Geburt heißt Anfang. Und mit dem heutigen ersten Adventsonntag, nicht mit dem 1. Jänner, beginnt das (lateinische) Kirchenjahr. Der Advent – die Zeit der “Ankunft” -endet wiederum mit einer Geburt, jener im Stall von Bethlehem.
Falls es dazu kommt. Denn Panikmachesoteriker wollen uns weismachen, dass der Welt am 21.12.2012 die Apokalypse droht. Ich bin ziemlich sicher, dass es in drei Wochen so wie bei ähnlichen Prognosen wieder heißen wird: “Weltuntergang mangels an Beteiligung abgesagt”.
Wie auch immer: Anfang und Ende, Tod und Geburt, Untergang und Neubeginn hängen eng miteinander zusammen. Dass das (lateinische) Christentum den Beginn des Jahreszyklus in der dunklen Jahreszeit ansetzt und die Geburt des Erlösers kurz nach der längsten Nacht, am vormaligen Festtag des Sonnengottes Sol Invictus (25. Dezember), ist ungewöhnlich. Andere Religionen/Kulturen wie die alten Römer (1. März), die Bahai, Khmer, Tamilen und der thailändische Mondkalender beginnen das Jahr im Frühling, wenn die Natur neu erwacht.
Die orthodoxen Kirchen wiederum feiern Neujahr am 1. September, Kopten und Rastafari am 11. September, die französischen Revolutionäre mit dem Jahrestag ihrer Monarchieabschaffung am 22. September (1792), die Kelten am 31. Oktober. Ein variables Neujahrsfest haben Juden und Muslime.
Wie heißt es so schön in Hermann Hesses wunderbarem Gedicht “Stufen”:
“… Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe / bereit zum Abschied sein und Neubeginne, / um sich in Tapferkeit und ohne Trauern / in andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, / der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, / an keinem wie an einer Heimat hängen, / der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, / er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten…”