Adventmail 2023/03 (Tiere)

Sie nannten sich Affen, Adler, Aale, Schildkröten, Tyrannosaurus Rex, Büffel aus Springfield, fliegende Eidechsen oder einfach: Tiere, um in der Popmusik Erfolg zu haben. Und die Stars dieses Metiers heißen Krähe, Seehund, Katzen-Macht oder Schnüffelhund. Ein guter Grund, finde ich, um („Stammgäste“ ahnten es schon) wieder mal eine Playlist mit tollen Songs zusammenzustellen. Diesmal mit meinen (alphabetisch gereihten) Top 20 jener Interpret:innen, die Ausdruck der Artenvielfalt in der Popmusik sind. Und auf der HIER anklickbaren Spotify-Liste finden sich noch einige Bonus-Tracks.

Animals, „House Of The Rising Sun“ (1964): Ein Sixties-Klassiker über ein Freudenhaus in New Orleans, der von Eric Burdons inspiriertem Gesang und dem Orgelspiel von Alan Price lebt und vergessen lässt, dass der Song eine lange Vorgeschichte hat und u.a. von Bob Dylan, Pete Seeger und Miriam Makeba gesungen wurde.
Arctic Monkeys, „I Wanna Be Yours“ (2013): Das jüngste Lied meiner Liste ist eine hübsche Indie-Rock-Perle der britischen Band, in dem sie ein Gedicht des Performance-Literaten John Cooper Clarke vertonen. Dort heißt es u.a. „Let me be your vacuum cleaner/Breathing in your dust/Let me be your Ford Cortina/I will never rust…“
Bee Gees, „Stayin‘ Alive“ (1977): Bee Gees steht doch für Brothers Gibb, werden Popkundige unter euch sagen. Ja eh, aber die Biene im Namen reicht mir, um diesen Disco-Heuler aus der besten Schaffensperiode der Falsett-Akrobaten aus Australien in meine Liste aufzunehmen. Großes Kino – wie auch der dazugehörige Film „Saturday Night Fever“ mit John Travolta.
Buffalo Springfield, „For What It’s Worth“ (1966): Die erste Single der von Neil Young und Stephen Stills gegründeten Band blieb auch ihre beste. Der Bandname hat übrigens wenig mit Büffel zu tun, er geht auf eine Dampfwalze der „Buffalo-Springfield Roller Company“ zurück, die vor dem Wohnhaus von Stills stand.
Byrds, „Turn! Turn! Turn!“ (1965): Sowas darf ein Theologe und Sixties-Fan einfach nicht übergehen. Die US-Folkrocker greifen hier nämlich Biblisches auf – das Buch Kohelet aus der Weisheitsliteratur des Alten Testaments. „To every thing there is a season, and a time to every purpose under the heaven: A time to be born, and a time to die; a time to plant“ … and a time to hear such great songs!
Cat Power, „The Greatest“ (2006): Eine von nur drei Frauen in dieser Liste, it’s a shame. Dabei hab ich sorgfältig gesucht, freilich mit wenig Erfolg. Die Musik und dieser Song der etwas labilen Hippie-Tochter aus Atlanta berührt mich. Ihre meist minimalistischen Songs mit sparsamen Gitarren- und Pianoklängen – hier auch mit Streichern – begleitet sie selbst.
Sheryl Crow, „All I Wanna Do“ (1994): Ein im Radio vielgespielter Grammy-Award-Song, den ich immer wieder gerne höre und der sauschwer zu singen ist. Die ehemalige Lebensgefährtin des Rad-Dopingsünders Lance Armstrong schafft das mit Bravour.
Eagles, „Hotel California“ (1977): „On a dark desert highway, cool wind in my hair…“ – wer kennt und mag diese von Don Henley gesungenen Worte nicht? Und erst recht, wenn das berühmte, unwiderstehliche Gitarren-Duett von Don Felder und Joe Walsh den Song beendet. Gitarren-Soli geraten oft zu lang, diesem könnte ich endlos zuhören.
Eels, „That Look You Give That Guy“ (2009): Mit den „Aalen“ rund um den vollbärtigen US-Singer/Songwriter Mark Oliver Everett verbinde ich eine nette Erinnerung: ein Live-Konzert mit meinen Alternative-Pop-begeisterten Geschwistern Martina und Andreas in der Wiener Arena, die den Anrainern zuletzt zu laut geworden ist.
Gorillaz, „Clint Eastwood“ (2001): Die Debüt-Single der virtuellen Comic-Band ist aufgrund seiner Ähnlichkeit (??) mit der Titelmusik von „The Good, the Bad and the Ugly“ nach dem gleichnamigen Schauspieler benannt. Blur-Mastermind Damon Albarn arbeitet für dieses Projekt bis jetzt erfolgreich mit dem Zeichner Jamie Hewlett und wechselnden Studiomusikern zusammen.
Tom Jones, „It’s Not Unusual“ (1965): Mit diesem Lied startete der wegen seiner Stimm-Power „Tiger“ (deswegen auf der Liste) genannte Waliser seine lange Karriere, die auch noch beachtliche Alterswerke umfasst. Die brave BBC boykottierte den Song anfangs wegen seines sexy Images. Einer der involvierten Studiomusiker war übrigens Leadgitarrist Jimmy Page.
Los Lobos, „La Bamba“ (1987): Dieses uralte, mitreißende mexikanische 6/4-Takt-Volkslied, das erstmals in der Popmusik der Kalifornier Ritchie Valens im Jahre 1958 erfolgreich aufgriff, wurde seither in zahlreichen Coverversionen veröffentlicht. U.a. von den „Wölfen“ als Filmmusik für die Film-Bio des 17-jährig tragisch ums Leben gekommenen Valens.
Lounge Lizards, „Harlem Nocturne“ (1981): Dieser elegante Jazz-Klassiker der Eidechsen aus New York ist eins der wenigen Tracks ihres Debüt-Albums, das nicht aus der Feder des Saxophonisten John Lurie stammt. Ich nahm ihn auf, weil zumindest EINE Jazz-Nummer dabei sein sollte und weil ich Lurie im großartigen Jim-Jarmusch-Film „Down by Law“ (1986) mochte.
The Monkees, „Daydream Believer“ (1967): Waren sie die erste Casting Band? Im September 1965 erschien u.a. in der Zeitschrift „Variety“ eine Anzeige, in der „vier verrückte Jungs zwischen 17 und 21 Jahren“ für eine US-Fernsehserie über eine junge Beat-Gruppe gesucht wurden. Die Serie „The Monkees“ lief dann zwei Jahre lang bis September auf NBC – in der goldenen Ära der Popmusik.
Scorpions, „Wind of Change“ (1990): „Hymne der Wende“ wurde diese erfolgreichste Single aus deutscher Produktion genannt, das Lyrische Ich singt darin über eine Sommernacht an der Moskwa, es hört dem „Wind des Wandels“ zu, der über alte Feindschaften hinwegweht. Und es macht mich unsagbar traurig, wie anders es eine Generation später wieder ist…
Seal, „Kiss From A Rose“ (1994): Der in London geborene Sohn eines Nigerianers und einer Brasilianerin, der es fast zehn Jahre lang mit Heidi Klum aushielt, heißt wirklich so, nämlich Seal Henry Olusegun Olumide Adeola Samuel. Und das ist einer jener Songs, an denen ich mich nicht satthöre.
Cat Stevens, „Father and Son“ (1970): Schöner finde ich ja „Morning has broken“, aber dieses Lied berührt mich mehr. „“Ich habe meinen Vater nie wirklich verstanden, aber er ließ mich immer tun, was immer ich wollte“, sagte der “ sich jetzt Jusuf nennende Muslim-Konvertit über dieses Lied.
T. Rex, „Hot Love“ (1971): Von 1967 bis 1974 gab es im damals noch jungen Ö3 die „Disc Parade“ bzw. „Die Großen 10“, moderiert von Ernst Grissemann und Rudi Klausnitzer. Der vom mir damals Elfjährigen begeistert gehörte Song der britischen Glam-Rock-Band schaffte es erst nach 17 Wochen, mitten im Sommer, mit ihrer „Heißen Liebe“ an die Spitze der Charts. Zurecht, oder?
The Turtles, „Happy Together“ (1967): Es gab eine goldene Ära der Familienband B.ME’s (sprich wie die Bee Gees [Brothers Gibb]), in der meine Söhne und ich bei Festen der autofreien Siedlung auf der Bühne standen und vierstimmig (je zwei Tenöre und Bässe) Songs wie diesen zum besten gaben. Das war für mich wirklich „happy together“.