Adventmail 2009/13 (Was geschah am … Dezember?)

Am 13. Dezember …
… 1294 trat Pietro del Murrone als Papst Coelestin V. ab. Der damals schon greise Mystiker blieb (leider) der einzige Papst der Kirchengeschichte, der sein Amt aus eigenem Antrieb zurücklegte.
Und das kam so: Nach dem Tod von Papst Nikolaus IV. 1292 blieb der Stuhl Petri zwei Jahre lang verwaist. Gründe waren die Pestepidemie in Rom sowie ein Tauziehen zweier verfeindeter Adelsfamilien um das höchste Amt in der Kirche. Karl II. von Anjou, der König von Neapel, brachte den bald 80-jährigen Einsiedler und Ordensgründer Pietro als Kompromisskandidaten ins Spiel – erfolgreich.
Als ihm die Botschaft von seiner Wahl im Konklave überbracht wurde, verweigerte sich Pietro zunächst und floh. Er ließ sich dann aber umstimmen und trat das Papstamt schweren Herzens an. Nach dem Vorbild Christi ritt er auf einem Esel in (das heute erdbebenzerstörte) L’Aquila ein (Rom hat er nie betreten), nahm den Namen Coelestin V. an und wurde in der von ihm gegründeten, architektonisch bemerkenswerten Kirche Santa Maria di Collemaggio in den Abruzzen gekrönt.
Ein Fehler, wie er bald merkte. Pietro war Spross einer Bauernfamilie mit zwölf Kindern und als solcher wenig gebildet. Er wurde Benediktiner und entsagte als Einsiedler der Geschäftigkeit der Welt. Sein Ruf der Heiligkeit zog Nachfolger an, die sich ebenfalls als Eremiten in der Umgebung ansiedelten. Für sie gründete er eine Kongregation mit verschärfter Benediktinerregel: die „Einsiedler des heiligen Damian“, später „Cölestiner“. All den Intrigen und Einflüstereien rund um das Papstamt war Pietro in keiner Weise gewachsen. Und er war bescheiden und weise genug, die Konsequenzen zu ziehen und am 13. Dezember, nach nur dreieinhalb Monaten im Amt, abzudanken. Als Gründe nannte Pietro Krankheit, Unwissenheit, Überforderung mit der Verwaltung der Kurie und den Wunsch, wieder als Einsiedler zu leben.
Sein Nachfolger wurde der machtpolitisch versierte, hochintelligente und hochmütige Benedetto Caetani, der als Papst Bonifatius VIII. auf Nummer sicher ging und Pietro in Ehrenhaft nehmen ließ, um eine Kirchenspaltung zu verhindern. Pietro wurde erst in Anagni, dann ab August 1295 im Castello di Fumone bei Rom festgehalten und starb im Mai 1296 eines natürlichen Todes.
Schon 1313, zehn Jahre nach dem Tod von Bonifatius VIII., wurde Pietro del Murrone von Papst Clemens V. heiliggesprochen.

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