Lesung Milena Michiko Flasar, Buchhandlung Seeseiten, 19.11.25 *****

Meine zweite Lesung in der äußerst sympathischen Buchhandlung Seeseiten in der Seestadt – diesmal präsentierte Milena Michiko Flasar mit dem Kurzgeschichtenband „Der Hase im Mond“ und dem Essay „Sterben auf Japanisch“ gleich zwei Bücher. Die Lesung erfolgte vor allem aus dem ersten: Es ging um ein in Alltagsroutine erstarrtes japanisches Paar um die 30, die durch die Beobachtung einer Frau, die jener aus dem Paar bis aufs Haar gleicht, erst fasziniert und dann zunehmend aus der Bahn geworfen wird. Wie Flasar, Tochter einer japanischen Mutter und eines österreichischen Vaters, die langweilig gewordene Beziehung der beiden Hauptfiguren in wenigen Sätzen schildert, ist einfühlsam und glaubwürdig. Noch beeindruckender fand ich, wie die Autorin liest: akzentuiert, flüssig, fehlerlos wie eine professionelle Schauspielerin. So würde ich das auch gerne hinkriegen, wenn ich in drei Wochen erstmals meine Adventmails vor Publikum vorlese.

Als optimistische Ergänzung zu dem etwas unheimlichen Text aus „Der Hase im Mond“ las Flasar einen kurzen Abschnitt über Erlebnisse in ihrer zweiten Heimat Japan. Güte führt zu Güte führt zu Güte…, hieß es da abschließend.

Von der japanisch-österreichischen Schriftstellerin habe ich noch kein Buch gelesen, nur ÜBER sie. Der gestrige Abend war aber ein Anstoß, diese Lücke zu schließen.

Marina Abramović, Albertina Modern, 17.11.2025 ****

Marina Abramović (1946 in Belgrad geboren) gilt als eine der wichtigsten zeitgenössischen Performance-Künstlerinnen. Sie setzt sich selbst und ihren Körper vor Publikum aus, dessen Reaktion Teil des künstlerischen Prozesses werden soll – etwa in ihrer frühen Performanceserie „Rhythm“: Ein weiß gedeckter Tisch mit Utensilien wie Ketten, Messer, Schal, Rasierklingen, einer dornigen Rose u.a. lud Besucher:innen dazu ein, damit und mit der regungslos davor stehenden Künstlerin etwas zu gestalten. Männer entblößten sie, legten ihr eine Kette um, küssten sie, verletzten sie mit Dornen – bis sie durch Blickkontakt Scham auslöste. Noch reduzierter Abramovićs Aktion „The Artist is Present“: Da saß sie stundenlang nur da und blickte einem wechselnden Gegenüber in die Augen – so lange, wie der/die Gegenübersitzende das wünschte.

An den Wiener Aktionismus und Valie EXPORT erinnert Abramovićs Zusammenarbeit mit ihrem Lebenspartner von 1976 bis 1988, Ulay: Zu sehen sind Videos mit wechselndem Anschreien, Ohrfeigen, Selbstverletzungen. Explizit politisch wurde ihr Schaffen mit dem Krieg in Ex-Jugoslawien. Aufgetürmte blutige Rinderknochen und filmische Ausführungen über die Vernichtung von Ratten veranschaulichten die alltägliche Gewalt.

In ihrem Spätwerk wendet sich die inzwischen fast 80-Jährige immer mehr der Natur und der darin verborgenen Spiritualität zu. Esoterisch mutet z.B. die Einladung an die Albertina-Besuchenden an, die Energie verschiedener Metalle und Gesteine durch Anlehnen oder Draufliegen zu erspüren. Naja.

All das verstört und fasziniert zugleich. Es weckt Lachen und Angst, Wut und Abscheu, Scham und Voyeurismus – jedenfalls Neugier. Und hielt mich knapp zwei Stunden in der noch bis 1. März 2026 zugänglichen Sonderausstellung fest.

Ausstellung „Gothic Modern“, Albertina, 5.11.2025 ******

„Gothic Modern“: Der Titel der großen Herbstausstellung der Albertina drückt (neben der auf den Tourismus ausgerichteten Internationalisierung) die Begegnung zweier Kunstepochen bzw. Zeitalter aus. Meisterwerke vom Symbolismus bis Expressionismus mit dem Schwerpunkt auf Kollwitz, Modersohn-Becker, Munch und Beckmann werden neben Arbeiten des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit (Dürer, Holbein, Cranach oder „Grien“) gehängt. Dabei wird veranschaulicht, dass sich die „Modernen“ hinsichtlich Themenwahl und auch Technik vielfach an den Vorbildern der Gotik orientierten, die rund um die Jahrhundertwende hoch im Kurs war.

Spannende war der Vergleich mit der aktuellen Ausstellung „Du sollst dir ein Bild machen“ im Künstlerhaus, in der die Distanzierung von christlich-religiösen Sujets in der zeitgenössischen Kunst noch viel deutlicher zum Ausdruck kommt. Wobei sich auch z.B. in Edvard Munchs nackt-verführerischer „Madonna“ oder in säkularisierten Pietà-Darstellungen eine Distanzierung von traditionellen Deutungen zeigt. Der Be-Deutungsverlust des Christlichen innerhalb von zwei, drei Generationen ist offenkundig.

Faszinierend fand ich in „Gothic Modern“ die Exponate vieler weiblicher Kunstschaffenden. Großartig etwa die Blätter von Käthe Kollwitz, von denen die Albertina viele besitzt, oder die Gemälde von Paula Modersohn-Becker und von der Finnin Helene Schjerfbeck (von der ich noch nie gehört hatte). Lange stand ich auch vor einer Kopie von Hans Holbein d.J., „Der tote Christus im Grab“, dessen Original ich schon mal in einem Adventmail am Heiligen Abend aufgriff. Und spannend zu lesen, dass Matthias Grünewalds Isenheimer Altar, den ich in Colmar anbetete, auch für viele Künstler:innen rund um 1900 zur Pilgerstätte wurde.

Dieses ungeschönte Todesbildnis des Gekreuzigten faszinierte Generationen von Künstlern – und mich!

Ausstellung „Du sollst dir ein Bild machen“, Künstlerhaus, 27.10.2025 ******

Eine Ausstellung über Kunst und Religion – so einen Kelch lasse ich nicht an mir vorübergehen. Zumal der Titel „Du sollst dir ein Bild machen“ ja schon ein Stück Widerspruch bzw. Ungehorsam gegenüber biblischen Vorgaben bedeutet, wonach wir uns eben KEIN Bildnis … Aber bitte: Wie anders als über (bildhafte) Vorstellungen können wir uns dem letztlich unvorstellbaren Gott annähern? Und hat nicht auch Jesus mit seiner vertraulichen Anrede „abba“ (Papa) familiäre Anschaulichkeit provoziert?

„In Konzeption und Ausrichtung steht die Schau nicht für vordergründige Provokation oder lauten Protest, sondern für einen differenzierten Blick, für die Suche nach Gemeinsamkeiten und das Bestreben, einen Dialog zwischen zeitgenössischer Kunst und Religion zu fördern“, erklärt Kurator Günther Oberhollenzer in den Presseunterlagen. Aber ganz ohne Provokation und Protest geht es bei den Werken der 42 ausgestellten Kunstschaffenden (darunter Marina Abramović, Manfred Erjautz, Valie Export, Martin Kippenberger, Arnulf Rainer, Bettina Rheims – und Johannes Rass, Sohn meiner Freundin Gaby) nicht ab, dazu ist die Last des Jahrhundertelang mit weltlicher und „Seelenbesetzungs“-Macht einhergehenden Christentums noch zu präsent.

In dieser Holzbox kann man mit einem „KI-Jesus“ hinterm Beichtgitter über Glaubensfragen sprechen

Unterteilt ist die Schau in sieben Kapitel: Ikone, (Schein-)Heiligkeit, Kreuz, Auferstehung, Göttlichkeit, Madonna und Letztes Abendmahl. Gleich im ersten Raum eine Begegnung mit Jesus, wie sie „moderner“ kaum sein könnte: In einer einzeln zu betretenden hölzernen „Beicht-Box“ kann man mit einem digitalen Christus über Glaubensfragen sprechen. Die KI geht in Sekundenschnelle auf das jeweilige Gegenüber ein – „nicht als technische Spielerei, sondern als ernsthafter Austausch über persönliche und spirituelle Fragen“, wie es heißt. Hochinteressant!

Vorne an der Box eine Variante des bekannten „Lego-Kreuzes“ von Manfred Erjautz, rechts davon ein Stück der „Himmelsleiter“ aus Neonröhren, die Billi Thanner für den Südturm des Stephansdoms schuf.

Kippenbergers „Fred the Frog Rings the Bell“ erregte 2008 in Bozen fromme Gemüter

Schon berühmt ist der unter Blasphemieverdacht stehende gekreuzigte Frosch von Martin Kippenberger; viel expliziter kirchenkritisch ist Deborah Sengls Wachsskulptur „Von Schafen und Wölfen“, die ein zähnefletschendes tierisches Zwitterwesen mit wollenem Kraushaar im liturgischen Priestergewand zeigt. Einige Arbeiten blicken aus feministischer Perspektive auf Glaubensgestalten und -inhalte: So die Projektion „Göttin schuf Eva“, die Michelangelos berühmtes Sixtina-Fresko persifliert, die „Putzmadonna“ von Valie Export oder ein Triptychon von Bettina Reims mit einer gekreuzigten barbusigen Frau.

Erfreulich oft bekommt Humor in der Ausstellung Platz, und das nicht nur in sarkastischer Abgrenzung vom Althergebrachten. Ein Beispiel: Lois Hechenblaikners fotografische Gegenüberstellungen alter Glaubensrituale und heutiger kommerzverseuchter Alm-Rausch-Seligkeit. Oder ein in Schokolade gegossener Jesus als wörtlich genommener „my sweet Lord“ (Timm Ulrichs).

Geistlicher als Wolf im Schafspelz … nicht gerade vertrauenserweckend

Einige Werke wie Thomas Riess‘ „Transsurfing“, das im Raum „Auferstehung“ eine sich in Licht auflösende Gestalt zeigt, leisten Übersetzungsarbeit: Wie könnte Spiritualität heute veranschaulicht werden – jenseits der Notwendigkeit, sich an unjesuanischen Altlasten der Glaubensgeschichte abzuarbeiten? Besonders eindrucksvoll in diesem Kontext auch die Holzarbeiten des aus der Schnitzerei-Tradition des Grödnertals entstammenden Südtirolers Aron Demetz.

„Chapeau zu dieser Schau! Unbedingte Empfehlung!“ schrieb Johannes Rauchenberger, der selbst gerade seine „Gott hat kein Museum“-Ausstellung im Grazer KULTUM kuratierte. Dem kann ich mich nur anschließen.

Lesung Johanna Grillmayer, Buchhandlung Seeseiten, 22.10.2025

Durch meine jetzt drei dort lebenden Söhne bin ich regelmäßig in der Wiener Seestadt. Noch nie war ich allerdings in der Buchhandlung „Seeseiten“, wo meine liebe Freundin und Kollegin Johanna Grillmayer aus dem dritten Band („Ein guter Mann“) ihrer Dystopie-Trilogie las. Über das dort gekaufte und von Johanna nett signierte Buch kann ich anders als über die beiden ersten Bände noch nichts schreiben, wohl aber über die überaus sympathische Buchhandlung. Die Seeseiten sind geräumig, bieten viel Platz zum Schmökern in entspannter Atmosphäre, sogar Getränke kann man dazu erwerben. Ein Wohlfühlladen.

Und der Chef – der auch aus ORF-Sendungen bekannter Buchliebhaber Johannes Kößler – machte es der Autorin und den leider nur 15 Besucherinnen und Besuchern so angenehm wie möglich: mit einer launigen Begrüßung, viel Wertschätzung für das Romangroßprojekt von Johanna, klugen Fragen nach der Lesung und Wein und Brötchen zum Ausklang.

Romanautorin Johanna Grillmayer las in der Seestadtbuchhandlung „Seeseiten“

Und für den Rest des Jahres sind weitere interessante Veranstaltungen in der Buchhandlung angekündigt…

50 Wiener Bäume, Buchpräsentation mit Sharing Dinner, magdas Wien, 14.10.2025

Nicht nur wer „Im Prater blüh’n wieder die Bäume“ von Robert Stolz kennt, assoziiert die Hauptallee mit den weißen und rosa Blüten der dort aufgereihten Rosskastanien. Nur leider, wenn man dem Topfachmann für Wiener Baumkultur, Thomas Roth, glauben kann, hat dieser frühlingshaft erfreuliche Anblick ein Ablaufdatum. Denn die Rosskastanie ist einer jener Bäume, die dem Klimawandel besonders schlecht gewappnet sind.

Unter den 49 weiteren, die der in den Bereichen Gehölzkunde, Baumschulwesen, Garten- und Landschaftsgestaltung lehrend tätige Boku-Absolvent in seinem neuen Buch auflistet, sind aber auch andere, die Hitze, Salz und Wassermangel in der Millionenstadt deutlich besser vertragen. Und Roth kann darüber unterhaltsam schreiben, was ich aufgrund des Buchtitels „50 Wiener Bäume“ nicht von vornherein erwartet hätte.

Vorgestellt hat Roth sein im Falter-Verlag erschienenes Buch am 14.10. im Gespräch mit Naturressort-Leiterin Katharina Kropshofer, hingelockt hatte mich und Claudia vor allem das magdas-Hotel als Veranstaltungsort und das dort gebotene Abendessen. Rund um die an langen Tischen platzierten 80 (?) Gäste hatte Roth Zweige und (tlw.) essbare Früchte seiner ausgewählten Bäume angeordnet. Darunter solche, von denen ich noch nie etwas gehört hatte – wie Taschentuchbaum, Gummiulme, Milchorange oder Schlafbaum, aber auch Platane, Gingko und die bedrohte Kastanie. Zu den problematischsten invasiven Arten in Europa zählt der Götterbaum, einer Pflanzen-Hydra, die umso üppiger nachwächst, je mehr man sie beschneidet.

Dazu gab’s rund 45 min Info, danach feines Essen – ein „Sharing Dinner“ – und nette Gespräche mit uns davor unbekannten Frauen und Gastgeberin Gabriela Sonnleitner; magdas, wir kommen wieder!

Berni Wagner, Monster, Kabarett Niedermair, 13.10.2025 *****

Meine Top-5-Lieblingskabarettisten im bezüglich Humorist:innen reich gesegneten Österreich sind Klaus Eckel, Alex Kristan, Thomas Stipsits, natürlich Altmeister Josef Hader – und seit gestern Berni Wagner. Für sein aktuelles (fünftes) Programm „Monster“ erhielt der 34-jährige Linzer Wahlwiener zurecht den Österreichischen Kabarettpreis 2025.

Berni macht sich über klischeehafte „richtige Männer“ lustig und deren Eigenart, z.B. ihm mit einschlägigen Schimpfwörtern die damit verbundenen Eigenschaften abzusprechen. Was ihn aber nicht anficht. Er sei bekennender Warmduscher, lieber ein Weichei als Hodenkrebskandidat, und auch wenn er „Mädchen“ oder „Muschi“ tituliert wird, stört ihn das nicht – denn er mag beides. Bei traditionellen Polterabenden und Junggesellenabschieden wisse er oft nicht, ob die Kumpels den Betreffenden in einen neuen Lebensabschnitt begleiten oder aber ihm eine Nahtoderfahrung verabreichen möchten. Und: „Richtige Männer“ wirken oft, als litten sie unter „umgekehrtem Tourette“: Hin und wieder fällt neben Tiraden auch einmal ein normales Wort.

Doch auch in ihm selbst schlummert ein durch kindliche Krampuserfahrungen genährtes Monster, lässt Berni das immer wieder mit einbezogene Publikum im leider sehr engen Niedermair wissen. Es regt sich, wenn etwa Öffi-Benutzer den Platz neben ihnen mit ihrem Koffer verstellen oder wenn jemand sein Handy laut per Videocall benutzt und es dabei wie ein Butterbrot hält. Berni versucht sein inneres Monster mithilfe eines guruhaften Fitnesstrainers zu kultivieren – mit zweifelhaftem Erfolg. Sein theatralisches Talent zeigt der Kabarettist, wenn er mit übergeworfener Boxermantel-Kapuze vom warmduschenden Dr. Jekyll zum monsterhaften Mr. Hyde mutiert.

Zum Schluss wird der studierte Biologe ernst und erklärt, dass Charles Darwin falsch verstanden wird: Nicht die Stärksten, Rücksichtslosesten in der Natur setzen sich durch, sondern die Anpassungs- und Teamfähigen. So ist es.

Große Empfehlung. Anschauen!

Wienführung für Besserwisser mit Guide Wolfgang Reisinger, 27.9.2025 ******

Wisst Ihr, was ein „Dachhase“ ist? (1) Aus welcher Nation die größte Minderheit in Wien komme? (2) Wie lange es auf Wiens Straßen Linksverkehr gab? (3) Und was bedeutet es, wenn ein Fiaker eine Porzellanfahrt macht? (4) Oder hättet Ihr vermutet, dass bei Beethovens Begräbnis 20.000 Verehrer im damals noch deutlich kleineren Wien mittrauerten, bei Falcos dagegen „nur“ 5.000? Dass der kleine, große Napoleon in der Augustinerkirche eine Enkelin von Kaiserin Maria Theresia heiratete, ohne selbst anwesend zu sein?

Solche Staunen machenden Bildungsschätze erschloss mir und den gut 20 Gästen meiner Geburtstagsführung durch Wien unser Guide Wolfgang Reisinger am Tag nach meinem Jubelfest, dem 27. September. Ich hatte mich im Internet schlau gemacht, wer sowohl Wissenswertes als auch Unterhaltsames bei einem Spaziergang durch die Innenstadt vermitteln könnte – und ich gestehe, meine Recherchen als Redakteur waren nicht immer so ins Schwarze treffend wie diesmal: Wolfgang machte, da waren wir uns einig, einen Superjob. Keine Vorträge an Overtourism-Plätzen, sondern Ratespiele an gut ausgewählten Nischen, bei denen nicht nur die Besserwissenden mit Pez-Zuckerl als Pluspunkten belohnt wurden, sondern auch jene, die witzig-originelle Falschantworten ablieferten. Wie mein jüngster Sohn Fabian, der die Frage nach der Bezeichnung für einen mit Alkohol angereicherten Einspänner-Kaffees schlagfertig „Entspanner“ antwortete.

Wir waren in Gruppen aufgeteilt, die in Plastiktrinkbechern ihre errungenen Pez-Punkte sammelten. Die Route führte von der Albertina über den Schweizerhof und den Graben zum Platz Am Hof. Und dank meiner Mitwissenden Helga, Gaby und Martina hatte meine Gruppe am Schluss die meisten Pezis gehortet. Das wurde von Guide Wolfgang mit dem Buch „99 Fragen zu österreichischen Sehenswürdigkeiten“ belohnt. Nach diesem Geburtstag hab ich jetzt viel zu lesen 😉

Führung „Wien für Besserwisser“, Standort Albertina, ich mit PEZ-Sammelbox

Falls es wen interessiert, über den Startpunkt Albertina habe ich mir Folgendes gemerkt: Der Name des heute international renommierten Museums geht auf ein unter Hochadeligen seltenes Liebespaar zurück: Marie Christine (1742-1798), die Lieblingstochter Maria Theresias, wohnte in dem Gebäude hinter der (erst später errichteten) Oper mit ihrem Gemahl und Cousin 2. Grades, Albert von Sachsen-Teschen. Andere Nachkommen der Kaiserin trafen es nicht so gut wie die beiden Turteltäubchen – obwohl bei ihrer Hochzeit 1766 wegen des Todes des Kaiserinnengemahls Franz Stephan von Lothringen schwarz getragen wurde. Marie Antoinette und andere mussten sich der Heiratspolitik der Habsburger beugen. Albert und Marie Christine wurden zu Begründern der heutigen Kunstsammlung, die nach den Vornamen der beiden Eheleute ALBER- und -TINA benannt ist.

Danke, Wolfgang, für die höchst anregenden 2 Stunden mit dir und die Vermittlung unPEZahlbaren Wissens. Und sehr nett, dass du für die eingestreuten Fragen über das Geburtstagskind zum bisher aufmerksamsten (?) Leser meiner Website wurdest. Übrigens: Wolfgang lässt sich buchen.

(1) scherzhafte Umschreibung für Hauskatze (2) Serbien (3) bis zur Machtergreifung Hitlers 1938 (4)“Sehenswürdigkeiten“ finden sich bei geschlossener Kutsche und betont langsamer Fahrt eher unter dem Rock der mitfahrenden Dame

Kafka-Abend „Milena!“, Lesung im Radiokulturhaus, 20.9.25

„Literatur im Dialog“ nennt sich der Lesungsreigen mit den Schauspieler:innen Nicholas Ofczarek und Tamara Metelka sowie dem Violinisten Nikolai Tunkowitsch, die der Reihe nach Rilke, Kafka und Bernhard in den Mittelpunkt ihrer Abende im Radiokulturhaus stellen. Und vielleicht war es keine so gute Idee, vor der Veranstaltung im nahen „Stöckl im Park“ einen Zwiebelrostbraten mit böhmischem einzunehmen – oder aber das Wechselspiel von Briefpassagen des Einzelgängers Franz K. und seiner Freundin und Übersetzerin Milena Jesenská und den eingestreuten „Das Glück is a Vogerl“-Variationen des Geigers geriet zu anstrengend… Jedenfalls war die einsetzende Müdigkeit ein harter Gegner an diesem Abend, der auch von meinen Begleiterinnen C., S. und H. nur mit Mühe im Zaum gehalten werden konnte. Im Zwiebelsfall Letzteres.

Kafka war ja schon ein schräger Vogel, ein zwanghafter Schmerzensmann und gefühlsintensiver Bürohengst, ungeachtet seiner grandiosen und auch heute, 100 Jahre nach seinem Tod, noch gut lesbaren Texte. Die Briefe an seine Vertraute Milena, die als aufmüpfige Kommunistin 1944 im KZ Ravensbrück starb, waren mir zu anstrengend, zu verschroben, zu skrupulös.

Jesenska schrieb unmittelbar nach dem Tod Kafkas am 3. Juni 2024 einen Nachruf für eine Prager Zeitung, der wie folgt beginnt: Franz Kafka. Vorgestern starb im Sanatorium Kierling in Klosterneuburg bei Wien Dr. Franz Kafka, ein deutscher Schriftsteller, der in Prag gelebt hat. Es kannten ihn hier nur wenige, denn er war ein Einsiedler, ein wissender, vom Leben erschreckter Mensch. Er litt bereits jahrelang an einer Lungenkrankheit, und obwohl er sie behandeln ließ, hat er sie doch auch bewusst gehegt und geistig gefördert. »Wenn die Seele und das Herz die Bürde nicht mehr ertragen, dann nimmt die Lunge die Hälfte auf sich, damit die Last wenigstens einigermaßen gleichmäßig verteilt sei«, schrieb er einmal in einem Brief, und so verhielt es sich auch mit seiner Krankheit.

Den Kafka-Sammelband aus meiner Studienzeit als Germanist möchte ich mir gerne wieder mal hernehmen…

Ausstellung Brigitte Kowanz, „Light is what we see“, Albertina 25.8. ***

Ich wollte auf dem Rückweg von der Routineuntersuchung bei der Augenärztin eigentlich etwas anderes, zum am Folgetag beginnenden Radurlaub passendes sehen: Aber die Themenausstellung „Fernweh“ hatte die Albertina schon kurz davor abgesetzt. Stattdessen also Brigitte Kowanz, die Mauer-Preisträgerin, die ich als Kulturredakteur der Kathpress alljährlich unter den prominenten Ausgezeichneten im Namen des großen Kulturvermittlers Msgr. Otto Mauer erwähnt hatte.
Die Frage »Was ist Licht?« steht im Mittelpunkt des Schaffens von Kowanz. Ihre Antwort lautet: »Licht ist was man sieht« – ein Leitsatz, der auf das Paradoxon verweist, dass Licht zwar alles sichtbar macht, selbst normalerweise aber unsichtbar bleibt. Die gleichnamige Retrospektive führt durch das Werk einer bedeutendsten Gegenwartskünstlerin in Österreich.

Der Spiegel vermittelt eine Raumtiefe, die es so nicht gab.

Die gebogenen Neonröhren und Leuchtkörper sind nichts, was mein Auge auch nur annähernd so berührt wie die Skulpturen von Rodin, die Aquarelle von Nolde oder die Schattengesichter Caravaggios. Doch manches der Exponate ließ mich eben nicht unter-belichtet davorstehen.