Und wieder eine Wahnsinnsperformance von “Jahresregentin” Sandra Hüller: Sie gibt Rose, eine Frau im 17. Jahrhundert, die als männlich gekleideter Soldat und vermeintlicher Erbe eines verfallenen Bauernhofes Teil einer abgeschiedenen Dorfgemeinschaft wird. Und sie spielt zum Niederknien.
Markus Schleinzers Drehbuch ist inspiriert von dokumentierten Berichten über als Männer verkleidete Frauen, vor allem von Catharina Margaretha Linck (1687–1721), die im heutigen Sachsen-Anhalt wegen Unzucht mit einer anderen Frau hingerichtet wurde.
Auch Rose bekommt eine Ehepartnerin: die Großbauerstochter Suzanna, Teil eines Deals um ein Stück Land, das Rose zum erfolgreichen Wiederaufbau der heruntergekommenen Landwirtschaft – “Erbe” eines im 30-jährigen Krieg gefallenen Mitstreiters – benötigt. Die Ehe wird nach der Hochzeit zunächst nicht vollzogen, Rose begründet dies mit der Reinheit Suzannas, die noch nicht getrübt werden solle. Suzanna ist unglücklich darüber und ihr Vater macht Druck. Rose behilft sich mit umgeschnalltem Ersatzpenis beim Sex in Hundestellung. Und siehe da – Suzanna wird schwanger – wodurch, bleibt offen – und danach glückliche Mutter.
Der Identitätswechsel fliegt auf, als Rose beim Imkern mehrfach gestochen wird und danach ohnmächtig und krank. Die bisher ahnungslose Suzanna und eine Magd entdecken nach dem Ausziehen der Tarn-Hose ein “Weibs-Bild”. Rose gesteht Suzanne ihren Betrug, der letztlich eine Win-win-Situation für alle Beteiligten war, diese verharrt als absehbar zu bestrafende Ehebrecherin in ihrer Rolle.
Anders die empörte Magd. Sie setzt das Rad der Inquisition einer rigiden Gesellschaft in Gang, in der sich Frauen in eine gottgewollte Unterordnung zu fügen haben und jeder Verstoß dagegen brutal geahndet wird. Warum sie sich das Mannsein angemaßt habe, wird Rose vor Gericht gefragt. „In der Hose war mehr Freiheit und es ist ja nur ein Stück Stoff. Da bin ich in die Hose“, antwortet sie sich am Ende.
Was den österreichischen Auslandsoscar-Kandidaten neben den schauspielerischen Leistungen so sehenswert macht, ist die altertümelnd-poetische Sprache – oft aus dem Off -, die eindringlichen Musik der norwegisch-irischen Singer-Songwriterin Tara Nome Doyle, die eindrucksvollen Schwarzweiß-Bildkompositionen und der emanzipatorische Inhalt. Große Empfehlung!