Gemälde von Venedig, London, Dresden, Wien und Umgebung, die – obwohl entstanden im 18. Jahrhundert – wirken, als wären sie fotografiert. Und ganz falsch ist das bei den soeben im KHM präsentierten Arbeiten von Giovanni Antonio Canal (bekannt als Canaletto) und seinem Neffen Bernardo Bellotto (der sich oft ebenfalls Canaletto nannte) nicht. Denn die beiden Venezianer bedienten sich, wie schon Leonardo da Vinci 250 Jahre davor, der Camera obscura, um Stadtansichten möglichst wirklichkeitsgetreu abbilden zu können. Wobei sich Onkel und Neffe künstlerische Freiheiten herausnahmen und ihre meist von Adelshäusern beauftragten Bilder inszenierten bzw. idealisierend komponierten.
Für Wiener:innen spannend ist er jedenfalls, der Blick zurück auf eine Hauptstadt des Reiches von Maria Theresia, die noch mit einem Stadtmauer-Korsett versehen war und in der damals fast achtmal mehr Menschen wohnten als im heutigen 1. Bezirk: Es finden sich Ansichten von Freyung, Lobkowitzplatz, dem heutigen Seipel-Platz vor der Jesuitenkirche, Schönbrunn, der Blick von Schloss Belvedere hinunter auf die Innenstadt und mehrere Darstellungen des ebenfalls von Prinz Eugen ausgebauten Schlosses Hof im Weinviertel.

Bellotto trat als 14-Jähriger in die Werkstatt des damals schon bekannten Vedutenmalers Canaletto ein; die wirklichkeitsgetreue Darstellung einer Landschaft oder eines Stadtbildes galt damals als aufklärerischer Anspruch. Der Onkel ging nach London, der Neffe nach Dresden und Warschau, beide gerieten trotz ihrer künstlerischen Meisterschaft in finanzielle Nöte Bellotto trotz eines Empfehlungsschreibens Maria Theresias an ihre Cousine in München.
Durch die Möglichkeiten der modernen Fotografie wurde die Vedutenmalerei obsolet – nett anzusehen und historisch interessant, aber für mich kein Vergleich mit der späteren Eigenständigkeit eines/r Monet, Nolde oder Kollwitz. Und auch nicht so ergiebig wie die KHM-Sonderausstellung davor über die Barockmalerin Michaelina Wautier.