Adventmail 2007/04 (Countdown 24-1)

4. Dezember – 21
Kann man beweisen, dass es eine Seele gibt? Ja, meinte der US-amerikanische Arzt Duncan MacDougall. Er wog im frühen 20. Jahrhundert sechs sterbende Patienten – als Versuch einer „Psychostasie“ (so heißt das schon in Altägypten gebräuchliche Wiegen des Herzens eines Toten; das ermittelte Gewicht stand stellvertretend für den Wert der Seele). MacDougall baute eine Präzisionswaage – ein an einem Gestell aufgehängtes Bett, dessen Gewicht samt Inhalt sich genau bestimmen ließ. Die Gewichtsdifferenz zwischen lebendigen und toten Patienten betrug 21 Gramm: das vermeintliche Gewicht der Seele. 15 (vergiftete) Hunde dagegen verendeten auf der Waage ohne den geringsten Gewichtsverlust – der „Beweis“, dass Tiere eben keine Seele haben.
1907 erschienen Berichte über diese Untersuchungen in der „New York Times“ sowie in der medizinischen Zeitschrift „American Medicine“. Auf MacDougalls Experimente und deren Ergebnisse bezog sich der 2003 vom mexikanischen Regisseur Alejandro Gonzalez Inarritu (der 2006 mit „Babel“ für Furore sorgte) gedrehte Film „21 Gramm“.
Zu anderen Ergebnissen kamen übrigens in den 1920ern die niederländischen Physiker Zaalberg van Zelst und Malta. In ihren Versuchen in Den Haag wogen sie Sterbende ermittelten dabei im Moment des klinischen Todes einen nicht zu erklärenden Gewichtsverlust der Personen von 69,5 Gramm. Der Beweis, dass Amerikaner weniger Seele haben?