Thomas Manns „Buddenbrooks“ ist sowas wie die Mutter aller Familienromane. Ich war zwar schon im Buddenbrookshaus in Manns Geburtsstadt Lübeck, aber gelesen hab ich das Vielehunderteseitenwerk nichtmal als Germanistikstudent.
Meine Lieblings-Familienromane kommen aus dem Amerikanischen. „Garp und wie er die Welt sah“ erschloss mir bereits im vergangenen Jahrtausend die skurrile Welt von John Irving, bei dem es immer irgendwie um familiäre Lebenswelten geht, etwa in den ebenfalls empfehlenswerten „Hotel New Hampshire“ und „Witwe für ein Jahr“ (mein Irving-Favourite ist und bleibt „Owen Meany“, aber das nur nebenbei).
Anfang der 2000er Jahre las ich hintereinander Jonathan Franzens „Die Korrekturen“ und Jeffrey Eugenides‘ „Middlesex“, beides preisgekrönte Bücher über besondere Familien. Franzen erzählt die Geschichte der Familie Lambert aus einer Kleinstadt im Mittleren Westen, die sich für ein letztes gemeinsames Weihnachtsfest zusammenfinden soll: Dies wünscht sich Mutter Enid angesichts der fortgeschrittenen Parkinson-Erkrankung ihres Mannes Alfred von den drei sehr unterschiedlichen Kindern: Gary ist ein erfolgreicher, aber depressiver Banker in einer Ehekrise, Chip ein durch eine Affäre mit einer Studentin gescheiterter Literaturdozent, Denise eine ebenfalls affärebedingt entlassene Gourmetköchin. Der Versuch der Kinder, die Lebensmodelle der Eltern zu „korrigieren“, um eigenen Krisen vorzubeugen bzw. aus dem Weg zu gehen, bleibt erfolglos.
In „Middlesex“ schildert der aus einer griechisch-amerikanischen Einwandererfamilie stammende Eugenides eine ebensolche ab deren Emigration aus der Westtürkei nach Detroit. Im Mittelpunkt steht die/der hermaphrodite Calliope(Cal) Stephanides, die als Mädchen aufwuchs und der als Diplomat in Berlin sein Leben in Rückblenden erzählt. Der Roman schildert dabei die Unterscheidung zwischen „gender“ und „sex“ auf literarisch anspruchsvolle und auch oft vergnügliche Art.
Falls noch jemand zu Weihnachten richtig gute, familienlastige Bücher verschenken will, hier noch einige weitere Tipps: Arno Geiger, „Es geht uns gut“; Almudena Grandes, „Der Feind meines Vaters“; nochmals Jonathan Franzen mit „Unschuld“ und die autobiografischen, uneitlen und humorvollen Bücher von Burgschauspieler Joachim Meyerhoff wie z.B. „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“.