Für jemanden wie mich, der während des Germanistikstudiums in Graz immer wieder fasziniert von Texten Ingeborg Bachmanns war und ihre gesammelten Gedichte sogar mit auf Rucksackurlaube nahm, ist dieser Film ein Must-see. Und die deutsche Dokumentarfilmerin Regina Schilling schuf eine Collage mit frühen Film- und Tonaufnahmen der 1926 geborenen Dichterin, mit Auszügen aus ihren Werken und (tlw. posthum veröffentlichten) Briefen, mit Interviews der Bachmann, Auftritten u.a. als junge Inge bei der postfaschistischen und zugleich männerdominierten Gruppe 47 oder als mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden Geehrte (“Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar”) – und mit Sandra Hüller als Bachmann-Lookalike mit blonder Perücke in einer Wohnung in Rom.
Diese kluge, sprachmächtige Poetin, erst schüchterne Ex-Provinzlerin, später eine vom Leben und von der Liebe Malträtierte lässt mich nicht kalt und bleibt mir zugleich sehr fremd. Mag sein, dass ich als Mann, als “Ungeheuer mit dem Namen” Robert, manches nicht so recht nachvollziehen kann von ihrer Verwundbarkeit.
Etwas aufgesetzt kommt mir im Film das So-tun-Als-ob der großartigen Schauspielerin Sandra Hüller vor. Ziel war es offenbar, einen Tag gegen Ende von Bachmanns Leben in Räumen filmisch zu imaginieren, die der letzten Wohnung der Dichterin gleichen, und dabei auch die Stadt Rom einzubeziehen.
Die damals tabletten- und alkoholsüchtige Dichterin verbrannte sich an meinem 14. Geburtstag, in der Nacht vom 25. auf den 26. September 1973, im Bett mit einer Zigarette. Dem setzt Renate Schilling am Ende ihrer Doku Bachmanns Festhalten an der Hoffnung entgegen. In einem Fernsehinterview von 1972 wird sie auf mögliche Resignation angesprochen; Bachmann weist diese jedoch von sich. Sie halte – wie sie sagt – an dem Glauben an eine Utopie auch wider besseres Wissen fest. Das unterstreicht das abschließende Zitat aus ihrem “Todesarten”-Roman “Malina” über die Frage, wie denn ihre zukünftige Welt aussehe. „Ein Tag wird kommen, an dem die Menschen schwarzgoldene Augen haben, sie werden die Schönheit sehen, die sie jetzt nicht sehen, weil sie blind sind, und sie werden die Wahrheit hören, die sie jetzt nicht hören, weil sie taub sind, und sie werden den Duft der Welt riechen, den sie jetzt nicht riechen, weil sie stumm sind. Ein Tag wird kommen, sie werden frei sein, es werden alle Menschen frei sein, auch von der Freiheit, die sie gemeint haben.“
Gut gesagt, Ingeborg. Den Film muss man nicht gesehen haben, aber ohne die Gedichte, die Erzählungen der Bachmann wäre das Leben eines/r literarisch Interessierten ärmer.