder eine dieser unfassbar schönen Landschaften…

Was auffällt: Schon kleine Mädchen und erst recht junge Frauen haben aufwendige Frisuren mit kunstvoll geflochtenen Zöpfchen, machen sich so schick es die Brieftasche erlaubt. Später dann werden sie als verheiratete Frauen schwere Körbe, Bündel und Zuckerrohrstangen auf dem Kopf balancieren – was man bei Männern nie sieht. Ja, es gibt Machismo auf den Kapverden, meinte Lena dazu. Unsere Führerin, einKommunikationstalent sonder gleichen, ist mit Frauen wie Männern rasch vertraut, oft begrüßte sie jemand mit Umarmung und Bussi, gefolgt von einem kleinen Schwatz. Kein Wunder, hat sie doch in Santo Antao einige Zeit gelebt und in der Zuckerrohrverarbeitung auf dem Biobauernhof eines ausgewanderten Niederösterreichers gearbeitet, bevor sie ihre Agentur auf- und ausbaute. Und wenn etwas beim Service nicht passt, macht sie den Inhabern schon mal Beine, geht z.B. in die Küche und fragt, warum das Essen so lange auf sich warten lässt.
Die Musik auf den Kapverden darf nicht unerwähnt bleiben, die Menschen dort haben eine sichtliche – nein: hörbare – Freude daran. In so manchem abgeschiedenen Dorf ertönt eine Beschallung, als müsste ein Fußballstadion bespielt werden. Oder ging es nur darum, dass sich die Arbeiter auf den Feldern trotz großer Entfernung zum Wohnhaus im Rhythmus wiegen wollen? Auch in Restaurants ist Tischmusik live gespielt nicht unüblich und angenehm anzuhören (sofern es nicht wie in Mindelo in einen Lautstärkewettstreit zwischen einer Capoeira-Schule und einer Easy-Listening-Combo ausartet).
Musikalischer Höhepunkt der Reise war nicht der Besuch im Museum der 2011 verstorbenen großartigen Cesaria Evora, sondern bei Luis Baptista in seiner Werkstatt für Saiteninstrumente und Gitarrenschule in Mindelo. Sein Vater war ein berühmter Musiker, und gemeinsam mit einigen seiner Geschwister und Mitarbeitern bewies Luis, dass auch er ein großer Könner und Kenner sämtlicher Musikstile der Kapverden ist. Das Konzert des sechsköpfigen Ensembles mit Gitarren, Percussion und Gesang ließ unsere inzwischen muskulär aufgerüsteten Beine im Takt mitwippen. Lena kaperte vor dem Abflug von Sao Vicente nach Praia einen CD-Laden am Flughafen und präsentierte uns einige musikalische Must-haves bzw. Must-hears. Ich empfehle Lura, eine gebürtige Portugiesin und derzeit ein großer Star auf den Kapverden, stellvertretend für viele großartige Musiker auf diesen Inseln mit insgesamt nur 530.000 Einwohnern.

Die Kapverden haben nicht nur für die Augen, sondern auch für die Ohren viel zu bieten.

Lena liebt dieses Land, das ist offensichtlich. Darum will sie es auch nach vorne bringen, die Menschen dazu anhalten, ihre touristischen Angebote so qualitätsvoll wie möglich zu gestalten. Oft machte sie sich Notizen, was bei der nächsten Wandertour besser sein sollte. Und vermittelt ihre Anregungen offensichtlich so, dass sich die Adressaten nicht blamiert oder gar brüskiert fühlen. Lenas Tipps verdanke ich einen Liter hochwertige Melasse, die jetzt bei mir im Kühlschrank steht und das morgendliche Müsli aufbessert; weiters ein Fläschchen 77-prozentigen Grogue, der sich bestens mit Fruchtsaft mixen lässt und auf den Inseln zu jeder Gelegenheit gereicht wird.
Und Lena legte auch die Schienen zu einer fakultativen Extratour: Canyoning nahe des fruchtbaren Paul-Tales am Tag vor der Rückreise nach Sao Vicente. Dass hier in einer Schlucht außerhalb der Regenzeit (Juni bis Oktober) Wasser fließen könnte, erschien uns nach den bisherigen Erfahrungen unwahrscheinlich. Jedenfalls sollten wir Sportschuhe anziehen, die nass werden durften – und sie wurden richtig nass. Denn nach einem rund einstündigen Aufstieg traten acht von unserer Gruppe, die 75 Euro in das Abenteuer investierten, in einen Bach, der über mehrere Felsstufen – bis zu 18 Meter tief – zu Tal stürzte. Und wir neben, in und tlw. unter dem Wasser am Seil, alle schön der Reihe nach mit Helmen, Neoprenanzug und Karabinern am Gürtel. Es kostet schon Überwindung, sich im fast 90-Grad-Winkel zur Wand abzuseilen, aber es ist ein Thrill, der Spaß macht. Danach – typisch kapverdianisch – erst mal ein gemeinsames Mittagessen mit den beiden Guides und dem dazugestoßenen Rest unserer Gruppe, erst ganz zum Schluss die Bezahlung.
Es war ein billiger Urlaub, soll heißen: Vor Ort brauchten wir nicht viel Geld. Es blieben ja auch nur zweimal Essen sowie die zu jedem Mahl konsumierten Getränke außerhalb der inkludierten Leistungen. Ich wechselte im Lauf der beiden Wochen 200 Euro und kam damit durch; sogar für Mitbringsel langte es.
Auf der letzten Wanderung auf Santo Antao im grünen Paul-Tal begegneten wir einer alten Frau, die uns ansprach. Lena übersetzte: „Ich wünsche euch eine gute Reise und ein glückliches Leben!“ Mit so einem Reisesegen kann ja gar nichts mehr schiefgehen, merkte ich an.
Mit der Rückfahrt auf der windigen Fähre von Porto Novo nach Mindelo endete die eingangs beschriebene Premiere. Die noch verbleibenden drei Tage in Mindelo und in der Hauptstadt Praia wirken nachträglich etwas aufgepfropft. Aber um auch andere Inseln als Santo Antao richtig kennen und lieben zu lernen ist ja ein weiterer Besuch auf diesen charmanten Fleckchen mitten im Ozean möglich… Nobai!

Ein Kontrastprogramm zur bunten Glitzerwelt europäischer Städte mit ihrem Verkehrslärm

Grödnertal, 21.-27.7.25

Hinfahrt übers deutsche Eck, retour dann über Kärnten.

Südtirol – das klingt nach großartigen Berglandschaften mit vielen Wandermöglichkeiten und einer Küche, die Tiroler Bodenständigkeit mit italienischer Finesse verbindet. Und wir wurden nicht enttäuscht: Das familiengeführte Hotel Grien hoch über St. Ulrich, dem Hauptort des Grödnertals, bietet Luxus zu einem fairen Preis. Wobei: Wir nutzten einen vor drei Jahren erworbenen Gutschein, der unseren HP-Aufenthalt mehr als preiswert machte. Die Wirtsleute Rainer und Monika Avesani legen bei den reichhaltigen Mahlzeiten, im (von uns wegen der Hitze ungenutzten) Wellnessbereich und bei der Zimmer- und Gartengestaltung Wert auf Qualität. Von unserem Hotelzimmer aus ein grandioser Blick auf den wie eine Bischofsmütze hoch aufragenden Langkofel und dahinter die Weltcup-Abfahrtsstrecke von der Saslong. Der Hotelbus mit dem supernetten nordmazedonischen Fahrer Hasim brachte uns in den Ortskern, zu den Bergbahnen auf die Seceda und auf die Seiser Alm.

Blick vom Hotel Grien aus auf den Langkofel

Aber der Reihe nach. Am Samstagfrüh Aufbruch, ca. siebenstündige Fahrt via Salzburg, Innsbruck, Brenner nach Sterzing, wo wir in der Neu- bzw. Altstadt, wie die zentrale, durch den alten Stadtturm getrennte Fußgängerzone heißt, eine Kaffee- und Einkaufsrast machten. Das Wetter so, wie es den Rest der Woche bleiben sollte: sommerlich warm und auch auf Höhe der 5.000-Einwohner-Marktgemeinde St. Ulrich mehrmals über 30 Grad heiß.

Seceda und Seiser Alm – HÖHEpunkte des Urlaubs

Unsere erste Unternehmung führte mit der Seceda-Bahn auf 2500 Meter Seehöhe und an Plätze, von denen man rundum die Bergwelt der Dolomiten bewundern kann. Unsere Gastgeberin Monika hatte gemeint, es gebe dort eine knieschonende Rundwanderung zur Seilbahn, die dann wieder hinunter nach St. Christina führt. Nun ja, schonend vielleicht für sie, vor allem für die etwas kniemarode Claudia war es eine ziemliche Challenge, der Kreuzbandeinriss vom Vorjahr und die Knorpelabnützung machten sich in den nächsten Tagen bemerkbar. Und auch ich hatte nach dem überwiegend Bergabgehen leichten Muskelkater – Joggen in der Ebene ist halt eine sehr andere Belastung. Doch die Ausblicke entschädigten für alle folgenden Wehwehchen. Dazu blühender Enzian, spektakuläre Felsformationen, schwebende Paraglider, köstliche Käseknödel mit Krautsalat auf der Troieralm u.a.m. Kein Wunder, dass sich zig Tourist:innen all das nicht entgehen lassen. Überrepräsentiert solche aus Ostasien, die gefühlt jeden Grashalm fotografieren (sofern sie mit dem Posíeren in Brautkleidung fertig sind).

Wir schafften laut Handyzähler 19.000 Schritte in etwa drei Stunden reiner Gehzeit. Die letzte Etappe führte von der Talstation in St. Christina zum Bus, der uns zurück nach St. Ulrich brachte – vorbei am Hotel von Isolde Kostner, die wie Luis Trenker und Giorgio Moroder ein Spross des Grödnertals ist.
Dazu eine Kuriosität: mehr als 270 Einwohner:innen St. Ulrichs heißen Moroder, je mehr als 200 Demetz oder Kostner. Dem Bergsteiger und Filmemacher Luis Trenker ist in seiner Heimatstadt aktuell eine Ausstellung gewidmet, eine weitere zeigt kunstvolle Holzschnitzereien aus dem Grödnertal, viele davon mit sakralen Motiven.
Am Montag war Erholung und Schonung nach der Vortagsbergtour angesagt. Claudia und ich spazierten durch St. Ulrich, wie fast immer hieß es „due cappuccini per favore“ (wobei hier auch fast alle Deutsch sprechen). Angesichts der Mühe, die Claudia mit dem Stiegensteigen hatte, empfahl sich auch am Dienstag der Verzicht auf eine Bergwanderung – wir besuchten, wie schon vor drei Jahren anlässlich meiner Südtirol-Drautal-Radtour – Bozen. Bei wieder großer Hitze flanierten wir durch die hübsche Innenstadt. Claudia erwarb ein fesches Ensemble mit Hose, Sakko und Leibchen, dazu eine Weste. Süditalienische Atmosphäre genossen wir in der Osteria Dai Carretai (Empfehlung!). In der reichhaltig bestückten Gärtnerei Schullian kauften wir Balkonpflanzen und Zitronenbäumchen. Bei einem weiteren Stopp im Eurospar von Bozen wurden wieder mal Unterschiede bei der Kauflust von Claudia und mir offensichtlich, Mitbringsel gibt’s jedenfalls genug 😉. Nicht dabei: Dessous, obwohl ein entsprechender Laden augenzwinkernd mit „Heute frische Unterhosen“ warb.

Am Abend gab’s im Hotel Grein noch Aufregung: lauttönendes Tatütata wegen eines Brandes einer Landwirtschaft in Wolkenstein, für dessen Eindämmung alle örtlichen Feuerwehrkräfte ausrücken mussten. Das Internet verriet. Nur Sach-, kein Personenschaden.
Claudias Knie erholten sich. Der letzte volle Tag im Grödnertal erlaubte einen Ausflug auf die Seiser Alm (die wir bereits vor drei Jahren kennengelernt hatten). Die größte Hochalm Europas bietet Wanderwege ohne Ende vor der Kulisse von Rosengarten, Schlern, Langkofelgruppe u.a. Nach der ersten Teilstrecke ab der Seilbahn-Bergstation blieb Claudia samt Wanderstöcken auf einem Liegestuhl der Sanonhütte, ich machte zwei Stunden weiter eine Tour runter zum Hotel Saltria. Die Wege sind allesamt gepflegt, eigene gibt’s für die zahlreichen Radler:innen. Als ich einem unberechtigt fahrenden Mountainbiker „You must not go here!“ zurief, antwortete der Jugendliche ungerührt. „I wohn do!“.
Claudia und ich trafen uns wieder bei der Bergstation, ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 19.000 Schritte auf dem Zähler – und war happy über den schönen Tag.

Wanderparadies Seiser Alm

Rückfahrt mit Übernachtung in Kärnten

Am Donnerstag nach dem schon gewohnt üppigen Frühstück Aufbruch in die Berge, um auf der Heimfahrt via Kärnten noch im nächstjährigen Olympiaort Cortina d’Ampezzo vorbeizuschauen. Distanz von St. Ulrich. 77 km über drei spektakuläre Dolomitenpässe: Sellajoch, Pordoijoch und Falzarego-Pass. Wir halten mehrmals, um zu staunen – auch über die vielen Radfahrer:innen, die die Mühen des Höhenmeter-Sammelns nicht scheuen.
Cortina ließen wir dann aber nach einer Innenstadtumrundung links liegen. Zu viele Baustellen, kaum Parkflächen und jetzt schon überlaufen. Stattdessen Halt an einem heruntergekommenen Gasthaus in Landro, einem Nobelziel der K.u.K.-Zeit mit Blick auf die Drei Zinnen.

Dann wieder Österreich, nach dem Puster- das Drautal. Kurzer Stopp bei der schönen Kirche im Örtchen Berg, wo ich auf meiner Drautal-Radtour schon mal übernachtete. Die brütende Hitze ließ uns das Übernachtungsquartier anpeilen – in Gmünd, halb so groß wie St. Ulrich, aber eine Stadt. Und zwar eine, die auf ihr Kulturleben zurecht stolz ist: viele Galerien, David-Hockney-Ausstellung und eine Vernissage, bei der wir kurz reinschauten. Davor aber noch eine echte Entdeckung: Der Berggasthof „Da Graf“ (www.dagraf.at) hoch über dem Maltatal mit Blick in die Nockberge und die Hohen Tauern ist einen Abstecher wert, wenn man in der Gegend is(s)t. Claudia genoss einen bunten Blattsalat mit Früchten, ich eine sensationelle Hirschlasagne.

Wirtin: “Mein Mann kann alles, nur keine kleinen Portionen”

Am Freitag, dem letzten Urlaubstag (in Ostösterreich letzter Schultag und erster Trainingstag für den Österreich-Formel1-GP in Spielberg). Heimfahrt über St. Michael im Lungau, das Murtal – an tausenden parkenden Formel1-Fans vorbei – und den Semmering. Brütende Hitze in Wien, aber: Die Zimmer- und Balkonpflanzen haben überlebt und: It‘s good to be home again.

Radtour Schützen a.G. – Sopron – Rust – Donnerskirchen, 15.6.25

„Tagesausflug nach Sopron/Ödenburg“ mit „Fressi- und Trunkgutschein“ stand auf dem Blatt in schwer leserlicher Schrift, das ich von meinen (längst nicht mehr nur) Kinofreunden Rudi und Josef zum 65er bekam. 8 Monate nach dem Anlass kam es zur Umsetzung, am bisher heißesten (Sonn!)Tag des Jahres und außen uns drei Männern auch mit weiblicher Bereicherung (Babsi, Ines, Elfriede, Helena). Aufbruch war bereits um 7.09 am Wr. Hbf., es konnte somit in Schützen am Gebirge noch bei angenehmen Temperaturen losgehen. Ich der einzige mit E-Bike, drei mit ziemlich neuen Gravelbikes, von denen ich zwei auf der langen Geraden zum historischen Paneuropa-Picknickplatz an der ungarischen Grenze ausprobieren durfte. Coole Geräte, das, um mehr als die Hälfte leichter als mein Rad, damit kann man flott unterwegs sein. Schaltung gewöhnungsbedürftig, ebenso das vergleichsweise instabile Fahrverhalten. Und für meine zwei bis drei Wochen langen Radtouren irgendwo in Europa bleibe ich lieber bei meinem bewährten Cannondale.
Aber das nur am Rande. Vorbei am Tómalom-Badeteich und quer durch ein kühles Waldstück kamen wir an die Ortsgrenze der schönsten burgenländischen Stadt (würde mich interessieren, wieviele Bürger:innen es später bedauerten, dass sie sich bei der Volksabstimmung 1921 für den Verbleib in Ungarn und gegen das geschrumpfte Österreich entschieden). Ich war bisher schon drei Mal in Sopron/Ödenburg und war wieder beeindruckt vom markanten Feuerturm, den mittelalterlichen und barocken Patrizierhäusern am Hauptplatz (Fő tér) der Altstadt. Von den 60.000 Einwohner:innen ließen sich allerdings nur wenige blicken. Gut 30 Grad Celsius zu heiß?

Nach Kaffee, einem Spaziergang durch das Zentrum und einem Mittagessen im Kellergewölbe-Lokal Gyógygödör Borozó teilte sich die siebenköpfige Gruppe: Drei wollten mit dem Zug von Sopron zurück nach Wien, die Gravelbiker:innen und ich hatten noch längst nicht genug: zurück zu Waldstück und Tómalom-Teich, dann aber rechts weg zum Höhenmetersammeln auf dem Radweg nach Mörbisch mit schönen Ausblicken auf den Neusiedler See. Auf der Ebene ging’s mit 25-30 Sachen dahin, der Speed von durchschnittlich 13,5 km/h zu siebent wurde pulverisiert. Stopps an zwei Bäumen mit köstlichen Leithagebirge-Kirchen und dann für einen Eiskaffee am Hafen von Rust. Zuletzt noch einmal Tempobolzen, um den Zug zurück nach Wien ab Bahnhof Donnerskirchen zu erreichen.
Insgesamt ca. 60 km, zwölfeinhalb Stunden nach dem Aufbruch schloss ich wieder die Wohnungstür auf. Schöner Tag, tolles Geschenk, DANKE an alle Beteiligten. Gerne wieder einmal – dann eine Rudi-Geburtstagstour…

Radtour Gaflenz – Maria Seesal – Waidhofen/Ybbs, 6.6.25

Besuch bei rekonvaleszenter Claudia in Weyer, davor ausgehend vom empfehlenswerten Gästehaus Bachner eine Radtour in der hübschen Gegend im Grenzgebiet NÖ/OÖ/Stmk. Herrliches Wetter, viel Auf und Ab (was mit dem E-Bike aber kein Problem ist), ein Teil auf dem mir schon bekannten Ybbstalradweg, den ich jeder Radlerin nur empfehlen kann.

Kurzer Stopp am Wildbadeplatz Opponitz. In the middle of nowhere und ohne Internetortung dann die Anfang des 20. Jht.s errichtete Wallfahrtskirche Maria Seesal, in der ich (alleine) Donna nobis pacem sang. Dann weiter auf der Eisenstraße mit Überbleibseln der früher hier bedeutsamen Bergbau- und Eisenindustriestandorte, Essenspause in Ybbsitz, Eisbecher in Waidhofen und retour nach Gaflenz. 70,5km in 3:14 reine Fahrzeit – ein Genuss!

Radtour Bernhardsthal – Wien, 1.6.2025

Krems (84 km)? Retz (ebenfalls 84 km)? Laa a.d. Thaya (70 km)? Allesamt mögliche Destinationen für einen Radausflug mit Bahnanreise und dann zurück nach Hause in die Donaustadt. Ich entschied mich für Bernhardsthal kurz vor dem tschechischen Breclav, weil es eine Fahrt durch die mir weitgehend unbekannte Region des nördlichen Weinviertels verhieß. Eine Gegend „jwd“, wie Berlinerinnen sagen würden; „janz weit draußen“. Sichtlich wenig benutzte Bahnhöfe wie jener in Drösing, Sierndorf a.d. March oder Jedenspeigen zeigten überdeutlich, dass ich mich hier „an der Peripherie“ bewegte.

Bis auf den Abschnitt Ladendorf-Schleinbach war DAS im Wesentlichen meine Strecke.

Ab Bernhardsthal ging’s flach dahin. Wenig Bäume, umso mehr Felder, kaum Straßenverkehr an einem Sonntag. Wobei: Ich radelte über gut asphaltierte Nebenstraßen bzw. Feldwege – und das blieb auch den Rest des Ausflugs mit nur wenigen Schotterabschnitten so. Bald erreichte ich die Eurovelo-9-Strecke, die von der Ostsee bis zur Adria führt und sich im ersten österreichische Teilstück weitgehend mit der Route „Breclav-Wien“ überschneidet. Das Vermeiden der Schnellstraßen führte dazu, dass die 75 km, für die ein Auto auf der A5 nach Wien eine knappe Stunde benötigt, mit dem E-Bike letztlich 104 km (um 15 mehr als meine Komoot-Planung verhieß) und knappe 5 Stunden reine Fahrzeit wurden.
Kurz vor Mistelbach kam ich beim jetzt völlig eingerüsteten Schloss Ebendorf vorbei, wo ich vor 40 Jahren bei der Landadelsfamilie Mitscha-Märheim als potenzieller Schwiegersohn vorstellig wurde und bis 2003 noch regelmäßig mit Frau und Söhnen zu Gast war. Auch der Umweg über die Innenstadt von Mistelbach erinnerte mich an diese Zeit vor der Scheidung.

Danach wurde es hügeliger und bewaldeter. Fast durchwegs aber gepflegte Radwege mit immer wieder reizvollen Aussichten wie jene auf ein blühendes Rapsfeld, für die das Weinviertel zurecht beliebt ist. Auch das Wetter passte: Während der ersten Stunde mal dichtere Bewölkung, dann aber bis kurz vor Wien frühsommerliches Warmwetter. Den Sonnenschutz hatte ich nicht umsonst eingepackt. In Ladendorf musste ich einmal ein Stück zurückradeln, weil ich zunächst irrtümlich die Route über Großrußbach erwischte, aber eigentlich nach Kreuzstetten wollte. Und nach Wolkersdorf/Obersdorf drückte ich aufs Tempo (letztlich 21,5 km/h Schnitt), denn am Himmel zeigten sich bedrohliche Gewitterwolken… zwei Minuten nach der Ankunft zuhause gingen Sturm und Hagel los.

Fazit: NÖ hat sich einmal mehr als reizvolles, gut ausgeschildertes Radlerland erwiesen. Schöne Gegend, hat trotz etwas Gräserpollenallergiebelastung viel Spaß gemacht und war sicher nicht mein letzter Ausflug ins Weinviertel.

Westbalkantour Split – Dubrovnik – Sarajevo – Zagreb, 30.4.-9.5.

Die erste Reise nach der Katastrophe – und die Anreise per Nightjet von Wien nach Split würde nach Claudias Schulter-OP eineinhalb Monate davor vorhersehbar kein Honiglecken werden. Und tatsächlich. Das Gerüttel im unbequemen Liegewagen sorgte für tagelange Schmerzen. Für etwas Entschädigung sorgte der erste Blick aufs Meer, als wir die dalmatinische Küste erreichten. Am gemessen an der Größe von Split lächerlich kleinen Bahnhof entlud ich unseren Renault und wir fuhren zu unserem gut gewählten Hotel (Horizon Luxury Suites) nahe der City mit Blick auf die Adria und die gegenüber liegende Insel Brac. Die freundliche Rezeptionistin machte sich mit dem Hinweis sympathisch, wir sollten doch statt 15,-/Tag auf dem hoteleigenen Parkplatz ein Stück die Straße weiter unten gratis parken.
Split war rundum sympathisch, was nicht nur an dem milden Frühsommerwetter lag. Eine faszinierende Altstadt mit antikem Diokletianpalast und vielen mittelalterlichen Zubauten, die Strandpromenade Riva, der Blick vom Hausberg Marjan auf die Stadt, die vielen guten Restaurants, die Open-Air-Musik auf der Pjaca … all das ist eine Reise wert, zumal von Österreich aus leicht erreichbar. Hervorragend war die Walkative!-Führung einer jungen Historikerin und Anglistin für nur 3 Personen (die Spanisch-Gruppe war erstaunlicherweise viel üppiger), die nicht nur über ihre Heimatstadt viel Wissenswertes zu berichten hatte. Z.B. dass der Christenverfolger Diokletian seinen riesigen Alterssitz in nur zehn Jahren (295-305) erbauen ließ und bis zu seinem Tod 312 (?) bewohnte. Oder. Dass „pomale“ sowas wie ein Leitwort für die Einheimischen ist, wir kennen das ja auch vom österreichischen Dialekt. Es bedeutet so viel wie „nua net hudln“ und ist als Aufschrift auf T-Shirts und Häferl zu kaufen.

Einen der drei vollen Tage in Split verbrachten wir im Weltkulturerbe-Städtchen Trogir – Anreise per Holperbus wiederum sehr anstrengend für Claudia. Die verwinkelten Gässchen mit seinen an der Adria am besten erhaltenen romanisch-gotischen Bauten sind absolut sehenswert.

Gässchen in Trogir

Besonders erwähnen möchte ich in Split noch das Restaurant Fantazija im Westen der Altstadt, wohin mich Claudia als Dank für meine Schulterpflege zu einem hervorragenden Menü einlud. Als Vorspeise die besten Oliven, die ich jemals aß, als Hauptgang wählte ich leichtsinnigerweise Langustinen mit Nudeln und Tomatensoße – und hatte mit den Schalentieren arg zu kämpfen. Der freundliche Kellner bot mitleidig Hilfe an, band mir ein Lätzchen um und meinte, ich solle statt der Zange ruhig auch die Finger benutzen. Das tat ich dann, und doch war das Gericht schon etwas kalt, als ich die Chose beendet hatte.

und weiter ging’s die inselreiche dalmatinische Küste entlang

Am Sonntag gings weiter die Küste südwärts – am bosnischen Meerzugang vorbei – nach Dubrovnik, einem der Overtourism-Spots von Europa. Wir erreichten nachmittags unser Apartment im zentrumsnahen Stadtteil Montovjerne, hügelig, wie der Name schon sagt. Erstes Ziel nach der Durchquerung der berühmten mittelalterlichen Innenstadt war die Stadtseilbahn, die uns für einen stolzen Preis von je 27.- in wenigen Minuten auf den Hausberg brachte. Nach einer halben Stunde Fernblick auf Old Town und die Stadtmauer rundherum sowie die Insel Lokrum hatten wir genug und Hunger. Wir folgten zwei Empfehlungen unserer Gastgeberin Stanka und fuhren mit Uber-Taxi zu einem Restaurant nahe unseres Quartiers.
Am nächsten Tag entspanntes Spazieren durch das „Freiluftmuseum“ mit Touristenströmen auch am Montag. Übrigens kann man nur hier flanieren, überall sonst sind Fußgänger:innen Freiwild, dem kaum Platz zugestanden wird oder für die auch an Zebrastreifen nicht gebremst wird. Vom Radeln will ich gar nicht reden … aber das scheint ein Problem auf dem gesamten Balkan zu sein. Mich hupte ein Busfahrer an, weil ich zwar ordnungsgemäß am Gehsteig ging, aber seiner Ansicht nach zu gefährlich nahe an der Fahrbahn.
Ich war zum zweiten Mal in Dubrovnik – und wohl auch zum letzten Mal. Es ist dort (mit Kreuzfahrttouristen) überfüllt, die Preise dementsprechend hoch (3,80 für eine Kugel Eis; 40,- fürs Besteigen der Stadtmauer) und außerhalb der City gibt’s ohnehin nichts, was wirklich lohnt.

Dubrovnik von oben – nicht ganz so übervoll

Nächstes Ziel: Sarajevo. Zuerst aber, nach unproblematischer Überschreitung der EU-Außengrenze, Zwischenstation bei den Kravica-Wasserfällen, die aufgrund des vorangegangenen Regens auch wirklich imposant waren. Was mein gestreamtes Video beweist. Dann weiter nach Mostar mit der berühmten alten Brücke, die nach Zerstörung im Krieg durch kroatische Streitmächte wieder originalgetreu aufgebaut wurde, hoch über dem bewegten Fluss Neretva, auf dem fleißig gepaddelt wird. Die Stadt in Bosnien und Herzegowina mit den höchsten Temperaturen und dem meisten Niederschlag war die erste mit vielen Moscheen und orientalischem Flair auf unserer Fahrt und eignete sich bestens für einen Zwischenstopp, eine Mahlzeit mit Blick auf die Brücke und einen Rundgang über eine zweite Brücke zurück zum geparkten Auto.


Das Wetter wurde schlechter, und als wir auf der vom Süden kommend endlosen Stadteinfahrt (länger als die Westeinfahrt in Wien?) das Zentrum von Sarajevo erreichten, goss es in Strömen. Kessellage, grau in grau, erster Eindruck: Was tun wir hier?!? Doch der täuschte. Schon der Empfang durch Adi, unseren hilfsbereiten bosnischen Gastgeber mit perfektem Englisch, war aufbauend, das von ihm empfohlene Restaurant Klopa gleich neben der katholischen Kathedrale mit der Statue Johannes Pauls II. davor ausgezeichnet. Beim anschließenden Spaziergang dann gleich Begegnung mit einem welthistorischen Schauplatz: Im Asphalt markiert die Fußstapfen von Gavrilo Princip, der mit den tödlichen Schüssen auf Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Gattin Sophie wenige Meter entfernt ein weltweites Blutbad entfesselte. Drei serbische junge Männer fotografierten einander vor diesem Mahnmal des Terrors, auf mein „Be careful, we are from Austria!“ ergab sich eine kurze Diskussion mit einem, der diesen jugendlichen Attentäter als Helden betrachtete („That was not your country!“).
Wesentlich differenzierter zeichnete am nächsten Tag Guide Ahmed von „GuruWalk“ das historische Bild einer Stadt, die zurecht immer stolz auf seine interreligiöse und interkulturelle Vielfalt war. Er meinte auch, dass Separatisten wie der sich gerade im Clinch mit Neo(s)-Außenministerin Meinl-Reisinger befindliche Rep. Srpska-Führer Milorad Dodik im Land eine kleine Minderheit darstellen. Gerade in Sarajevo herrsche ein anderer Geist.
Und das ist glaubwürdig. Viele Minarette neben orthodoxen und katholischen Kirchen, wenig verschleierte Muslimas, nirgendwo die Spur von Gehässigkeit. Einfach eine freundliche Atmosphäre in der Stadt, die eine leicht überschreitbare Grenze kennt: jene in der Old Town zwischen dem muslimisch-basarhaften (Tipp für Leckermäuler: Baklava Ducan!) und dem altösterreichischen Teil. Von den Österreichern und ihren Investments bis zur jüngeren Gegenwart sprach Guide Ahmed übrigens sehr wertschätzend. Princip war für ihn ein Terrorist, und meiner Einschätzung stimmte er uneingeschränkt zu. „Nationalism ist like a cancer in the brain“.

Ein Abend und ein ganzer Tag waren definitiv zu kurz für Sarajevo; auch der Besuch im Museum der Verbrechen gegen Menschlichkeit und Genozid über die schaurigen 3 Jahre Besatzung und Beschuss durch serbische Truppen nahmen mir nicht die Lust auf einen weiteren Besuch.
Sarajevo ist halt nicht leicht (am besten noch per Flugzeug) erreichbar, wie wir am nächsten, dem längsten Reisetag (Donnerstag) er-fuhren. Es dauerte 8 Stunden, bis wir via Jajce (die diesmal verregnete alte bosnische Hauptstadt mit einem Wasserfall im Zentrum), Banja Luka und Grenzübergang Jasenovac gegen 19 Uhr im Herzen Zagrebs ankamen. Und gleich mit Glockengeläut der Kathedrale begrüßt wurden: Denn aus der Sixtina stieg weißer Rauch auf. Habemus Papam!
Über Zagreb gibt’s nicht viel zu erzählen. Zu kurz war unser Aufenthalt. Ein Abendspaziergang mit einem guten, wenn auch viel zu späten Dinner in der „Fressmeile“ der kroatischen Hauptstadt bleibt in Erinnerung. Und die Freundlichkeit der Rezeptionistin im Hotel, dass sie Claudias vergessene elektrische Zahnbürste sofort express nachschickte. Zagreb – auch das ein Ort, der einen weiteren Besuch lohnte.
Am Freitag ging’s großteils auf der Autobahn via Maribor und Graz flott nach Hause. Bis zum Megastau auf der Tangente…

Ausflug 25.-28.2.25 Graz

Ach, Graz. Dorthin zu fahren – diesmal mit der Bahn mit wohlfeilem Sparschiene-Ticket, ist jedes Mal wie ein Stück heimkommen – obwohl ich schon seit 40 Jahren nicht mehr dort wohne. Einiges hat sich seither verändert: das „friendly Alien“ (Kunsthaus) wurde gebaut, die Acconci-Insel in der Mur, die Theolog:innen verließen die Hauptuni. Ich bezog Quartier bei lieben Freunden, den Pichlbauers, in deren gemütlichem Haus am westlichen Stadtrand, traf mit Pepi PT einen weiteren Gefährten aus meiner Studienzeit (bei einer Vernissage im Kunsthaus), stieg wie so oft auf die gotische Doppelwendeltreppe, kaufte in der Buchhandlung Moser ein, labte mich im Café Promenade, wanderte die hübsche Innenstadt ab, holte Atem in der Stadtpfarrkirche (wo ich mich wunderte, dass ich an dieser Oase der Stille alleine blieb (siehe Instagram). Und besuchte natürlich meine Geschwister: Martina in ihrer neuen Wohnung nahe dem Lendplatz, Andreas an seinem 55. Geburtstag im Restaurant unter seiner Wohnung – nachdem meine Nichte Rosa im Hinblick auf ihre Erstkommunion getauft wurde.
Schön war es auch, den Leiter des „Kultum“, Johannes Rauchenberger, in Begleitung DES Brückenbauers zwischen Moderner Kunst und Theologie, Friedhelm Mennekes SJ, zu treffen und von ihm ermuntert zu werden, die neue Ausstellung über Kultum-Gründer Josef Fink schon vor der Eröffnung zu besuchen. Den attraktiven Rahmen dafür bietet das umgebaute, seit 50 Jahren bestehende Kulturzentrum, in dem glaubensoffene Kunst und Kultur eine einladende Heimstatt hat. Ich komme wieder – ins Kultum, und nach Graz sowieso.

Die Stadtpfarrkirche in der Grazer Herrengasse – einen Besuch wert

Ausflug 19.2-21.2.2025 Gourmet-Restaurant Triad, Bad Schönau ******

Das Triad ist regelmäßig unter den Top-Gasthäusern Österreichs und in NÖ schon länger an der Spitze – sowas wie das Steirereck am Pogusch in meiner Heimatregion. Und das zurecht, nimmt man die beiden Falstaff- und Gault-Millau-belobigten Abendmenüs zum Maßstab, die Teil des Zwei-Nächte-Packages waren, mit denen ich meine Liebste zu Weihnachten beglückte. Am zweiten Abend wurden wir sogar in die Küche gebeten und sahen Küchenmeister Uwe Machreich beim Dirigieren seiner Kulinarikbrigade zu. Erstaunlich stressarm ging’s dort zu, und zum Plaudern u.a. über die drei Teenagerkinder der Wirtsleute blieb auch noch Zeit („Wir machen das nicht für sie, sondern für uns…“).

“Weg der Blicke” rund um Bad Schönau

Nicht von schlechten Eltern auch das Frühstück und die geschmackvoll eingerichteten Zimmer. Und die landschaftlich reizvolle Umgebung der Buckligen Welt lud tagsüber zu Ausflügen aus – am Freitag z.B. 16.000 Schritte rauf zum und rund um den 896m hohen Hutwisch. Fazit: nichts für Sparmeister, aber für bewegungsfreudige Feinschmecker!

Kurzurlaub 28.1.-31.1.25 Bad Tatzmannsdorf, Reduce Hotel Thermal

Unsere erste Reise als Pensionisten-Ehepaar – in ein Thermenhotel, in dem wir den Altersdurchschnitt wohl um einiges senkten. Nach dem Frühstücksbüffet zweimal Sport (Joggen im burgenländischen Umland), dann kleines Mittagessen mit Suppe und Salat, ab 14h Nachmittagsjause mit Kuchen und Fruchtsäften, abends 4-Gang-Wahlmenü plus Käse. Und natürlich Schwimmen in den warmen Thermalbecken, Saunieren mit Duftöl-Aufguss, lesen, entspannen, lang schlafen in den geräumigen Zimmern. Ein Tipp für alle, die dorthin fahren: Kaffee bei Kaplan am Kurpark, plus beste Krapfen des Burgenlandes. Also ohne Sport hätte ich dort noch mehr zugenommen als den einen Kilo plus nach der Heimkehr…

Ohne Worte, ohne Stress