Filme über das Reisen – viele davon großartig – gibt es zuhauf, und auch Listen mit den “besten Roadmovies” finden sich im Internet zuhauf. Zurecht von vielen als Nr. 1 geführt wird Dennis Hoppers und Peter Fondas “Easy Rider” (1969), der wie kaum ein anderer das Lebensgefühl und Freiheitsbedürfnis der Endsechziger ins Bild rückt und dazu auch noch großartige Musik wie “Born to be wild” von Steppenwolf beisteuert. Der “Evangelische Film-Beobachter” schrieb 1970 über den äußerst billig produzierten Erstling „Ein in Darstellung, Fotografie und Musik faszinierend schöner Film, der dem legalisierten Terror unserer Gesellschaft ein aufrichtig empfundenes, aber romantisch verklärtes Bild vom einfachen Leben in einer einfachen natürlichen Umgebung entgegensetzt.“ Interessant aus heutiger Sicht ist der ungeschminkte Blick auf das verstockt konservative, ausgrenzungs- und gewaltbereite Amerika, das bis heute ein Reservoir für demokratiegefährdende Politik à la Trump bildet.
Weitere höchst empfehlenswerte Reise-Filme:
- Thelma & Louise (Rodley Scott, 1991) mit zwei von Geena Davis und Susan Sarandon dargestellten Frauenfiguren (für Brad Pitt und Harvey Keitel blieben nur Nebenrollen), die durch einen vereitelten Vergewaltigungsversuch zu Outlaws werden.
- Blues Brothers (John Landis, 1977): John Belushi und Dan Akroyd reisen als Brüder Jake und Elwood Blues durch die Lande und bringen ihre alten Bandmitglieder wieder zusammen. Noch mehr als “Easy Rider” lebt der Film von der schon legendären Musik und Gastauftritten von Größen wie Ray Charles, Aretha Franklin, James Brown, John Lee Hooker oder Chaka Khan.
- Into the Wild (Sean Penn, 2007): Ein Film über Einsamkeit. Hauptfigur ist ein junger Spross einer wohlhabenden Familie, der nach dem Abschluss seines Studiums von Karriereerwartungen und Besitz lossagt und eine Reise durch die USA und schließlich in die Wildnis Alaskas antritt.
- Vogelfrei (Agnès Varda, 1985): Die junge Mona (Sandrine Bonnaire mit 18!) will in absoluter Freiheit leben und zieht als Landstreicherin durch das winterliche ländliche Südfrankreich.
- Nomadland (Chloé Zhao, 2020) Eine trauernde Witwe aus Nevada (Frances McDormand) verlässt nach dem Tod ihres Mannes und der Schließung des nahegelegenen Gipssteinbruchs ihre inzwischen entvölkerte Heimatstadt und reist mit einem Van als Haus zu Gelegenheitsjobs quer durch die USA – wie viele andere, für die der amerikanische Traum nichts als ein unerreichbarer Traum ist.
- Lohn der Angst (Henri-Georges Clouzot, 1953) sah ich vor Jahrzehnten und habe noch immer Bilder davon im Kopf. Yves Montand als Abenteurer, der zusammen mit letztlich scheiternden Gefährten per LKW eine Ladung Sprengstoff über kaum befahrbare Straßen befördert.
- Rain Man (Barry Levinson, 1988) Feschak Tom Cruise gibt Charlie Babbitt, der seinen autistischen älteren Bruder Raymond (Dustin Hoffman) von einem Behindertenwohnheim in Ohio nach Kalifornien kutschiert, weil der Flugangst hat.
- Midnight Run – Fünf Tage bis Mitternacht (Martin Brest, 1988) Ähnliches Thema, aber hier wird Flugangst vorgetäuscht: von einem Buchhalter, der die Mafia für wohltätige Zwecke betrog. Mein Lieblingsschauspieler Robert De Niro als Ex-Polizist soll den Flüchtigen nach Los Angeles bringen.
- Wilde Erdbeeren (Ingmar Bergman, 1957) Filmklassiker über einen alten Professor, der während einer Autofahrt durch Tagträume und Erinnerungen mit seinen Fehlern konfrontiert wird.
- Little Miss Sunshine (Jonathan Dayton und Valerie Faris, 2006) In dieser unterhaltsamen Komödie bricht eine ganze skurrile Familie nach Los Angeles auf – zu einem Schönheitswettbewerb, an dem die Jüngst unbedingt teilnehmen möchte.
- Duell (Stephen Spielberg, 1971) Ein TV-Thriller war der Erstling des späteren Blockbuster-Regisseurs, der so gruselig erfolgreich war, dass er später sogar in die europäischen Kinos kam.
