Adventmail 2009/17 (Was geschah am … Dezember?)

Über den 17. Dezember …
… schreibe ich exakt einen Monat früher und widerstehe der Versuchung, über die 1989 an diesem Tag erstmals ausgestrahlte Simpsons-Folge zu erzählen. Das werden ohnehin andere Medien ausgiebig tun, schätze ich.
Nein, ich berichte über die gesetzliche Einführung des Achtstundentages in Österreich am 17.12.1919 durch die Nationalversammlung (ab 1920: Nationalrat) der Republik Österreich.
Der Achtstundentag war eine der ältesten Forderungen der Arbeiterbewegung und erstmals vom walisischen Sozialreformer Robert Owen (1771-1858) im Slogan formuliert: „Acht Stunden arbeiten, acht Stunden schlafen und acht Stunden Freizeit und Erholung“.
Bei einer Fünf-Tage-Woche wären das also 40 Stunden, was heute in Österreich laut Arbeitszeitgesetz die Normalarbeitszeit wäre. Die tatsächliche Wochenarbeitszeit ist zwei Jahrhunderte nach Owen jedoch in Österreich höher – und in der EU sonst so hoch wie nur in Großbritannien, nämlich 42,4 Stunden für unselbständige Vollzeitbeschäftigte. Natürlich ist in Europa seit der Industrialisierung die Arbeitszeit gesunken – mit Ausnahme der vergangenen 10 Jahre. Da hieß es von Arbeitgeberseite, ein Anstieg der Arbeitszeit sei sinnvoll oder sogar unumgänglich. Ich glaube das nicht. Eine Arbeitszeitverkürzung muss nicht – wie behauptet – mit Produktionsrückgängen verbunden sein. Das Arbeitsvolumen, also die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden pro Kopf der Bevölkerung hat sich zwischen 1900 und 2000 recht genau halbiert. Zugleich wird heute – aufgrund des Produktivitäts-Fortschritts – pro Kopf der Bevölkerung die sechsfache Menge an Gütern und Dienstleistungen erwirtschaftet wie vor 100 Jahren.
Also: Her mit der 35-Stunden-Woche!