Für dieses Adventkästchen habe ich 4,10 Euro investiert. Es war die Titelseite des Jännerheftes des Hamburger „NEON“-Magazins, die mich im Thalia auf der Landstraße zur Kassa schreiten ließ. „Ok, Mama. Ich geh zum Friseur“ stand da unter dem Brustbild einer über und über behaarten Gestalt. Und darunter, erläuternd: „Was passiert, wenn wir auf den Rat unserer Eltern hören?“
NEON-Redakteure erinnern sich in dieser Titelstory an gut gemeinte, manchmal nervende oder genervte, jedenfalls oft gehörte Ratschläge ihrer Väter und Mutter. Das reicht von Kleinigkeiten wie einem regelmäßigen Friseurbesuch über die Ermunterung, sich mit den familiären Vorfahren zu beschäftigen bis hin zu lebensrichtungweisenden Impulsen wie eine Lehre in einer Sparkassenfiliale oder zur Zusage „Den Mann fürs Leben findest du nicht in der Disko, sondern zufällig auf dem Parkplatz vor einem Supermarkt“. Und versuchen, diese Ratschläge – Jahre später – umzusetzen.
Die insgesamt fünf gut geschriebenen, unterhaltsamen, oft zum Schunzeln anregenden Texte über ein Bankpraktikum, einen Haarschnitt, eine Ururgroßvaterrecherche, Tischmanierenbeachtung und den Versuch, sich an einem Edeka-Parkplatz ansprechen zu lassen, sind eingeleitet mit: „Eltern sind nicht allwissend. Sie haben, im Gegenteil, von ziemlich vielem überhaupt keine Ahnung. Ihre Ratschläge klingen oft langweilig, unseren Leben fremd…“ Und weiter unten heißt es dem zum Trotz: „Auch wenn wir jedes Mal wieder die Augen verdrehen, ahnen wir: Die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Eltern wissen, was für uns am besten ist, ist ziemlich hoch. Weil sie uns länger kennen als wir uns selbst.“
Ich erinnere mich: Unter dem Eindruck meiner schlechten Noten in Latein, Französisch und Mathematik legte mir meine Mutter nahe, nach einjährig verzögerter Matura nicht (als erster der „Eiblischen“) ein Studium zu beginnen, sondern beruflich etwas Sicheres anzupeilen. Zum Beispiel zur Bahn zu gehen wie einer meiner Onkel und mein Opa. Oder in eine Bank. Dafür konnte ich mich nicht erwärmen und „riskierte“ eine Uni-Ausbildung für jenen Beruf, den ich am besten kannte: Lehrer. Keine Ahnung, ob ich weniger glücklich geworden wäre – aber mein Leben hätte sicher einen völlig anderen Verlauf genommen, hätte ich statt Theologie und Germanistik zu studieren, Tickets gezwickt, Züge geführt oder Fahrdienste geleitet.
Meinen Söhnen gab ich – so meine Selbsteinschätzung – kaum inhaltliche Vorgaben mit auf den Weg. Dass ich Fabian etwa die Popperschule nahelegte, war keine Weichenstellung für sein jetziges Informatikstudium. Am besten und am glücklichsten seid ihr, wenn ihr das tut, woran euer Herz hängt, so meine „Direktive“. Aber macht was aus euren Talenten, engagiert euch, lasst euch begeistern und nicht hängen, gebt euer Bestes!