Adventmail 2011/07 (Drei Fragen an…)

3 Fragen an meine Freundin und „Mit-Cineastin“ (monatliche Kinorunde)…
MICHAELA, Theologin, Philosophin, PR-Beraterin, Autorin

1.) Mein Eindruck: Immer mehr Menschen werden angesichts der heutigen Krisen in Politik, Wirtschaft, Ökologie unzufrieden, doch den Eliten gelingt kein wirklicher Neubeginn. Muss erst alles den Bach runtergehen, bevor was Neues in Fluss kommt?
Die Eliten hinken den Veränderungen nach. Das klingt absurd, ist aber leicht erklärbar. Denn diejenigen, denen es mit dem Status Quo am besten geht, haben naturgemäß das geringste Interesse, die Situation zu verändern. Und sie haben – derzeit jedenfalls noch – auch die Macht, Veränderungen zu blockieren. Wer genau hinschaut, kann jedoch viele Zeichen und auch ganz konkrete Realisierungen von „Neubeginn“ und „Veränderung“ entdecken. Und das auf der ganzen Welt. Ich glaube, dass die Zeit für Systemveränderungen immer reifer wird und die Eliten mit ihrer Blockiererei auf Dauer nicht durchkommen werden. Ich glaube – und hoffe – jedoch nicht, dass es den einen ganz großen Knall geben wird. Das überkommene und zu verändernde „Alte“ wird jetzt schon schleichend durch bessere Alternativen ersetzt (ich denke da z.B. an fairen Handel www.fairtrade.at, gemeinschaftliche Wohnprojekte www.parq.at, kooperative Gemüseprojekte www.ochsenherz.at u.v.m.) und für vieles weitere gibt es sehr konkrete und realistische Vorschläge, was zu tun wäre, nicht zuletzt im Hinblick auf den Umgang mit der aktuellen Finanz- und Schuldenkrise – www.wege-aus-der-krise.at.
Irgendwann werden die vielen kleinen Projekte der Weltveränderung zum großen Umbruch führen – so jedenfalls meine Hoffnung, für die es zum Glück auch bei paar historische Bestätigungen gibt – und bis dahin heißt es für uns alle, den Eliten weiter hin und immer die Glaubwürdigkeit abzusprechen und zu entziehen und weiter an verschiedenen Veränderungsprojekten zu arbeiten, damit die kritische Masse, der kleine vielleicht alles entscheidende Tropfen … eher schneller als langsamer erreicht wird.

2.) Würde die Welt anders aussehen, wenn es mehr Frauen an der Macht gäbe?
Hier möchte ich – auch aus aktuellem und traurigem Anlass ihres Todes – die klugen Worte der von mir hochverehrten Christa Wolf zitieren:
„Ich behaupte nicht, Frauen seien von Natur aus mehr als Männer vor politischem Wahndenken, vor Wirklichkeitsflucht gefeit. Nur: Eine bestimmte geschichtliche Phase hat ihnen die Voraussetzungen gegeben, einen Lebensanspruch für Männer mit auszudrücken … Wir werden uns daran gewöhnen müssen, daß Frauen nicht mehr nur nach Gleichberechtigung, sondern nach neuen Lebensformen suchen. Vernunft, Sinnlichkeit, Glückssehnsucht setzen sie dem bloßen Nützlichkeitsdenken und Pragmatismus entgegen – jener ‚Ratio‘, die sich selbst betrügt: Als könne eine Menschheit zugleich wachsende Anteile ihres Reichtums für Massenvernichtungsmittel ausgeben und ‚glücklich‘ sein; als könne es ’normale‘ Beziehungen unter Menschen irgendwo auf der Welt geben, solange eine Hälfte der Menschheit unterernährt ist oder Hungers stirbt. Das sind Wahnideen. Es kommt mir vor, daß Frauen, denen ihr neu und mühsam erworbener Realitätsbezug kostbar ist, gegen solchen Wahn eher immun sind als Männer. Und daß die produktive Energie dieser Frauen deshalb eine Hoffnung ist.“

3.) Michaela, du stehst für Organisationen wie Armutskonferenz und Schuldnerberatungen, bist als EAPN-Vizepräsidentin ständig in Europa unterwegs, hältst Vorträge und schreibst Artikel über gutes Leben… Damit du letzteres auch selbst ausreichend hast: Wo sind deine Erholungsoasen?
Mein wichtigstes und liebstes „Erholungsprogramm“ ist das Kochen. Ich liebe alles daran: Das Rezepte aussuchen oder ausdenken, das Einkaufen gehen, das Schneiden und Rühren und Schnuppern und Brutzeln – und natürlich auch das Essen. Kochen ist entspannend und anregend, sinnlich und kreativ – und es ist DIE Tätigkeit in meinem Leben, auf die ich am wenigsten verzichten könnte und möchte. Beim Kochen lassen sich ferne Länder, bis dato unbekannte Geschmäcker und Gerüche und damit auch neue Welten entdecken, wildes Experimentieren ist genauso möglich wie das Eintauchen in Kindheitserinnerungen und Altbewährtes.
Und weil immer mehr meine FreundInnen wissen woll(t)en, was ich grade koche und WIE das geht, hab ich unlängst einen kleinen Kochblog zu befüllen begonnen: http://michaelakocht.tumblr.com/

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