Adventmails 2016/02 (Familie)

Donald Trump ist – viel mehr, als er Republikaner ist – ein Selbstdarsteller. Und ein Nepotist. Ihr wisst schon, das ist einer, der seinem Neffen (lat. Nepos) Posten, Aufträge, Einfluss, jedenfalls Vorteile, verschafft. Bzw. dem Mann seiner Tochter und „eigentlichen First Lady“ (Tagesanzeiger) Ivanka, über den wiederum die FAZ schon am 17. November schrieb: „Der Einfluss von Schwiegersohn Jared Kushner in Donald Trumps Team ist kaum zu überschätzen.“ Wie das „Wall Street Journal“ berichtete, soll Kushner im Weißen Haus eine Schlüsselrolle übernehmen, wobei noch entschieden werde, ob es eine offizielle oder inoffizielle unbezahlte Stelle wird, die er besetzen soll. Ivana Trump, die erste Frau des Wahlsiegers, brachte sich als amerikanische Botschafterin in ihrem Geburtsland Tschechien ins Gespräch. Ihre Qualifikationen: Sie spreche Tschechisch und sei „ziemlich bekannt in der ganzen Welt“, lautete die Eigenwerbung.

Ob derlei Vetternwirtschaft die Amerikaner verstört, wage ich zu bezweifeln. Immerhin gibt es im Land aller möglichen Begrenztheiten einen Gewöhnungseffekt hinsichtlich einflussreicher Familien wie den Kennedys (John F. machte – eine Premiere in der US-Demokratie – seinen gleichwohl fähigen Bruder Robert F. zum Justizminister), den Bushs oder den Clintons. In Österreich fällt mir aus jüngerer Zeit nur Erwin Pröll ein, dessen Nepos Josef einst die große ÖVP-Hoffnung und Kanzlerkandidat war.
Verwandtenbevorzugung gibt es, seit Politik betrieben wird, und sie fällt umso leichter, je geringer die demokratische Kontrolle ist. Berüchtigt war der Kardinalnepotimus von Kirchenfürsten in Mittelalter und Neuzeit. Bis zum 17. Jahrhundert wurden etwa päpstlichen Verwandten ganze Teilgebiete des Kirchenstaates als Lehen gegeben, um eigene Fürstentümer zu errichten. Der letzte für seinen Nepotismus bekannte Papst war Pius XII., der seinen Neffen Giulio, Carlo und Marcantonio Fürstentitel und hohe Posten in Italiens Politik und Finanzwelt verschaffte.
Übrigens: Nach JFK‘s Präsidentschaft wurde der Nepotismus in den USA gesetzlich verboten: Bei Ämtervergaben dürfen keine nahen Verwandten berücksichtigt werden. Das gilt (noch?) auch für The Donald. Dennoch saßen seine drei Kinder aus erster Ehe im Übergangsteam, das nach der Wahl mit Hochdruck daran arbeitete, Trumps Regierung zusammenzustellen. „Viele Beobachter fühlen sich an Clan-Strukturen von Bananenrepubliken erinnert, bei denen nicht klar ist, wo die Politik endet und das Familiengeschäft beginnt“, spottete die FAZ über die Entwicklung in einer der ältesten Demokratien der Welt.

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