Ich bin ja kein großer Picasso-Fan, ich gesteh’s. Die karnickelhaft enorme Produktivität des großen Kubisten aus Malaga und sein Dekonstruktivismus v.a. weiblicher Körper trotz seiner überbordenden Libido (s. unten Bild 3) lassen meine Begeisterung für sein Oeuvre überschaubar bleiben. Für Francis Bacon war das offenbar anders. Unter dem Eindruck Picassos fasste der 1909 – 28 Jahre nach Picasso – in Dublin geborene Brite den Entschluss, als Autodidakt Maler zu werden.

Die Albertina zeigt in ihrer aktuellen Sonderausstellung “die beiden bedeutendsten figurativen Maler des 20. Jahrhunderts”, wie sie stolz mitteilt, in einer Gegenüberstellung. Und auch wenn ich mir wohl kein Bild der beiden in meine Wohnung hängen würde, hat das durchaus ihren Reiz. Zu sehen sind deformierte menschliche Leiber, in denen sich Eros und Thanatos begegnen und die Gewalt des 20. Jht.s zum Akt wird. Bei Bacon kommt noch seine Außenseiterrolle als Homosexueller dazu, die zu vielen oft ungeschönten, deprimierenden Antworten auf die Frage “What It Feels Like to Be Human” führt.
In ihren verzerrten Darstellungen zeigen beide, Picasso und Bacon, Schmerz, Begierde und Verletzlichkeit und halten der modernen Seele einen Spiegel vor. Themen wie Kreuzigungen, Schreie, Stierkampf offenbaren für beide das Drama des Lebens.




Werke von Papblo Picasso sah ich bereits bei mehreren Gelegenheiten, oft auch seine Kriegsbilder aus Guernica (Bild 4), aber Francis Bacon war eine Entdeckung für mich. Vor allem seine abgründigen Arbeiten aus der späten Schaffensphase waren eindrucksvoll: Porträts seiner engsten Freunde und seiner selbst (Bild 1), Papstbilder, in denen er seine konfliktreiche Vaterbeziehung verarbeitete, Kreuzigungsdarstellungen. Bacon war hochgebildet, Alkoholiker, Lebensgefährte des zwielichtigen George Dyer (auf Bild 2 ein Liebesakt-Ringkampf mit ihm). „Es gab so viel Krieg in meinem Leben“, bekannte er in seinem letzten veröffentlichten Interview drei Monate vor seinem Tod in Madrid, wo er sich anlässlich einer Velazquez-Ausstellung aufhielt.