Das teuerste Tier Österreichs kommt mit einem 25,1 mal 22,6 cm großen „Gehege“ aus. Es hat ein flauschiges Fell in verschiedenen Braun- und Grautönen bis zum getrübten Weiß und ist extrem scheu: Sein Besitzer zeigt es nur alle fünf Jahre bzw. bei ganz besonderen Anlässen einer staunenden Öffentlichkeit – und dies geschieht nach Absprache mit dem Bundesdenkmalamt.
Die Rede ist von Albrecht Dürers Aquarell „Feldhase“, das dank der Sammelleidenschaft des Habsburgerkaisers Rudolf II. heute – wie auch andere großartige Werke der Naturbeobachtung des Meisters aus Nürnberg („Betende Hände“, „Das große Rasenstück“, „Flügel einer Blauracke“) – in Österreich, in der Albertina, zu bewundern ist. Dürer malte den Hasen 1502, als mit der Renaissance auch das Interesse an exakter Naturnachbildung neu erwachte und damit der malerische Realismus aufkam. Der „Dürer-Hase“ begeisterte schon zu seiner Entstehungszeit. Die Vielzahl der 13 Kopien und Paraphrasen belegen jedoch nur die unerreicht hohe Qualität des Originals.

Eine Besonderheit liegt nicht im Auge des Betrachters, sondern des Hasen: Denn darin spiegelt sich ein Fensterkreuz. Damit deutet Dürer an, dass sich das Tier im Haus befindet und es praktisch auszuschließen ist, dass der damals 30-Jährige einen lebenden Feldhasen gezeichnet und gemalt hat.
Nach seinem Tod 1528 blieb das Aquarell drei Generationen lang im Familienbesitz. Ein Enkel verkaufte das kostbare Erbe in den 1570er-Jahren an Kardinal Antoine Perrenot de Granvella, der im Dienst der spanischen Habsburger stand. Rudolf II. erwarb den Feldhasen danach zusammen mit 250 weiteren Arbeiten Dürers und gibt damit bis heute Anlass, der verlorenen Größe des Hauses Österreich nachzutrauern, das heute mehr bedeutende Kunst restituieren muss, als es erwerben kann.
Ich bin schon mindestens zweimal fasziniert vor dem Feldhasen gestanden und hab die feinen Pinselstriche Dürers bewundert. Es war wohl eine Kopie des Meisterwerks, denn das Original ist in der Albertina bis wenige Ausnahmen nicht zu sehen.