Die Titelzeile könnte auch lauten: Claire Morgan, The Price of Salt, 1952, denn Highsmith veröffentlichte den Roman lange vor der deutschen Übersetzung unter einem Pseudonym. Was mit dem Inhalt zu tun hat. Es geht nämlich um eine lesbische Liebesbeziehung, die – anders als in den prüden 1950ern üblich – nicht mit Selbstmord oder „Bekehrung“ der „Perversen“ endete. Die US-amerikanische Autorin war selbst homosexuell liebend, was ich, obwohl von ihren Ripley-Krimis sehr angetan, nicht wusste.
Die Titelfigur ist Carol Aird – eine unglücklich verheiratete, wohlhabende 32-jährige Frau und Mutter. Eigentliche Heldin des Romans und Alter Ego der Autorin ist aber die erst 19-jährige Therese Belivet, die ohne verliebt zu sein verlobt ist, Bühnenbildnerin werden möchte und als Teilzeitverkäuferin arbeitet. Therese ist vom ersten Augenblick an von Carol fasziniert, auch diese sucht rasch den Kontakt zu der viel jüngeren und lädt sie zu einer mehrwöchigen Fahrt durch die USA ein, die das Leben beider grundlegend ändern wird.
Das Buch wurde millionenfach verkauft und „Claire Morgan“ erhielt sehr viele zustimmende Leserbriefe von Betroffenen. „Nie wieder schrieb Patricia Highsmith, die den Roman unter dem Eindruck einer persönlichen Begegnung begann, so sinnlich, so poetisch, so erotisch“, teilt der Diogenes-Verlag zu „Carol“ mit. Nun ja, die Erotik ist nie explizit, stets nur angedeutet, und die fünf Ripley-Romane haben mindestens ebenso viel literarische Qualität. Aber ich fand das Buch als Abendlektüre auf meiner Radtour durch Skandinavien sehr anregend (und hatte dabei immer die Gesichter von Cate Blanchet (Carol) und Rooney Mara (Theresia) aus der gelungenen Romanverfilmung von 2015 vor Augen – und ich nehme mit Genugtuung zur Kenntnis, dass sich die Einstellung gegenüber gleichgeschlechtlich Liebenden seit der Entstehung von „Carol“ doch deutlich zum Besseren gewandelt hat.