Adventmail 2022/09 (Reisen)

Im Anschluss an meine berufsbegleitende Psychotherapieausbildung in den 1980er-Jahren nahm ich an einer Seminarreihe über „holotropes Atmen“ und Rebirthing teil. Mit Hilfe spezieller Atemtechniken und evozierender Musik sollte dabei ein Bewusstseinszustand erreicht werden, der Selbsterfahrung und psychische Heilungsprozesse mit Blick auf das eigene Geburtserlebnis ermöglicht. Ich lag mit gut einem Dutzend Hyperventilierender auf einer Matratze und begab mich auf eine Traumreise, die an Intensität davor erlebte Fantasiereisen („… jetzt wird dein linker Fuß schwer … dein rechter Arm…“) bei weitem übertraf.
Die wahren Abenteuer sind im Kopf, sang André Heller, und wenn man eine Zeitlang zu lautstarken Klängen heftig ein- und ausatmet, mag der dann erreichte Zustand dies bestätigen: Ich geriet „außer mir“, ohne „bewusstlos“ zu werden. Bilder wogender Wellen tauchten auf, Farben ganz ohne Drogen, ich hatte den Impuls, mit dem Kopf die mich umgebenden Matratzenwände zu durchstoßen, wand mich dabei – wie ein Ungeborener, der in die Welt drängt…
Bei meinem nächsten Kapfenberg-Aufenthalt fragte ich meine Mutter, ob meine Geburt eine schwere gewesen sei. Ich hätte da eine Selbsterfahrung gemacht, die nahelegt, es habe währenddessen eine Phase heftigen Geburtskampfes und ein Stocken gegeben. „Nein, bei dir nicht“, beschied mir Franziska lapidar. „Bei deinem Bruder war es zehn Jahre später um einiges schwieriger.“
Tja

Schwimmen in einem Nationalpark in Südthailand

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