Adventmail 2008/23 (Briefe an…)

Von: Rudi Krammer Rudi.Krammer@blackbox.at

Saß kurz nach der Angelobung des neuen Nationalrates sonntags vor meinem Fernseher und wurde hellhörig, als ein ÖVP Abgeordneter (Mag. Peter Michael Ikrath aus meinem Döblinger Wahlkreis) gefragt wurde, was das mit der „Weißen Rose“ so auf sich habe, die die ÖVP Abgeordneten bei der Angelobung und bei der Wahl der drei Nationalratspräsidenten getragen haben. Ich glaubte dann meinen Ohren nicht zu trauen, als er die Weiße Rose auch mit den Geschwistern Scholl (Gruppe „Weiße Rose“, hingerichtet wegen Widerstand gegen NS-Regime) in Verbindung brachte. Das konnte ich nicht glauben …
Ich hab mich dann per E-Mail bemüht eine Bestätigung vom „Parlamentsmagazin Hohes Haus“ zu bekommen. Da kam noch keine Antwort. So hab ich beschlossen, mich an den Nationalratsabgeordneten aus meinem Wahlkreis direkt zu wenden, weil ich es einfach „daneben“ und „zynisch“ finde, bei der Wahl des dritten Nationalratspräsidenten (Dr. Martin Graf, Mitglied der rechtsradikalen Burschenschaft Olympia; Zitat („Der Spiegel“ 24/97: „Die heutigen Staatsgrenzen wurden willkürlich gezogen; das deutsche Volkstum muss sich frei in Europa entfalten können.“) eine „Weiße Rose“ zu tragen.

Mein Mail vom 9.11.2008:
„Sg. Herr Mag. Ikrath,
können Sie mir, einem Döblinger, erklären, warum die ÖVP-Abgeordneten bei der Angelobung im Parlament eine „Weiße Rose“ angesteckt haben. Ich hab‘ mich doch einigermaßen gewundert, da ich die „Weiße Rose“ eher aus einem ANDEREN Zusammenhang kenne und sie mit den Geschwistern Scholl verbinde.
Mit freundlichen Grüßen,
Mag. Rudi Krammer“

Die Antwort vom 1.12.2008 ist von beneidenswerter Unschuld …
„Sehr geehrter Herr Mag. Krammer,
im Auftrag von Mag. Ikrath darf ich zu Ihrer Anfrage vom 9. November folgendes mitteilen:
Ursprünglich war es gar nicht die Rose sondern eine weiße Nelke, welche die ÖVP-Abgeordneten bei ihrer Angelobung im Nationalrat am Revers getragen hatten. Denn seit mehr als 100 Jahren gilt die weiße Nelke als Symbol des christlich-sozialen Widerstandes. Erst ÖVP-Klubobmann und späterer Erster Nationalratspräsident Dr. Andreas Khol war es, der den Abgeordneten bei der konstituierenden Sitzung anstatt der Nelke eine weiße Rose anstecken ließ. Vielleicht aus eigener Vorliebe, möglicherweise aber auch zur besseren Abgrenzung gegenüber der SPÖ, die traditionell die rote Nelke als Symbol ihrer Parteiorganisation verwendet.
Tatsächlich war es gar nicht so leicht, eine fachkundige Auskunftsperson in dieser Frage zu finden. Daher ersuche ich um Verständnis, dass Sie nun etwas länger auf die Antwort warten mussten.
Mit besten Grüßen
Christian Jäger“