Eine indische Emanzipationsgeschichte made in Austria: Farrukh Jaffar, vor fünf Jahren im Alter von 88 Jahren verstorbene indische Schauspielerin und Radiomoderatorin in Bollywood, spielt Mehrunisa, eine alt gewordene Schauspielerin, die für mehr Wertschätzung von Frauen in Bollywood kämpft – und für ihre eigene Würde. Nach dem Tod ihres Patriarchengatten ergibt sich für sie die Chance, in einem neuen Film über den Aufstand Mitte des 19. Jhd.s in der nordindischen Stadt Lucknow gegen die britischen Besatzer ihre ehebedingt abgebrochene Karriere wieder aufzunehmen. Mehrunisas Enkelin, die sich im Lauf der Handlung selbst aus einer beengenden Beziehung befreit, wird zur Verbündeter im Bestreben, das geschichtsfälschende Drehbuch zu korrigieren. Es solle nicht länger so sein, dass der Bollywood-Film nur männliche Helden in den Fokus stellt und die maßgeblichen weiblichen Beiträge zum Widerstand gegen die Briten weglässt.
Wie dieses Projekt von Großmutter und Enkelin gelingt, ist humorvoll, unterhaltsam – und trägt märchenhafte Züge. Denn urplötzlich bildet sich mithilfe einer Talkshow im TV eine breite Öffentlichkeit für das feministische Ansinnen. Besonders die greise Mehrunisa/Farrukh Jaffar nimmt die Herzen der Menschen auf den Straßen von Lucknow – und im Kinosaal! – ein.
Gedreht hat dies der austroindische Regisseur Sandeep Kumar aus Neu-Delhi, der seit mehr als 20 Jahren in Wien lebt. Beim Podiumsgespräch nach der Vorführung unter der Schirmherrschaft des Entwicklungshilfeklubs in der Urania mit Schauspielerin Lilian Klebow und der Soziologin Kalpana Kannabiran aus Hyderabad verneinte Kumar die Frage, ob auch sein Drehbuch einer weiblichen Korrektur bedurfte. Manche Männer haben’s offenbar kapiert…