Adventmail 2013/04 (Advent-Jukebox)

CLAUDIA, Lehrerin und Mitwanderin auf Madeira, Düsseldorf:
Plätzchenbacken in der Familie hat bei uns Tradition. Es ist immer etwas chaotisch und immer mit Musik im Hintergrund. Viele Jahre lang war Rolf Zuckowski der Hit. Die “Weihnachtsbäckerei” (www.youtube.com/watch?v=ul7Y06TOq5w‎) wurde gesungen, auf Cello und Geige einstimmig und zweistimmig gespielt. Meine Kinder liebten die Wiederholung….
Vor acht Jahren war ich (noch in Hamburg wohnend) auf einem Adventskonzert und lernte „Maybebop“ – ein deutsches A-capella-Pop-Quartett – kennen. Und beschloss: Kein Zuckowsky mehr, nie mehr.
Die Kinder waren begeistert von den Adventsliedern von Maybebop und haben die Zeichen der Zeit verstanden. Sie entdeckten die Lebensmittelfarbe und färbten alles: den Teig, den Guss, die Dekoration. Unsere Plätzchen schmeckten immer noch vorzüglich, jedoch kostete es mich manchmal schon Überwindung, in diese grellbunten Objekte mit Genuss hineinzubeißen!

Maybebop: „Gummibaum“ (2008), www.youtube.com/watch?v=20U_NwQiZAc

Adventmail 2013/03 (Advent-Jukebox)

FABIAN, Informatikstudent, Sohn und Mitbewohner, Wien:
Das Lied, das ich gewählt habe, ist “Lilium” aus der Serie “Elfen Lied”, gesungen von Kumiko Noma.
“Elfen Lied” ist eine japanische Anime-Serie. Lilium spielt hauptsächlich während der Eröffnungssequenz der Serie, während im Hintergrund eine Montage abgeänderter Gustav-Klimt-Bilder zu sehen ist (die Figuren im Original wurden durch die Hauptcharaktere der Serie ersetzt). Eine wunderschöne Art, jede Folge zu beginnen. Aber auch während der Serie spielt Lilium eine Rolle; es ist das Lied, das die beiden Protagonisten verbindet.
Falls ihr euch „Elfen Lied“ selbst ansehen wollt, muss ich allerdings warnen: Die Serie scheut sich nicht vor der offenen Darstellung von Gewalt und Blut. Darüber hinaus ist sie allerdings sehr empfehlenswert, mit einer der rührendsten Geschichten in Anime (meiner Meinung nach). Und da ich 11 war, als ich die Serie zum ersten Mal gesehen habe, kann ich auch nicht behaupten, sie sei für Kinder dieser Altersklasse ungeeignet.
Lilium erweckt zunächst gar nicht den Anschein, aus einer japanischen Serie zu stammen, wurde aber in der Tat für die Serie geschrieben. Es wurde einem gregorianischem Gesang nachempfunden, daher ist der Text in Latein und besteht zu einem guten Teil aus Bibelversen. Dazu kommen das Orchester und die wunderbare Stimme von Kumiko Noma, was zusammen eine herrliche Kombination ergibt.
“Elfen Lied” ist auch heute noch eine meiner absoluten Favoriten und Lilium spielt dabei keine unwichtige Rolle. Es ist zweifellos ein äußerst einprägsames Lied. Ich versuche im Moment, es mir selbst für Klavier zu arrangieren.

Kayo Konishi/Yukio Kondo: “Lilium” (Titellied der japanischen Anime-Serie “Elfen Lied”, 2004), http://youtu.be/qA3oPpH7KVg

Falls euch die Orchesterfassung gefallen hat, kann ich auch sehr die “Heiligen-Version” empfehlen (Männerchor mit Klavier): http://youtu.be/znUKJKO-wjs

Adventmail 2013/02 (Advent-Jukebox)

ANNEMARIE, Chefredakteurin von „Lebensart“, Herzogenburg:
Ich hör euch schon unken: Na geh, bitte! Doch nicht diesen kommerziellen „Hadern“.
Trotzdem: Dieser Song ist alles andere als eine verpuffende Eintagsfliege! Ein Lied, das sich seit fast 30 Jahren in den Playlisten hält, darf sich zu den zeitlosen Kunstwerken zählen. In meiner ganz persönlichen Favoritenliste steht es gleich neben Hermann Hesses Gedicht „Stufen“: „Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, an keinem wie an einer Heimat hängen …..“
Schon die anschwellenden Töne zu Beginn sind verheißungsvoll wie sich zusammenballende Gewitterwolken vor ihrer kraftvollen Entladung. Fast möchte man an orgastische Leidenschaft denken. Auch wenn der Text vordergründig von einer Liebesgeschichte handelt, steht er doch für viel mehr. Eine Interpretation lautet: „This song is about wanting to leave a bad place or relationship in your life and leave it all behind.“
Als dieser Song das erste Mal im Radio gespielt wurde, 1984, da war ich eine junge Frau, verliebt und glücklich verheiratet, und hatte keinesfalls den Wunsch, aus meinem Lebenskonzept auszubrechen. „I want to break free“ entsprach eher meinem innersten Wesen, das sich entwickeln wollte und unter selbst auferlegten Zwängen verschüttet war.
Jahre später war es meine Ehe, die es loszulassen galt. Danach standen eine berufliche Veränderung, eine herausfordernde Weiterbildung an. Immer hat mir dieses Lied eine innere Kraft gespiegelt, die dabei half, destruktive Lebensphasen hinter mir zu lassen. Mit jeder Lebensstufe fühlte ich mich freier. Heute erfüllt mich dieser Song mit einem milden Lächeln und der Freude darüber, wie viele zwängende Ringe sich schon verabschiedet haben – eine der guten Seiten am mittleren Lebensalter. Sobald ich mich satt und bequem zurücklehne, erinnert Freddie Mercury daran, hinzuschauen und offen für Veränderungen zu bleiben.
Ich schreibe diese Zeilen am 24. November, dem 22. Todestag von Freddie. Er starb in dem Jahr, in dem mein Sohn geboren wurde.

Queen: „I want to break free“ (1984), www.youtube.com/watch?v=o-Zo4AVL7AE&noredirect=1

Adventmail 2013/01 (Advent-Jukebox)

NORBERT, Organisations- und Managementberater bei www.ihratelier.at, langjähriger Freund, Wien
Als ich von Robert zu diesen Zeilen angestiftet wurde, welches Musikstück mir etwas bedeutet, hätte ich unter gehetzteren Umständen wahrscheinlich sofort Dylans “Like A Rolling Stone”, “Visions of Johanna” oder “Desolation Row” genannt oder vielleicht auch “Out The Blue” oder “Love” von John Lennon.
Doch die paar Sekunden, die mir der Zustand von Entspannung verschaffte, reichten aus, um mich in meiner Erinnerung umgehend in meiner Kindheit wiederzufinden. Und sofort tauchte ein (etwa 45 Jahre altes) “Hörbild” auf: ein Augenblick von Geborgenheit, ein Gefühl, das alles einfach nur gut ist:
Meine Mutter, mein (damals noch) ständig störender kleiner Bruder, meine Großmutter und ich hatten uns staunend vor einem Magnetophon eingefunden, das mein Onkel erstanden hatte. Nicht ohne Stolz, wie ich meine mich zu erinnern, befestigte er die eine Spule mit dem Magnetband auf der rechten Seite des viereckigen Kästchens und fixierte das lose Ende des Bandes an der Nabe der leeren Spule auf dessen linker Seite. Als sich die Spulen zu drehen begannen, ertönte plötzlich Musik aus dem Deckel des Gerätes: Ich hörte zum ersten Mal “Peter und der Wolf” von Serge Prokofieff. Damals muss ich etwa fünf Jahre alt gewesen sein, wir hatten noch keines dieser modernen Fernsehgeräte und ich kannte eigentlich nur das “Traummännlein” aus dem Radio, das eine Erzählstimme und Musik miteinander kombinierte. Doch das war leider immer nur sehr kurz – vor allem vor dem Schlafengehen. Aber dass man aus der Musik eine Geschichte heraushören konnte und noch dazu genau wusste, welche Figur sich wie anhörte , ohne dass man sie dauernd beim Namen nennen musste, also das faszinierte mich ungemein. Und obendrein: Eine ganz lange Geschichte, spannend und dann ging sie Gott sei Dank noch gut aus!
Das einzige, was mich an dieser Idylle irritierte war, so glaube ich, dass der Held genauso wie mein kleiner Bruder Peter und nicht wie ich, der große Bruder Norbert, hieß. Vielleicht war das auch der Grund, aus dem ich anfing zu denken, dass er glaube, er könne sich immer wieder vordrängen, nur weil er kleiner wäre. Das hatte dann ja schließlich irgendwann ein Ende. Na ja.

P.S. Heute bin ich oft froh, wenn er sich vordrängt (zum Beispiel, wenn wir bei Dylan-Konzerten sind), denn er ist viel größer.

Sergei Prokofjew: „Peter und der Wolf“ (1936), www.youtube.com/watch?v=QSjbjczAq1Y

Adventmails 2013 (Ankündigung)

Liebe AdventmailbezieherInnen!
“Sterne” sollte das Thema meiner diesjährigen vorweihnachtlichen Zusendungen von 1. bis 24. Dezember* sein. Gestern wurde ich jedoch ermutigt, doch auf ein anderes Pferd – das Eure (baldige) Mithilfe erfordert – zu setzen:
Ich möchte eine “Advent-Jukebox” anlegen, bei der es um die Frage geht: Welches Musikstück bedeutet Dir etwas? Und warum? Z.B. weil es in Deiner Biografie eine wichtige Rolle spielt, mit besonderen Ereignissen, Stimmungen oder Menschen verbunden – und wert, von anderen (neu) entdeckt zu werden. Mir geht es also um eine Sammlung von (auf YouTube auffindbaren) Kompositionen bzw. Songs, die von unverwechselbaren Geschichten begleitet werden – so persönlich, dass sie das Gehörte bestens ergänzen, aber nicht so intim, dass sie bloßstellen. Wenn jemand allerdings schildern möchte, was sich anno XY bei Serge Gainsbourgs “Je t’aime … moi non plus” abgespielt hat, werde ich das nicht zensurieren….
Meine Bitten: 1. Macht mit, 2. und das rasch, und 3. in passender Länge von maximal drei Absätzen. Und sendet mir das Geschriebene mit gewünschten Hinweisen zu Eurer Person und einem Link zum entsprechenden YouTube-Video bis spätestens 29. November.
Als Lohn werdet Ihr dann 24mal, bis zum Heiligen Abend, mit einer täglichen Dosis Musik beschenkt – von Leuten, die mit dem Dazuerzählten respektvoll umgehen und womöglich selbst eine Musik-Geschichte zu erzählen haben.
Alles Liebe, Robert