Als ich Ehemann und Vater wurde.
Nach einer turbulenten, gezeitenähnlichen Phase der damals zweijährigen Beziehung zu meiner „ersten Claudia“ verbrachten wir zunächst getrennte Urlaube. Sie in England, ich in Irland. Ich war 26, ein Alter, über das Christa Wolf in „Nachdenken über Christa T.“ schrieb: „Auf irgendein Ergebnis laufen immer alle Bewegungen hinaus, jung und grün ist man auch nicht mehr, 26 inzwischen, man hat schon gespürt, dass man auch zu unentschieden sein kann, dass man auch aus Unbescheidenheit – oder wie soll man das nennen? – den Augenblick verpassen kann, für Liebe, für Leben, für alles, wofür es keinen Ersatz gibt. So muss man sich binden?“
Ich also in Irland, auf den wildromantischen Aran Islands, vor Wind und Regen flüchtend in eine kleine, karge, abgelegene Kirche, darin eine Statue der Jesusmutter und „heimlichen Göttin“ des Christentums, über die ich im selben Jahr meine Diplomarbeit geschrieben hatte. Ich dachte an Claudia und bat die sanft Lächelnde in einem Anflug von ungewohnter Marienfrömmigkeit um ein Zeichen, „ob ich der (Zu-)Meistgeliebten sagen soll, dass ich sie gerne heiraten würde“.
So schrieb ich in mein Tagebuch am 4.8.86, vor mehr als 30 Jahren, und dann noch: „Keine fünf Minuten darauf kam ein junges Paar aus Cork, Schutzsuchende wie ich und mir ein Zeichen. Ich war selig.“
In Rosslare Harbour in Wales wurde ich strahlend empfangen, nach der Wanderung auf dem Coast Path sagte ich in London: „Ich möchte dich heiraten.“ Und hörte: „Ich werde in diesen Herbst gehen mit dem Gefühl, dass unsere Beziehung jetzt zielgerichtet ist…“
Ein Monat später die überraschende und zugleich willkommene Gewissheit: Ich werde Vater! Zusammenziehen Anfang Dezember und Hochzeit – in einem Jahr, in dem ich auch noch mein Studium abschloss, Zivildienst machte und in der Schule zu unterrichten begann. Eine mitreißende Zeit, buchstäblich, mit viel Ungeplantem.
So, das beantwortet meine gestrige Ausgangsfrage nach der Familiengründung: Gib dich dem Leben hin, würde ich sagen, lass Raum für Forderndes und Förderndes, für das, was zu-fällt. Let it flow, let it be!