

Auch wer – so wie ich – seit 40 Jahren im Raum Wien lebt, lernt über diese einst bedeutende Hauptstadt eines Weltreiches nicht aus. Zum Beispiel das im Oktober 1888 mit Grillparzers Esther und Schillers Wallensteins Lager eröffnete k. k. Hofburgtheater am Ring gegenüber dem Rathaus. In den beiden Jahren davor gestalteten Gustav Klimt, dessen Bruder Ernst und Franz Matsch die Deckengemälde in den beiden Stiegenhäusern des im Historismus errichteten Baus von Gottfried Semper und Karl von Hasenauer. Der später weltberühmte Jugendstil-Maler stand damals am Beginn seiner Karriere, war zu Beginn der Arbeiten erst 24, sein früh verstorbener, ebenfalls künstlerisch hochbegabter Bruder gar erst 22. Franz Matsch war ihr Kollege an der gemeinsam besuchten Kunstgewerbeschule (heute. Angewandte) in Wien, gemeinsam nannten sie sich “Künstlerkompanie”.
Die drei davor schon für Aufträge in Rijeka und Karlsbad kooperierenden Künstler schufen insgesamt zehn großartige Gemälde – die den Besuchern der “Burg” heute meist entgehen. Denn sie befinden sich in luftiger Höhe nicht im Bereich des Haupteingangs des Theaters, sondern über den beiden seitlich gelegenen Logenstiegen: Die damals Franz Joseph I. vorbehaltene Kaiserstiege liegt im Trakt, der dem Volksgarten zugewandt ist, die Erzherzogstiege in jenem in Richtung Café Landtmann. Und Letztere ist aktuell wegen Renovierungen eingerüstet. Das öffnet ein Zeitfenster, in dem die Arbeiten der Klimts aus nächster Nähe betrachtet werden können.




Und das lohnt sich: Für die Erzherzogstiege schuf Gustav Klimt eine Szenerie des Antiken Theaters Taormina auf Sizilien (Bild 4), für die Kaiserstiege das Londoner Globe Theatre und die Schlussszene aus Romeo und Julia. Über dem Eingang zum Zuschauerraum ist Der Eingebildete Kranke Molières zu entdecken. Auf dem Bild Shakespeares Globetheater sind alle drei Künstler als Theaterbesucher verewigt, es zeigt somit auch das einzige gemalte Selbstportrait von Gustav Klimt. Zu sehen sind die drei auch auf einem der erst viel später entdeckten „Klimt-Kartons“ (Bild 3), Entwurfskizzen der Originale, im Angelika Prokopp Foyer bzw. Klimtraum.
Die “Künstlerkompanie” verewigte sich später auch im Kunsthistorischen Museum. Die Klimts und Matsch schufen 1891 “Zwickel- und Intercolummnibilder” über die großen Epochen der Kunstgeschichte für Flächen, die zwischen den Bögen und Säulen im großartigen Stiegenhaus des Museums frei geblieben waren. Diese Arbeiten waren das letzte bedeutende Werk der Künstlerkompanie. Nach dem Tod von Bruder Ernst, 1892, beendete der darüber tief erschütterte Gustav Klimt die Zusammenarbeit mit Matsch.
Jetzt heißt es schnell sein: Die Führungen im Burgtheater enden mit August!