Adventmail 2012/07 (Geburt)

Nach dem Ende meiner Post-Graduate-Ausbildung in Integrativer Gestalttherapie habe ich an einem Rebirthing-Seminar teilgenommen. Bzw. eigentlich nicht Rebirthing, sondern es ging um eine Seminarreihe über Transpersonale Psychotherapie, bei der die Teilnehmenden mittels „holotropem Atmen“ einen direkteren Zugang zum eigenen Unbewussten suchten.
Das klingt komplizierter, als es ist. Zu lauter, rhythmischer Musik atmen die auf einer Matratze Liegenden und von einer zweiten Person Betreuten immer schneller – bis zur Hyperventilation, und geraten in eine Art Trancezustand, in dem innere (archetypische?) Bilder und Erinnerungen emotional und auch körperlich intensiv erfahrbar werden. Zum Beispiel die eigene Geburt, heißt es.
Das Ganze ist nun rund 20 Jahre her, aber ich erinnere mich daran, dass ich an einen Punkt geriet, an dem ich Widerstand mit dem Kopf suchte und mich dann etliche Minuten an einer aufgestellten Matratze „abarbeitete“. Danach war ich erschöpft, der Nacken tat mir weh, und bei der Nachbesprechung lag die Vermutung nahe, bei meiner Geburt habe es eine Phase des Stockens gegeben, bei der eine Zeitlang nichts weiterging.
Ich befragte meine Mutter nach ihren damaligen Erinnerungen im Spital von Bruck. Es war eine leichte und unkomplizierte Entbindung, meinte sie. Und nein, eine Phase des Stockens gab es nicht.
Im Rückblick kommt mir das holotrope Atmen wie ein psychotherapeutisches „Feuerwerk“ vor, dessen staunenswerte Inszenierung und Effekte jedoch eine recht geringe Halbwertszeit haben. Aber auch gegenüber jahrelangem Liegen auf der Analysecouch bin ich skeptisch. Die besten Erfahrungen bei Seelenheilung und -pflege habe ich mit der Imago-Therapie gemacht, bei der für jedeN ein „Schutzraum“ geschaffen wird, in dem … aber das ist eine andere Geschichte.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *