Was für ein Kontrast zum davor gelesenen Nabokov-Roman “Lolita”, an dem ich fast einen Monat lang las. Manche Sätze dreimal, manches musste ich nachschlagen, anderes fand ich ermüdend. Nichts davon bei Liz Browns Pageturner “Der andere Arthur”: kurze Sätze, keine kulturhistorischen Querverweise, keine gewagten Sprachbilder und Vergleiche. Dafür zwei höchst unterschiedliche Arthurs als Protagonisten, verbunden durch Charlotte – des einen Jugendfreundin, des anderen (Alkohol)kranke Mutter. Der 59-jährige, fettleibige Literaturdozent Arthur Opp hat sein Haus seit zehn Jahren nicht verlassen, ist voll Erdnussbutter, aber auch voll Scham – und Mitleid erweckend einsam, seit langem mit der Welt nur durch TV, Online-Bestellungen und seine Brieffreundschaft mit Charlotte Keller verbunden.
Die hat einen 17-jährigen Sohn, der eigentlich auch Arthur heißt, den aber alle nach seinem Vater “Kel” nennen. Und der muss früh Verantwortung übernehmen, denn seine Mutter ist arbeitslos, krank, verzweifelt und betäubt sich gerne mit Cuba libres u.a. Alkoholika. Ihr Sohn soll es einmal besser haben, so Charlottes Wunsch. Kels eigene Sehnsüchte – in der Elite-Highschool dazugehören, anerkannt werden, am besten als Baseballstar – haben demgegenüber Nachrang.
Die Bostoner Schriftstellerin Liz Moore lässt sich viel Zeit dabei, die Verbindung zwischen dem dicken und dem jungen Arthur herzustellen, gibt beiden abwechselnd Gelegenheit, ihre Lebenswelten und ihre Probleme damit darzulegen – auch wenn diese da meist gar nicht so genau hinschauen wollen und erst Anstöße durch zwei Engel in Gestalt junger Frauen brauchen. Und Moore tut das so einfühlsam und psychologisch überzeugend, dass ich ihr Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte und die 370 Seiten in vier Tagen inhalierte. Moores “Der Gott des Waldes” soll ebenso gut sein, wenn nicht besser, heißt es. Na dann.