Mehr Frauenbuch geht fast nicht: Wie auch sonst bei einem Roman namens “Der Sommer ohne Männer” mit der feministisch ausgerichteten Literatin Mia als Hauptfigur, die eine Krise samt Zusammenbruch erlebt, als ihr Gatte Boris nach langjähriger Ehe eine “Pause” in Form seiner deutlich jüngeren Assistentin einlegt. Mia flieht in die Lebenswelt ihrer rüstigen 90-jährigen Mutter und deren ähnlich alte, gebrechlichere Freundinnen (“Schwäne”). Sie freundet sich mit einer jungen Nachbarin mit Kleinkindern an, deren Mann zu verbaler Gewalt neigt, berät sich mit der Tochter über den Umgang mit dem fremdgehenden Boris – und hält einen literarischen Sommerkurs mit sieben teilnehmenden Teenagern. Unter diesen Girlies kommt es zu einem Fall von Mobbing, den Mia behutsam anspricht und aufarbeitet.
Gegen Ende sieht Boris seinen Fehltritt ein, bereut und folgt Mias Aufforderung, sie zu umwerben.
Das ist überschaubar wenig Handlung, aber es gibt viel Reflexion der US-Autorin mit norwegischen Wurzeln über weibliche Beziehungskonstellationen, über das Altwerden, Nachdenken der Autorin Mia (=Hustvedt?) über das Schreiben und Sarkasmus über das angeblich kleinere, weniger leistungsfähige Gehirn von Frauen. (Da kennt sich Hustvedt als Neurologie-Autodidaktin bestens aus.) Das alles plätschert ein wenig dahin, die wohltuende Selbstironie änderte nichts daran, dass ich nicht so richtig Feuer fing und beim abendlichen Lesen bald müde wurde. Daran ändern auch wertvolle Gedanken wie jener, dass Tote beim Begräbnis oft von Lügen umwickelt werden, nicht.
Zuletzt schrieb Siri Hustvedt “ein hinreißend gefühlvolles und kluges Buch” über ihren an Lungenkrebs verstorbenen Mann Paul Auster”, wie meine Freundin und Buchautorin Johanna Grillmayer soeben in ihrer “Presse”-Rezension schrieb. Das würde mich wohl mehr fesseln. War aber nicht in Griffweite.