Adventmail 2009/05 (Was geschah am … Dezember?)

Am 5. Dezember …
… 63 v. Chr. hieß es nicht „Quo usque tandem abutere, Catilina, patientia nostra?“ (Wie lange noch, Catilina, wirst du unsere Geduld missbrauchen?). Denn so begann die erste der vier Reden gegen den Verschwörer Catilina, die der römische Philosoph, Schriftsteller und Konsul Marcus Tullius Crampus Cicero vor dem Senat bzw. vor dem Volk hielt. Die letzte, für die verhängte Todesstrafe entscheidende, hielt Cicero fast einen Monat nach der ersten, eben am 5. Dezember.
Ich mochte Latein gar nicht ungern, ehrlich. Obwohl ich in der 6. Klasse AHS deswegen durchgefallen bin. Doch das lag eher am Lateinlehrer, der lieber über seine Militärerlebnisse erzählte als über Caesar, Vergil und Ovid. Was – begünstigt durch meine Faulheit – dazu führte, dass ich bei der Wiederholungsprüfung nach vier Jahren Latein nicht einmal wusste, was ein AcI ist.
So mühselig ich das Erlernen der viel zu vielen Konjugationen, Deklinationen, Kasus und Modi fand (so was wie http://www.youtube.com/watch?v=eaCfxvRtjhk gab’s damals noch nicht), so spannend war andererseits die altrömische Geschichte und Mythologie. Einmal fiel meiner überaus kompetenten nächsten Lateinlehrerin der Name jenes römischen Volkshelden nicht ein, der seine Rechte ins Feuer hielt und damit dem Rom belagernden Etruskerkönig die Entschlossenheit zum Widerstand demonstrierte. „Das war Mucius Scaevola“, sagte ich stolz und bewirkte, dass die Frau Professor fortan großzügiger mit meinen Grammatikdefiziten umging.
Gut wurde ich in Latein nie. Erst in der Maturaklasse hatte ich (nicht zuletzt wegen einer bei einer Schularbeit vom „Schmierer“ abgeschriebenen Vergil-Übersetzung) keine Probleme mehr durchzukommen.
Aber ich habe mir viel gemerkt und kann Bildungsbürgersprüche wie „Audiatur et altera pars“, „Cui bono?“ oder „De gustibus non est disputandum“ korrekt und anlassgemäß verwenden. Ich habe sogar eine E-Mail-Adresse amaetfacquodvis@gmx.at und liebäugle immer noch ein wenig mit der Möglichkeit, mir das Irenäus-Zitat „Gloria Dei Homo Vivens“ als Inschrift auf dem Grabstein zu wünschen. Denn wäre es nicht geradezu subversiv, FriedhofbesucherInnen vor Augen zu halten, dass „die [größte] Ehre Gottes der lebendige Mensch“ ist?

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