Berni Wagner, Monster, Kabarett Niedermair, 13.10.2025 *****

Meine Top-5-Lieblingskabarettisten im bezüglich Humorist:innen reich gesegneten Österreich sind Klaus Eckel, Alex Kristan, Thomas Stipsits, natürlich Altmeister Josef Hader – und seit gestern Berni Wagner. Für sein aktuelles (fünftes) Programm „Monster“ erhielt der 34-jährige Linzer Wahlwiener zurecht den Österreichischen Kabarettpreis 2025.

Berni macht sich über klischeehafte „richtige Männer“ lustig und deren Eigenart, z.B. ihm mit einschlägigen Schimpfwörtern die damit verbundenen Eigenschaften abzusprechen. Was ihn aber nicht anficht. Er sei bekennender Warmduscher, lieber ein Weichei als Hodenkrebskandidat, und auch wenn er „Mädchen“ oder „Muschi“ tituliert wird, stört ihn das nicht – denn er mag beides. Bei traditionellen Polterabenden und Junggesellenabschieden wisse er oft nicht, ob die Kumpels den Betreffenden in einen neuen Lebensabschnitt begleiten oder aber ihm eine Nahtoderfahrung verabreichen möchten. Und: „Richtige Männer“ wirken oft, als litten sie unter „umgekehrtem Tourette“: Hin und wieder fällt neben Tiraden auch einmal ein normales Wort.

Doch auch in ihm selbst schlummert ein durch kindliche Krampuserfahrungen genährtes Monster, lässt Berni das immer wieder mit einbezogene Publikum im leider sehr engen Niedermair wissen. Es regt sich, wenn etwa Öffi-Benutzer den Platz neben ihnen mit ihrem Koffer verstellen oder wenn jemand sein Handy laut per Videocall benutzt und es dabei wie ein Butterbrot hält. Berni versucht sein inneres Monster mithilfe eines guruhaften Fitnesstrainers zu kultivieren – mit zweifelhaftem Erfolg. Sein theatralisches Talent zeigt der Kabarettist, wenn er mit übergeworfener Boxermantel-Kapuze vom warmduschenden Dr. Jekyll zum monsterhaften Mr. Hyde mutiert.

Zum Schluss wird der studierte Biologe ernst und erklärt, dass Charles Darwin falsch verstanden wird: Nicht die Stärksten, Rücksichtslosesten in der Natur setzen sich durch, sondern die Anpassungs- und Teamfähigen. So ist es.

Große Empfehlung. Anschauen!

Wienführung für Besserwisser mit Guide Wolfgang Reisinger, 27.9.2025 ******

Wisst Ihr, was ein „Dachhase“ ist? (1) Aus welcher Nation die größte Minderheit in Wien komme? (2) Wie lange es auf Wiens Straßen Linksverkehr gab? (3) Und was bedeutet es, wenn ein Fiaker eine Porzellanfahrt macht? (4) Oder hättet Ihr vermutet, dass bei Beethovens Begräbnis 20.000 Verehrer im damals noch deutlich kleineren Wien mittrauerten, bei Falcos dagegen „nur“ 5.000? Dass der kleine, große Napoleon in der Augustinerkirche eine Enkelin von Kaiserin Maria Theresia heiratete, ohne selbst anwesend zu sein?

Solche Staunen machenden Bildungsschätze erschloss mir und den gut 20 Gästen meiner Geburtstagsführung durch Wien unser Guide Wolfgang Reisinger am Tag nach meinem Jubelfest, dem 27. September. Ich hatte mich im Internet schlau gemacht, wer sowohl Wissenswertes als auch Unterhaltsames bei einem Spaziergang durch die Innenstadt vermitteln könnte – und ich gestehe, meine Recherchen als Redakteur waren nicht immer so ins Schwarze treffend wie diesmal: Wolfgang machte, da waren wir uns einig, einen Superjob. Keine Vorträge an Overtourism-Plätzen, sondern Ratespiele an gut ausgewählten Nischen, bei denen nicht nur die Besserwissenden mit Pez-Zuckerl als Pluspunkten belohnt wurden, sondern auch jene, die witzig-originelle Falschantworten ablieferten. Wie mein jüngster Sohn Fabian, der die Frage nach der Bezeichnung für einen mit Alkohol angereicherten Einspänner-Kaffees schlagfertig „Entspanner“ antwortete.

Wir waren in Gruppen aufgeteilt, die in Plastiktrinkbechern ihre errungenen Pez-Punkte sammelten. Die Route führte von der Albertina über den Schweizerhof und den Graben zum Platz Am Hof. Und dank meiner Mitwissenden Helga, Gaby und Martina hatte meine Gruppe am Schluss die meisten Pezis gehortet. Das wurde von Guide Wolfgang mit dem Buch „99 Fragen zu österreichischen Sehenswürdigkeiten“ belohnt. Nach diesem Geburtstag hab ich jetzt viel zu lesen 😉

Führung „Wien für Besserwisser“, Standort Albertina, ich mit PEZ-Sammelbox

Falls es wen interessiert, über den Startpunkt Albertina habe ich mir Folgendes gemerkt: Der Name des heute international renommierten Museums geht auf ein unter Hochadeligen seltenes Liebespaar zurück: Marie Christine (1742-1798), die Lieblingstochter Maria Theresias, wohnte in dem Gebäude hinter der (erst später errichteten) Oper mit ihrem Gemahl und Cousin 2. Grades, Albert von Sachsen-Teschen. Andere Nachkommen der Kaiserin trafen es nicht so gut wie die beiden Turteltäubchen – obwohl bei ihrer Hochzeit 1766 wegen des Todes des Kaiserinnengemahls Franz Stephan von Lothringen schwarz getragen wurde. Marie Antoinette und andere mussten sich der Heiratspolitik der Habsburger beugen. Albert und Marie Christine wurden zu Begründern der heutigen Kunstsammlung, die nach den Vornamen der beiden Eheleute ALBER- und -TINA benannt ist.

Danke, Wolfgang, für die höchst anregenden 2 Stunden mit dir und die Vermittlung unPEZahlbaren Wissens. Und sehr nett, dass du für die eingestreuten Fragen über das Geburtstagskind zum bisher aufmerksamsten (?) Leser meiner Website wurdest. Übrigens: Wolfgang lässt sich buchen.

(1) scherzhafte Umschreibung für Hauskatze (2) Serbien (3) bis zur Machtergreifung Hitlers 1938 (4)“Sehenswürdigkeiten“ finden sich bei geschlossener Kutsche und betont langsamer Fahrt eher unter dem Rock der mitfahrenden Dame

Kafka-Abend „Milena!“, Lesung im Radiokulturhaus, 20.9.25

„Literatur im Dialog“ nennt sich der Lesungsreigen mit den Schauspieler:innen Nicholas Ofczarek und Tamara Metelka sowie dem Violinisten Nikolai Tunkowitsch, die der Reihe nach Rilke, Kafka und Bernhard in den Mittelpunkt ihrer Abende im Radiokulturhaus stellen. Und vielleicht war es keine so gute Idee, vor der Veranstaltung im nahen „Stöckl im Park“ einen Zwiebelrostbraten mit böhmischem einzunehmen – oder aber das Wechselspiel von Briefpassagen des Einzelgängers Franz K. und seiner Freundin und Übersetzerin Milena Jesenská und den eingestreuten „Das Glück is a Vogerl“-Variationen des Geigers geriet zu anstrengend… Jedenfalls war die einsetzende Müdigkeit ein harter Gegner an diesem Abend, der auch von meinen Begleiterinnen C., S. und H. nur mit Mühe im Zaum gehalten werden konnte. Im Zwiebelsfall Letzteres.

Kafka war ja schon ein schräger Vogel, ein zwanghafter Schmerzensmann und gefühlsintensiver Bürohengst, ungeachtet seiner grandiosen und auch heute, 100 Jahre nach seinem Tod, noch gut lesbaren Texte. Die Briefe an seine Vertraute Milena, die als aufmüpfige Kommunistin 1944 im KZ Ravensbrück starb, waren mir zu anstrengend, zu verschroben, zu skrupulös.

Jesenska schrieb unmittelbar nach dem Tod Kafkas am 3. Juni 2024 einen Nachruf für eine Prager Zeitung, der wie folgt beginnt: Franz Kafka. Vorgestern starb im Sanatorium Kierling in Klosterneuburg bei Wien Dr. Franz Kafka, ein deutscher Schriftsteller, der in Prag gelebt hat. Es kannten ihn hier nur wenige, denn er war ein Einsiedler, ein wissender, vom Leben erschreckter Mensch. Er litt bereits jahrelang an einer Lungenkrankheit, und obwohl er sie behandeln ließ, hat er sie doch auch bewusst gehegt und geistig gefördert. »Wenn die Seele und das Herz die Bürde nicht mehr ertragen, dann nimmt die Lunge die Hälfte auf sich, damit die Last wenigstens einigermaßen gleichmäßig verteilt sei«, schrieb er einmal in einem Brief, und so verhielt es sich auch mit seiner Krankheit.

Den Kafka-Sammelband aus meiner Studienzeit als Germanist möchte ich mir gerne wieder mal hernehmen…

Ausstellung Brigitte Kowanz, „Light is what we see“, Albertina 25.8. ***

Ich wollte auf dem Rückweg von der Routineuntersuchung bei der Augenärztin eigentlich etwas anderes, zum am Folgetag beginnenden Radurlaub passendes sehen: Aber die Themenausstellung „Fernweh“ hatte die Albertina schon kurz davor abgesetzt. Stattdessen also Brigitte Kowanz, die Mauer-Preisträgerin, die ich als Kulturredakteur der Kathpress alljährlich unter den prominenten Ausgezeichneten im Namen des großen Kulturvermittlers Msgr. Otto Mauer erwähnt hatte.
Die Frage »Was ist Licht?« steht im Mittelpunkt des Schaffens von Kowanz. Ihre Antwort lautet: »Licht ist was man sieht« – ein Leitsatz, der auf das Paradoxon verweist, dass Licht zwar alles sichtbar macht, selbst normalerweise aber unsichtbar bleibt. Die gleichnamige Retrospektive führt durch das Werk einer bedeutendsten Gegenwartskünstlerin in Österreich.

Der Spiegel vermittelt eine Raumtiefe, die es so nicht gab.

Die gebogenen Neonröhren und Leuchtkörper sind nichts, was mein Auge auch nur annähernd so berührt wie die Skulpturen von Rodin, die Aquarelle von Nolde oder die Schattengesichter Caravaggios. Doch manches der Exponate ließ mich eben nicht unter-belichtet davorstehen.

Ausstellungen „Remix“/“Damian Hurst. Zeichnungen“, Albertina modern, 5.8.25 **

Künstler Kippenberger, in der Ecke, aber er schämt sich nicht wirklich

Wieder in der Albertina modern, zuerst in der Schau „Remix. Von Gerhard Richter bis Katharina Grosse“, mit der ich ehrlich gesagt wenig anfangen konnte. Die zugrunde liegende deutsche Sammlung Viehof umfasst auch Werke von Beuys, Baselitz und anderen, mir unbekannten Künstler:innen. Am eindrücklichsten, weil ironisch, Martin Kippenbergers Alter-Ego-Skulptur „Martin, ab in die Ecke und schäm dich“. Dass Superstar Gerhard Richter, dessen Kölner Dom-Glasfender ich bewunderte, ein stilisiertes Schloss Neuschwanstein in blaugrünem Nebel platziert … nun ja. Eh. Oder die Alltagsgegenstände von Joseph Beuys, sollen die zeigen, dass eh jede:r ein:e Künstler:in ist?

Dann für sich genommen ausstellungsunwürdige Zeichnungen, die die in kleiner Auswahl in der Albertina modern präsenten Arbeiten eines anderen Superstars der Kunstszene, des Briten Damian Hurst, begleiten. Am spannendsten aber ein Film zum Projekt „Treasures from the Wreck of the Unbelievable“ aus, bei dem Hirst 2017 eigene Werke als Fundstücke aus einem antiken Schiffswrack inszenierte. Nicht nutzen konnte ich Hirsts Zeichenmaschine „Making Beautiful Drawings“, die mittels Drehscheibe bunte Kreise auf Papier zaubert und auch mich zum Künstler gemacht hätte…

Michael Niavarani, „Homo Idioticus 2.0- Der Trottel ist zurück“, Theater im Park, 1.8.25 ****

Hypochondrie, hemmungsloses Essen und ordinär sein – das sind laut Michael Niavarani die drei Problemzonen, vor denen er als herausragender Vertreter der Spezies „Homo Idioticus“ immer wieder stehe. Vor allem das letztere ist unüberhörbar: Ich schlug meiner Liebsten in der Pause des Soloprogramms im Theater im Park eine Art Bullshit Bingo vor: Wie oft würde Nia in der zweite Hälfte „Oaschloch“, „scheißn“ oder „pudern“ sagen?
Ja, Humor der deftigen Art muss man mögen, wenn man zu Nia geht. Und alle bekommen bei ihm ihr Fett weg – Trump, Babler, Mikl-Leitner, die Kirche, die Grünen, das Publikum, die Bibel, die FPÖ sowieso, aber auch er selbst nimmt sich auf die Schaufel und macht sich etwa über seine bei ihm als 60-Jährigem nachlassende Libido lustig. Die Wuchteldichte ist hoch, und seien wir ehrlich: Witze über Tabus und Peinlichkeiten aus der Unterleibsregion reizen das Zwerchfell verlässlich. Auf Subtilität kann ich auch mal verzichten (zumal die Tickets gratis waren; geschenkter Gaul und so).

Wir stammen vom Affen ab, und das ist gut so, sagt Niavarani. „Denn stellen Sie sich vor, wir würden uns begrüßen wie die Hunde…“ (schnüffel, schnüffel)

Gegen Ende verband Niavarani seine Blödeleien mit einer Botschaft: pro Demokratie, Vielfalt, Toleranz, Nachhaltigkeit. Und seine Tour de Force durch die Menschheitsgeschichte schloss er mit der Frage, wie unsere Zeit wohl in den Geschichtsbüchern in 50 Jahren beschrieben werde. Sein zweckoptimistischer Ausblick: „Es is si‘ grod no ausgangen.“
Ein gelungener Abend ohne den prognostizierten Regen in einer Location mit viel Platz zwischen den Sitzen, großen Schattenbäumen und Publikumsservice (gratis Regenschutz) in der Prinz-Eugen-Straße.

Ausstellung Henri Cartier-Bresson/Christine de Grancy; 29.7.25, Foto Arsenal ****

Henri Cartier-Bresson (1908-2004) war für die Fotografie des 20. Jht.s sowas wie Picasso für die Bildende Kunst. Ich kannte von ihm bisher vor allem seine Straßenbilder wie jenes von dem stolz zwei Weinflaschen tragenden Buben in der Pariser Rue Mouffetard aus dem Jahr 1954, die seine Virtuosität bei der Kunst des Zum-rechten-Zeitpunkt-Auslösens zeigen. Die aktuelle Wiener Ausstellung zeigt Schwarzweißaufnahmen, die Cartier-Bressons dokumentarische Präsenz bei historischen Ereignissen und Schauplätzen aufzeigen: Gandhi einen Tag vor seiner Ermordung, Fotoserien im davor dem Westen unbekannten China zur Revolutionszeit und im Moskau der Chruschtschow-Ära, Kuba mit Che Guevara und Fidel Castro, Mauerbau in Berlin oder Resistance in Frankreich zur Weltkriegszeit. „Watch, watch, watch!“ lautet der Titel der Schau; beeindruckend, was sich in einem 95-jährigen Leben so alles ansammelt.

Den Fotos Cartier-Bressons merkte man schon an, dass die Auflösung inzwischen um Längen besser ist.

Die zweite Ausstellung ist der heuer im März verstorbenen Christine de Grancy gewidmet. Es dominieren ihre Bilder von Wiener Dächern – etwa jenem des Parlaments, des Burgtheaters oder der beiden Museen am Ring. Es macht Staunen, was sich dort oben an Skulpturen, Herrschaftssymbolen und Göttergestalten so umtut. Christines Freund André Heller würdigt sie mit dem schönen Satz in typischem Hellerdeutsch: Ihre Lichtbilder, die „aus dem Fegefeuer der Banalität“ herausführen, seien „betroffen machende Glücksfälle aus dem geheimnisvollen Revier der unsentimentalen Kunst“.

Die Dachlandschaften de Grancys sind eine Einladung, in Wien den Blick nach oben zu lenken

Beide Ausstellungen machen Lust, wieder mal in Schwarzweiß zu fotografieren. Die Licht-Schatten-Effekte haben einen besonderen Reiz.

Autofreies Siedlungsfest, 14.6.25

Jedes Jahr ein Fixum – und eine Erinnerung an meine 14 Jahre währende Mitbewohnerschaft in der Floridsdorfer autofreien Mustersiedlung: Das AMS-Fest, getragen von der Kerngruppe an Engagierten in dieser dorfähnlichen Wohnanlage um zwei Innenhöfe. Das vermisse ich seither. Nette, um Gemeinschaftsbildung bemühte Nachbar:innen, die für mehr sorgen als nur ein freundlich-unverbindliches „Guten Tag“ bei zufälligen Begegnungen im Stiegenhaus.

Es sang der seit 150 Jahren bestehende Nordbahnbundchor, es gab ein pikantes und süßes Buffet mit gespendeten Speisen, Info über ein Familienbiografie-Buchprojekt von Johannes Chudoba, Irish Folk und als Höhepunkt der Auftritt der Siedlungsband rund um Altrocker und Stromgitarrist Gerhard, mit Ex-Alkbottler Roman Gregory (auch ein Mitbewohner) als Gastsänger. Und viele Gespräche mit Leuten, die mich (und die Auftritte mit meinen Söhnen) nicht vergessen habe, obwohl ich seit mehr als sechs Jahren zwei Bimstationen weiter weg wohne.

Musikquiz im Café Helga, 12.6.25

Es ist schon ein Erfolgsformat mit hochkompetenten Mitspielenden: das von Elke, der Bassistin der Siedlungsband aus der nahen autofreien Mustersiedlung (AMS), veranstaltete Musikquiz im Café Helga, Donaufelderstraße 65. Ich hatte zwei Tage zuvor angerufen und wollte einen Tisch für Carmen, ihren Martin und mich reservieren, keine Chance, hieß es, der Laden ist voll, aber Sie können gerne vorbeikommen und sich einer unvollständigen Gruppe (max. sechs Personen) anschließen. Ich bildete schließlich mit den genannten sowie mit Martina, Chorleiterin des Nordbahnbundchors, und Anna aus der AMS ein Fünferteam an einem Stehtisch.
Rund um uns typisches Vorstadtpublikum, manche wirken „prollig“, aber hier gibt’s keine blöden politischen Ansagen, also sympathisch, meinte Elke. Und die beiden Wirtsfrauen, eine davon mit einem irre lauten Organ, echte Originale, die die Gäste mit Gratis-Liptauer und Soletti bedachten.
Das Quiz bestand aus elf Runden in verschiedenen Kategorien wie Musical, Austropop, Schweden, „kurz angespielt“ und war gar nicht einfach. Für mich/uns, wie befürchtet, die neuere Musik der 2000er-Jahre eine echte Hürde. Ältere Hadern gingen viel besser. Unter neun Teams wurden wir mäßige sechste. Aber Spaß hat’s gemacht, werde bei der nächsten Auflage im Oktober wieder hingehen.

Barista Workshop bei Gota/Wien, 31.5.2025

Wir waren mit dem Auto unterwegs – was in Wien selten der Fall ist. Aber es galt, Claudia zum Operateur ihrer lädierten Schulter zu bringen. Und danach wollte sie unbedingt in die äußere Mariahilferstraße (Nr. 192), warum auch immer. Ich wenig begeistert, da nicht gerade auf der Strecke am Weg nach Hause. Aber gut.
Ihr Ziel war ein Café, ein besonderes, für seine Röstkompetenz ausgezeichnetes: Gota, „Coffee Experts“, die Internationalität u.a. mit einer nur auf Englisch gehaltenen Website zum Ausdruck bringen. Als wir exzellenten Cappuccino und einen Snack aßen, eröffnete mir Claudia, sie schenke mir als Dank für meine „Schulter-Unterstützung“ einen Barista Workshop, den Gota regelmäßig anbietet und der für mich an einem Samstag während ihres mehrwöchigen Reha-Aufenthalts anberaumt war.
Heute, am letzten Mai, war es soweit. Vorab informierte ich mich auf Wikipedia über Kaffee-Basics: Arabica und Robusta als Hauptsorten, anregende und sogar gesundheitsfördernde Wirkung des Koffeins, Handelsströme ausgehend vom Coffee belt… Gota-Experte Michi informierte weiters über die verschiedenen Kaffeeverarbeitungsmethoden, vor allem übers Rösten, über Mahlwerkkalibrierung, Umgang mit Espressomaschinen und Kaffeemühlen, Extraktion und sogar übers Aufschäumen von Milch bis hin zur Latte Art. Viel Interessantes und vieles, dass ich bald wieder vergessen werde, vor allem den Umgang mit Maschinen, die wir gar nicht im Haushalt haben.

So sieht gelungene „Latte Art“ aus (Foto von https://gota.coffee/pages/about-gota)

Was ich mir merken möchte: die Grundregeln der Espressozubereitung: 15g Kaffeepulver sollen nach dem Bedienen unserer Delonghi Dedica zwischen 20 und 30 Sekunden lang die doppelte Menge Espresso – also 30g – ergeben. Die Brühtemperatur liegt bei über 90 Grad, der Druck bei beachtlichen 9 bar. Das sollte eine gut sichtbare Crema ergeben. Läuft das Wasser zu kurz durch, kommt es zu einer Unterextraktion, d.h. die Gehaltsstoffe der (zu grob gemahlenen? Im Siebträger mit dem Tamper unzureichend planierten?) Bohnen kommen nicht zur Geltung. Das Ergebnis hat statt einem ausgewogenen Verhältnis von sauer, bitter und süß nur ersteres. Werden die Bohnen aber zu fein gemahlen und „tropft“ der Espresso nur so runter, dann kommt es zu einer Textur „wie Sirup“, so Michi über diese Überextraktion.
Wer Kaffee lieber als Verlängerten mag so wie meine Liebste, dann ist es laut Michi besser, heißes Wasser zuzugeben („Americano“) statt eines zweiten Durchlaufs desselben Siebinhalts.
Gute Kaffeeröstungen bieten viele Infos zu Herkunft, Geschmacksprofil, Anbauhöhe und Röstungsvariante – in Italien wird stark geröstet, die Bohnen sehen dann sehr dunkel aus; bei Gota mag man’s lieber weniger und heller (was aber eher die Säure betont und ich nicht so schätze).
Wie auch immer: Ich muss mal in unserer Küche mit Waage und verschiedenen Malgraden herumexperimentieren und Geschmackserfahrungen sammeln. Morgen geht’s los (heute hatte ich schon zu viele Espressi).

Da müssen sich Önologen ranhalten: Kaffee kann schon sehr unterschiedlich schmecken