Mal was Anderes: Urlaub in Österreich. Erst fünf Nächte in Zell am See (Bild 1), dann vier in Bad Ischl (Bild 2). Und eines vorweg: Österreich ist schön, sehr schön sogar.


In Zell am See war ich davor noch nie. Der Tourismus dort ist nachhaltig. Denn obwohl in arabischen Ländern schon lange nicht mehr geworben wird, fallen in den engen Gassen nach wie vor viele vollverschleierte Frauen auf, die hinter ihren Männern flanieren. Und manche Lokale – wie das Kaffeespezialitäten-Geschäft “Bella Bean” oder auch der Manner-Shop – können sich des Ansturms der Oriental:innen kaum erwehren.
Einheimische rümpfen inzwischen die Nase über den anhaltenden Zuspruch und zitieren Goethe mit “Die Geister, die ich rief…” Was uns mehr störte, war das bis 2.30 Uhr nachts geöffnete Gin House www.ginhouse.at unter unserem Balkonfenster, das zum via we-are-travel preisgünstig gebuchten Hotel Zum Hirschen in der Innenstadt gehört. Und uns bis auf eine Nacht schlafstörende, grölende Trunkenbolde bescherte – und an diesem Tag, einem Sonntag, waren wir selbst lange unterwegs zwecks Public Viewing des Fußball-WM-Finales.

Die Wetterprognose war schlechter als es dann wirklich kam. Meine Wanderung auf die Schmittenhöhe hoch über Zell, wo ich die per Seilbahn angereiste Claudia traf und mit ihr die wunderbare Aussicht auf Großglockner, -venediger, Kitzsteinhorn und andere Hohe Tauern genoss, blieb ebenso regenfrei wie unser Radausflug nach Saalfelden. Dort trafen wir meinen fast gleichaltrigen Cousin Fredi und seine Frau Ilse in deren schöner Altstadtwohnung und frischten auf der Terrasse Jugenderinnerungen auf – wir hatten in Kindheit und Jugend eine enge Beziehung, bis Fredi berufsbedingt aus Bruck/Kapfenberg ins Salzburgische übersiedelte und wir uns aus den Augen verloren. Claudia nutzte die Rückfahrt zu einem kurzen Bad im Zeller See, ich hatte leider keine Badehose eingepackt und spürte die 23 Grad nur bis zu den Waden.

Es war eine gute Idee, die beiden E-Bikes mitzunehmen; sowohl die Gegend im Pinzgau als auch danach das Salzkammergut sind für Radbegeisterte ein PaRADies.
Die mitgebrachten Joggingschuhe verwendete ich bei einem 12-km-Lauf rund um den idyllisch gelegenen See, bei dem es auch mal ganz schön bergauf ging. Und einen Bauernmarkt in Kaprun besuchten wir ebenfalls mit dem Rad. Den dortigen Stausee, die Krimmler Wasserfälle, das Tauern-Museum in Mittersil und den Hochkönig heben wir uns für einen anderen Besuch auf.
Am Urlaubsortswechseltag schlug Claudia eine Zwischenstation vor, die sie im Gegensatz zu mir schon kannte: die Eisriesenwelt in den Felswänden hoch über Werfen im Salzachtal, die angeblich größte Eishöhle der Welt mit insgesamt 42 km langen Gängen, von denen nur einer für Besucher:innen erschlossen ist. Die Anreise zum Höhleneingang über eine serpentinenreiche Bergstraße und zwei 20-Minuten-Aufstiegen vor und nach einer Seilbahnfahrt hatte es in sich, erst recht dann aber die Höhle selbst mit ihren teils meterdicken, bis zu 3000 Jahre alten Eisschichten. Guide Christoph führte uns und ca. 30 weitere Interessierte auf 700 Leiterstufen hinein in die 0 Grad kalte Glitzerwelt, für die wir uns mit Bergschuhen, warmer Kleidung und Mützen gut gewappnet hatten. Ferialpraktikant Christoph spielte das Thema Klimawandel etwas herunter, aber laut National Geographic ist der Bestand von Eishöhlen durch die Erderwärmung mittelfristig bedroht. Das Naturwunder werde nicht ewig bestehen.



Am Fuße des Dachsteins ging’s weiter nach Bad Ischl, dem ehemaligen Sommerfrischeort von Kaiser Franz Joseph. Die dortige Kaiservilla erwarben die Wiener Habsburger unmittelbar nach dessen Verlobung mit Sisi, noch heute ist der einstige Sommersitz im Besitz der Familie Habsburg-Lothringen und eine der meistbesuchten Attraktionen im Salzkammergut. Angesichts der langen Warteschlange verzichtete ich auf jegliche Monarchen-Nostalgie (der in Bad Ischl schwer zu entkommen ist) und nutzte den Kulturhauptstadtort des Jahres 2024 lieber als Ausgangspunkt für Ausflüge. Der erste führte Claudia und mich erst zum Atter-, dann zum Mond- und über eine heftige Steigung zum Wolfgangsee. In ersterem kam ich endlich auch zum Schwimmen im klaren Wasser, die 68-km-Tour durch die herrliche Landschaft bot auch sonst einiges an Erquicklichem.



Die zweite Radtour unternahm ich dann alleine. Durchs Rettenbachtal ging’s hoch zur Bla-Alm auf einem Weg, der besser für ein Mountainbike geeignet gewesen wäre, dann nach Altaussee zum wohlverdienten Pausenfrüchteeisbecher und nach Bad Aussee, dann über den Koppen-Pass nach Obertraun und am Ufer des Hallstätter Sees entlang nach Bad Goisern und Ischl. Eine herrliche Tour, das mein E-Bike tadellos absolvierte.





Zur Bergsteiger-Challenge geriet meine traditionelle Kulinarik-Urlaubseinladung an Claudia: Sie hatte sich für das Gasthaus am Siriuskogel entschieden, wo der medienbekannte Sternekoch Christoph “Krauli” Held die Gaumen seiner Gäste verwöhnt. Das will aber verdient sein, denn auf dem supersteilen Weg rauf zum Aussichtsgasthaus war Claudia einem Herzinfarkt nahe. “Nanga Parbat”, japste sie oben zum mitleidsvoll gereichten Wasserglas. Ich fand, das herrliche Essen lohnte die Mühe jedenfalls – ich war nach vorangegangenem Jakobsweg, der Lofotenkletterei, Bärenschützklamm mit Enkeln, Jogging am Zeller See und den genannten Radtouren aber auf gutem Fitnesslevel.
Unser Quartier hatten wir im Hotel Grand Elisabeth bezogen, einem feinen Schuppen mit internationalem Publikum, Wellness-Bereich und einem Frühstücksbuffet, das keine Wünsche offen ließ. Und dennoch einen gravierenden Makel aufwies. Denn zweimal gab es in aller Herrgottsfrüh einen Feueralarm im Hotel, der sich jeweils als Fehlfunktion herausstellte. Und Erklärung danach oder gar Entschuldigung? Fehlanzeige.
Aber das sollte den Gesamteindruck nicht ändern: Als Urlaubsland hat Österreich viele Asse im Ärmel…
