Ich wollte auf dem Rückweg von der Routineuntersuchung bei der Augenärztin eigentlich etwas anderes, zum am Folgetag beginnenden Radurlaub passendes sehen: Aber die Themenausstellung „Fernweh“ hatte die Albertina schon kurz davor abgesetzt. Stattdessen also Brigitte Kowanz, die Mauer-Preisträgerin, die ich als Kulturredakteur der Kathpress alljährlich unter den prominenten Ausgezeichneten im Namen des großen Kulturvermittlers Msgr. Otto Mauer erwähnt hatte.
Die Frage »Was ist Licht?« steht im Mittelpunkt des Schaffens von Kowanz. Ihre Antwort lautet: »Licht ist was man sieht« – ein Leitsatz, der auf das Paradoxon verweist, dass Licht zwar alles sichtbar macht, selbst normalerweise aber unsichtbar bleibt. Die gleichnamige Retrospektive führt durch das Werk einer bedeutendsten Gegenwartskünstlerin in Österreich.

Die gebogenen Neonröhren und Leuchtkörper sind nichts, was mein Auge auch nur annähernd so berührt wie die Skulpturen von Rodin, die Aquarelle von Nolde oder die Schattengesichter Caravaggios. Doch manches der Exponate ließ mich eben nicht unter-belichtet davorstehen.