Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele. Lo-li-ta: Die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Lo. Li. Ta.
Sie war Lo, einfach Lo am Morgen, wenn sie vier Fuß zehn groß in einem Söckchen dastand. Sie war Lola in Hosen. Sie war Dolly in der Schule. Sie war Dolores auf amtlichen Formularen. In meinen Armen aber war sie immer Lolita.
(Vladimir Nabokov; Lolita)
Schlagwort-Archiv: 2002
Adventmail 2002/13 (Bucheinstiege)
Falls Sie wirklich meine Geschichte hören wollen, so möchten Sie wahrscheinlich vor allem wissen, wo ich geboren wurde und wie ich meine verflixte Kindheit verbrachte und was meine Eltern taten, bevor sie mit mir beschäftigt waren, und was es sonst noch an David-Copperfield-Zeug zu erzählen gäbe, aber ich habe keine Lust, das alles zu erzählen.
(J.D. Salinger; Der Fänger im Roggen)
Adventmail 2002/12 (Bucheinstiege)
Ilsebill salzte nach. Bevor gezeugt wurde, gab es Hammelschulter zu Bohnen und Birnen, weil Oktober. Beim Essen noch, mit vollem Mund, sagte sie: „Wolln wir nun gleich ins Bett oder willst du mir vorher erzählen, wie unsere Geschichte wann wo begann?“
(Günter Grass; Der Butt)
Adventmail 2002/11 (Bucheinstiege)
Es war gegen elf Uhr morgens, Mitte Oktober, ein Tag ohne Sonne und mit klarer Sicht auf die Vorberge, was klatschkalten Regen verhieß. Ich trug meinen kobaltblauen Anzug mit dunkelblauem Hemd, Schlips und Brusttaschentuch, schwarze Sportschuhe und schwarze Wollsocken mit dunkelblauem Muster. Ich war scharf rasiert, sauber und nüchtern – egal nun, ob’s einer merkte. Ich war haargenau das Bild vom gut gekleideten Privatdetektiv. Ich wurde von vier Millionen Dollar erwartet.
(Raymond Chandler; Der große Schlaf)
Adventmail 2002/10 (Bucheinstiege)
John Franklin war schon zehn Jahre alt und noch immer so langsam, dass er keinen Ball fangen konnte. Er hielt für die anderen die Schnur. Vom tiefsten Ast des Baumes reichte sie herüber bis in seine empor gestreckte Hand. Er hielt sie so gut wie der Baum, er senkte den Arm nicht vor dem Ende des Spiels. Als Schnurhalter war er geeignet wie kein anderes Kind in Spilsby oder gar in Lincolnshire.
(Sten Nadolny; Die Entdeckung der Langsamkeit)
Adventmail 2002/09 (Bucheinstiege)
Ich habe lange gezögert, ein Buch über die Frauen zu schreiben. Das Thema ist ärgerlich, besonders für die Frauen; außerdem ist es nicht neu. Im Streit um den Feminismus ist schon so viel Tinte geflossen, zur Zeit ist er fast beendet: reden wir nicht mehr davon. Man redet aber doch davon.
(Simone de Beauvoir; Das andere Geschlecht)
Adventmail 2002/08 (Bucheinstiege)
Das schönste aller Lieder, von Salomo.
Komm doch und küss mich!
Deine Liebe berauscht mich mehr als der Wein.
Weithin verströmen deine kostbaren Salben herrlichen Duft.
Jedermann kennt dich, alle Mädchen im Land schwärmen für dich!
Komm, lass uns eilen, nimm mich mit dir nach Hause, fass meine Hand!
(Gute Nachricht Bibel; Das Hohelied)
Adventmail 2002/07 (Bucheinstiege)
Als man mir vor langer Zeit den Vorschlag machte, meine Selbstbiographie zu schreiben, fiel mir sofort der Titel „Streitbares Leben“ ein. Zu meinem eigenen Erstaunen. Denn ich war ja längst dazu gelangt, alles Polemische zu verabscheuen; hatte erkannt, dass derjenige, der „ja“ zu einem Menschen oder einer Situation sagt, tausend Mal mehr von diesem Menschen, dieser Tatsache erfasst und weiß als jener, der „nein“ zu ihnen sagt. Obwohl ich also diesen Lehrsatz vom „Nicht-Befeinden“ mit mir herumtrug und auch zu praktizieren suchte, bin ich zum Polemiker geworden.
(Max Brod; Streitbares Leben)
Adventmail 2002/06 (Bucheinstiege)
Als ich sechs Jahre alt war, sah ich einmal in einem Buch über den Urwald, das „Erlebte Geschichten“ hieß, ein prächtiges Bild. Es stellte eine Riesenschlange dar, wie sie ein Wildtier verschlang.“
(Antoine de Saint-Excupéry; Der kleine Prinz)
Adventmail 2002/05 (Bucheinstiege)
Edek Zepler hatte früher immer polnische Mädchen gebumst. Die meisten von ihnen waren Dienstmädchen, und er hatte sie im Stehen in den Fluren der Häuser gebumst, in denen sie arbeiteten.
Esther Zepler hatte erst kürzlich davon erfahren. Sie saß in ihrem Büro und dachte über ihren Vater nach. Etwas feinfühliger wäre er ihr lieber gewesen.
(Lili Brett; Einfach so)