Adventmail 2009/07 (Was geschah am … Dezember?)

Am 7. Dezember …
… 1970 wurde deutlich, dass große Politik manchmal große Gesten verlangt: Es war der Tag der Unterzeichnung des Warschauer Vertrages, der die nicht erst seit dem Zweiten Weltkrieg gespannten Beziehungen zwischen Deutschland und Polen normalisieren sollte. Und es war der Tag, an dem Willy Brandt vor dem Mahnmal des Warschauer Ghettos niederkniete.
Der deutsche Bundeskanzler legte zunächst einen Kranz nieder, richtete die Schleife und beugte beide Knie. Er verharrte einige Sekunden schweigend, stand auf und ging an der Spitze seiner Delegation weg.
Die ehrfürchtige Handlung Brandts war für die Anwesenden und die Öffentlichkeit überraschend. International trug diese Geste der Versöhnungsbereitschaft wesentlich zum Ansehen der Bundesrepublik und ihrer politischen Führung bei. Im Jahre darauf erhielt Brandt für deine Ostpolitik den Friedensnobelpreis.
In Deutschland freilich fand der „Kniefall“ des Kanzlers vor dem Warschauer Pakt, wie es seitens der konservativen Opposition und Presse hieß, nicht nur Zustimmung. Einer „Spiegel“-Umfrage zufolge fanden damals 48 Prozent der Westdeutschen den Kniefall übertrieben, 41 Prozent angemessen, 11 Prozent hatten keine Meinung dazu. Im Rückblick ist man sich einig, dass die Geste eine wichtige Rolle bei der Entspannung zwischen den Militärblöcken spielte.
Mehrfach wurde darüber spekuliert, ob Brandt spontan gehandelt habe oder ob das Hinknien ein geplanter symbolischer Akt gewesen sei. Ex-Bundesminister und Kanzler-Berater Egon Bahr berichtete in Interviews, dass Brandt am Abend des 7. Dezembers über seinen Kniefall gesagt habe: „Ich hatte plötzlich das Gefühl, stehen reicht nicht!“

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