Adventmail 2012/08 (Geburt)

Nein, der heutige katholische Feiertag Mariä Empfängnis erinnert nicht an die „Überschattung“ Marias durch den Heiligen Geist, sondern meint, dass Maria frei von jeglichem Makel der Erbsünde empfangen wurde. Nach dem Protoevangelium des Jakobus konnten ihre Eltern Anna und Joachim lange Zeit keine Kinder bekommen – eine häufige Konstellation vor einem helfenden Eingreifen Gottes. Joachim ging für 40 Tage in die Wüste zum Fasten und Beten. Ein Engel kündigte ihm dabei die bevorstehende Erfüllung des Kinderwunsches an. Freudig lief er nach Jerusalem zurück und traf seine Anna vor dem Tempel, an der “Goldenen Pforte”. Beide umarmen sich – und dieser Moment wird als “Mariä Empfängnis” bezeichnet.
Im Unterschied zur Jungfrauengeburt wurde Mariä Empfängnis erst deutlich später – im Zuge immer ausgeprägterer Marienverehrung – offizielles Glaubensgut. Meine als Grazer Theologiestudent schon in der Diplomarbeit (siehe Adventmail 6) dazu formulierte religionspsychologische These: Das männlich dominierte und verkürzte, strenge, unnahbare Gottesbild der christlichen Dogmatik bedurfte einer weiblichen Ergänzung durch eine „vergöttlichte“ milde Fürsprecherin Maria.
In diesem Sinn agierte auch der Grazer Habsburger-Kaiser Ferdinand III.: Nachdem Wien während des Dreißigjährigen Kriegs von Fremdherrschaft verschont blieb, kürte er Maria zur Schutzheiligen Österreichs und führte Mariä Empfängnis am 8. Dezember 1647 als Feiertag in der Monarchie ein.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *