“Ferdinand Georg Waldmüller. Nach der Natur gemalt”, Unteres Belvedere, 26.3.2026 ****

Kurz vor dem Besuch des nächsten fotorealistischen Malers telefonierte ich mit meiner Freundin Gaby. Mit Ferdinand Georg Waldmüller sei sie verwandt, viele ihrer Verwandten hießen auch so. “Und der hat nicht nur Landschaften gemalt, sondern auch – was damals eine Provokation war – das oft schwere Leben der einfachen Leute”, erzählte sie. Das sei im Biedermeier von vielen nicht goutiert worden.
Nun ja, von Sozialkritik war bei der Ausstellung im Belvedere nicht viel zu bemerken. Am ehesten noch beim Gemälde “Reisigsammeln im Wienerwald”, auf dem zu sehen ist, dass eine alte Frau unter der Last der Hölzer zu Boden sinkt und ein Mädchen ihr zu Hilfe kommt – inmitten einer idyllischen Natur. Letztere stellt Waldmüller auch in seinen vielen Bildern vom Prater, vom Salzkammergut rund um Bad Ischl, im Gasteinertal und auch nach Studienreisen nach Sizilien in den Mittelpunkt seiner beachtlichen Kunstfertigkeit. Auch Landschaften von Waldmüller-Zeitgenossen wie John Constable und Jean-Baptiste Camille Corot bereichern die Schau.

Naturidylle oder doch auch ein wenig Sozialkritik (Mädchen hilft Greisin)?

Dann gibt’s noch Porträts von Adeligen – offenbar eine erforderliche Einnahmenquelle in einer Zeit, da Künstler noch nicht so hofiert wurden wie heute, sondern Dienstleister waren.
“Er war einer der großen Repräsentanten der Wirklichkeitsschilderung”, heißt es im Wikipedia-Eintrag über Waldmüller. Die Wirklichkeit der Repression im Wiener Vormärz findet sich in seinen Bildern aber kaum.

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