Nicht genug, dass ich mit dem Heiligen Geist theologisch so meine Probleme habe (Reicht nicht ein Gott? Braucht’s für dessen liebevolle, ermutigende Energie und Weisheit eine eigene göttliche Person?) – er muss auch noch meist in Form einer Taube dargestellt werden. Ausgerechnet.
Für einen Großstadtmenschen wie mich sind diese zu Recht mit einem Fütterungsverbot belegten, kopfwippenden, schon in aller Herrgottsfrüh vorm Fenster gurrenden, denkmalbescheißenden „Ratten mit Flügeln“ (Woody Allen) ein Ärgernis.
Ok, die Apostelgeschichte im Neuen Testament spricht auch von „Zungen, zerteilt wie von Feuer“, in denen sich Gottes Geist auf alle Anwesenden setzt. Und bei Johannes ist vom Geist als dem lebendigen Wasser (Joh 7,37f) die Rede. Die Taube geht auf die Schilderung der Taufe Jesu bei Matthäus zurück: „Wie eine Taube“ sei der Geist Gottes auf Jesus herniedergekommen (Mt 3,16).
Der Vogel stehe dabei für ein Geschehen zwischen Himmel und Erde, weisen Theolog:innen hin. Wer die Hebräische Bibel kennt, denkt an die Erzählung von Noah: Er sendet laut Genesis eine Taube von der Arche aus, die zur Überbringerin der frohen Botschaft von der Bewohnbarkeit der Erde und damit Verkünderin des Friedens zwischen Gott und den Menschen wird. Sie schaffe als Opfertier, welches als „rein“ gilt, eine Verbindung zur himmlischen Sphäre, heißt es. Und dass die Brieftaube als Übermittlerin von (Froh-)Botschaften verlässlich ihren Weg zum Ziel findet, lege ebenfalls das Bild der Taube als Analogie des Heiligen Geistes nahe.
Dennoch: Der Spiritus Sanctus braucht statt der Taube ein anderes Symboltier. Eines, das in Krisenzeiten Hoffnung gibt – wie der Phönix? Oder für Beharrlichkeit und Resilienz steht – wie die Küchenschabe? Oder der Verborgenheit Gottes entspricht – wie der Chinesische Flussdelfin? Nein, zu altgriechisch, zu abstoßend, zu ausgestorben… vielleicht doch lieber Friedenstauben.
