Adventmail 2024/01 (Farben)

Es geht diesmal, wie angekündigt, um Farben.
Als ich im Winter 2004/05 in die autofreie Mustersiedlung in Wien-Floridsdorf übersiedelte und ich damit für mein noch recht frisches Single-Dasein nach der Scheidung eine eigene Heimstatt fand, bemalte ich zwei Wände in meiner neuen Maisonette-Wohnung mit einem Terracotta-Farbton. Das sollte Aufbruch signalisieren, Lebendigkeit, Power für den neuen Lebensabschnitt. Nach einiger Zeit folgte im unteren Zimmer – der Reihe nach bewohnt von meinen studierenden Söhnen – ein Anstrich in Türkisblau und Gelb.
Damals dachte ich noch nicht daran, dass mir beim Wiederausziehen auferlegt werden würde, die Wände wieder übergabefreundlich, d.h. in übermalungsgeeigneten hellen Farbtönen zu hinterlassen. Vor dem Umzug in die Wohnung meiner Liebsten jenseits der Bezirksgrenze in der Donaustadt plagte ich mich somit noch tagelang damit, die betreffenden Wände erblassen zu lassen – was gar nicht leicht war. Außerdem ist die Motivation enden wollend, sich noch ausgiebig einer Altwohnung zu widmen, wenn man schon in einer schöneren neuen lebt.
Seit Herbst 2018 wohne ich in einer Wohnung, deren vier Zimmer ich je unterschiedliche, geschmackvolle Farbgestaltungen vorfand. Im südseitig gelegenen Wohnzimmer z.B. harmoniert eine Wand in Brombeerton mit freundlichem Gelb, im Schlafzimmer ergänzen sich Lila und Zartrosa, meinem Arbeits- und Rückzugsraum habe ich umgestaltet: Nun trifft eine Tapete in Steinmauerdesign auf Wände in hellem Beige. Am ungewöhnlichsten – nämlich rundum in dunkelviolett gehalten – ist die Toilette.
Es stehen Erneuerungen an. Denn bei der Erstbemalung vor mittlerweile 20 Jahren wurde auf die Beständigkeit der Wandfarben noch kein Augenmerk gerichtet. Was z.B. dazu führt, dass unter dem jährlich wechselnden großformatigen Landschaftskalender im Wohnzimmer die Brombeerfarbe noch deutlich frischer wirkt als auf dem Rest der Wand. Ein schönes Projekt für die demnächst beginnende „bunte“ Zeit nach der Phase der Vollerwerbsarbeit…