Als Kathpress-Redakteur habe ich regelmäßig mit familienpolitischen Stellungnahmen entsprechend thematisch ausgerichteter katholischer Organisationen und Personen zu tun. Und habe dabei aus mehreren Gründen oft inhaltliche Probleme.
Beim Katholischen Familienverband, geleitet von einem durchaus honorigen Steuerberater, geht es fast immer nur ums Geld („Familien schwer benachteiligt, buh!“). Und wenn um anderes, dann um Wahlfreiheit, verstanden als Recht der Frauen, sich statt für den Beruf für Kinderbetreuung und Haushalt entscheiden zu können. Viel zu selten (aber doch) ergänzt durch die Forderung, dass auch den Papas eine Auszeit vom Karrieremachen zustehen muss.
Ja, eh.
„Familienbischof“ Klaus Küng, ein Opus-Dei-Mann, fährt ein absolutes Minderheitenprogramm: Sein Fokus liegt auf kinderreichen Familien, die nicht diskriminiert werden dürften, auf Lebensschutz, der bis in die Schlafzimmer (verheirateter!) Paare hineinreicht, und auf „Hauskirche“, in der die Eltern die ersten Katecheten ihrer Kinder sein sollen.
Sorry, mir ist das alles zu eng, zu rückwärtsgewandt. Eine gute Familienpolitik muss Querschnittsmaterie sein und braucht in erster Linie ein tragfähiges soziales Netz und entsprechende Ressourcen für Wenigverdienende, für pflegebedürftige Alte, für Flüchtlinge, für (anfangs noch und später immer weniger) wissensdurstige Kinder, bei Krankheit und Schicksalsschlägen.
Und: Damit Familien bestmöglich zu Ersterfahrungsstätten von Solidarität werden können, braucht es auch Wohnformen, die Zusammenhalt statt Vereinzelung fördern: etwa von der öffentlichen Hand geförderte Siedlungen in überschaubarer Größe und mit guter sozialer Durchmischung, mit Gemeinschaftseinrichtungen wie Veranstaltungsräumen, Grünflächen, Bibliotheken, wo man wie früher bei der Bassena miteinander ins Gespräch kommt und Anteilnahme üben kann.
Ich würde übrigens immer noch gerne in einem Wohnprojekt mit Wahlverwandten leben, wie vor 25, 30 Jahren, als entsprechende Versuche knapp scheiterten.