für untauglich erklärt
ich sitze in einem raum mit ca. 30 anderen leuten. den kopf auf die hände gestützt warte ich jetzt schon fast eine stunde, dass mein name aufgerufen wird. ich muss an die schule denken. an der wand ein foto von thomas klestil, der vor ca. zwei monaten gestorben ist. bezeichnend für diese institution, dass es noch immer hängt.
es ist mittlerweile schon 11 am vormittag, und ich bin seit 6 Uhr hier in klagenfurt. am vortag noch extra angereist, um nicht zu spät zu kommen. vier der letzten 5 stunden verbrachte ich mit warten. gespräche mit den ärzten. und immer wieder warten. zwei alte kickerkollegen sind auch da. hätte nicht gedacht, dass die dasselbe problem wie ich haben. wir sprechen nur kurz miteinander, denn die stimmung ist gedrückt, und jeder von uns macht ein gesicht, als müsste er in den nächsten minuten sterben. man könnte glauben, man ist auf einer intensivstation. einer meiner kumpels hat schwere herzrhythmusstörungen, beim anderen sind kreuz und knie kaputt und er hat alle allergien, die bis heute bekannt sind.
dann meint eine ärztin, ich muss in einem jahr wiederkommen. ich war fertig: „aber warum? ich war doch schon zweimal hier“. – „Ja, aber der psychologe sagt, sie müssen wiederkommen.“ Ich entgegne, dass ich heute noch mit keinem psychologen gesprochen habe. sie kontrolliert ihre unterlagen und meint, da ist ein fehler passiert, sie hat irrtümlich die unterlagen vom letzten besuch verwendet. ich werde sofort zum psychologen geschickt. was wäre passiert, wenn ich nichts gesagt hätte?
„T. in zimmer 8 bitte“. anspannung pur. ich spüre meinen herzschlag im hals. ich betrete den raum und ein mann um die 50 stellt mir einige kurze fragen. wie ich heiße, wann ich geboren bin usw… „aufgrund ihrer schwerwiegenden und seit mehreren jahren andauernden panikstörungen und phobien werden sie für den wehrdienst für untauglich erklärt…“
dann habe ich den bescheid in händen. endlich. ich fühle mich besser als bei meiner sponsion und nehme die urkunde wie einen pokal entgegen, verlasse das gebäude auf schnellstem weg, und schreie mir auf dem parkplatz meine freude aus dem leib. meine zwei kumpels haben es auch geschafft, und wir gehen noch einen trinken. das war einer der besten tage seit langem…
Tom, 29, Manager