Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.
(Ludwig Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus)
Schlagwort-Archiv: 2003
Adventmail 2003/02 (Wie Bücher enden)
Ohne dieses einfache Vertrauen, dass uns nichts erreicht, was uns nichts angeht, und dass uns nichts verwandeln kann, wenn wir uns nicht verwandelt haben, wie könnte man über die Straße gehen, ohne in den Irrsinn zu wandeln? Natürlich lässt sich denken, dass wir unser mögliches Gesicht, unser mögliches Gehör nicht immer offen haben, will sagen, dass es noch manche Zufälle gäbe, die wir übersehen und überhören; aber wir erleben keine, die nicht zu uns gehören. Am Ende ist es immer das Fälligste, was uns zufällt.
(Max Frisch: Tagebücher 1946-1949)
Adventmail 2003/01 (Wie Bücher enden)
Herr Lehmann stand da, verkehrsumtost, und fühlte sich leer. Er wollte nicht nach Hause, da erwartete ihn nichts außer ein paar Büchern und einem leeren Bett. Vielleicht sollte ich mir doch wieder einen Fernseher anschaffen, dachte er. Oder mal Urlaub machen. Mit Heidi nach Bali. Oder nach Polen. Oder was ganz anderes anfangen. Man könnte auch noch einen trinken, dachte er, irgendwo.
Ich gehe erst einmal los, dachte er. Der Rest wird sich schon irgendwie ergeben.
(Sven Regener: Herr Lehmann)
Adventmails 2003 (Ankündigung)
Liebe FreundInnen!
Im Vorjahr habe ich vom 1. bis 24. Dezember jeden Tag Bucheinstiege als „literarische Adventkästchen“ versendet. Heuer geht es mir – als nunmehriger Single schon allein aus biographischen Gründen – weniger um Anfänge als vielmehr um die Frage, wie man ein gutes Ende findet. Ich werde euch somit ab heute 24 „famous last words“ aus mehr oder weniger berühmten Werken der Weltliteratur schicken, also Schlusssätze aus Romanen, Dramen, Gedichtbänden u.a. Texten, die ich in meiner eigenen Bibliothek, aber auch z.B. in der Städtischen Bücherei am Gürtel (große Empfehlung für einen Besuch!) vorfand. Ich hoffe, ihr habt damit heuer ähnlich viel Freude, wie viele von euch im Vorjahr in Feedbacks bekundeten.
Einen Advent mit Muße zum Lesen, Nachdenken und Herzerweitern wünscht euch
Robert