Adventmail 2009/02 (Was geschah am … Dezember?)

Am 2. Dezember …
… wurde ein 18-jähriger Habsburger von einer Revolution (!) in Österreich (!!) auf den Thron gehievt und als Franz Joseph I. zum Kaiser gekrönt. Und das kam so: Nach dem Hungerwinter 1847/1848 fegte der Volksunmut am 13. März den rigiden Restaurationspolitiker Metternich von den Schalthebeln der Macht. Vor allem das Bürgertum wollte Mitbestimmung und Freiheit nicht nur in Krähwinkel. (Kaiser Ferdinand I. – ein Onkel Franz Josephs – sagte angeblich damals in nasalem Schönbrunnerdeutsch zu seinem Staatskanzler: „Was mach’n denn all die viel’n Leut‘ da? Die san so laut!“ Metternich darauf: „Die machen eine Revolution, Majestät.“ Des Kaisers konsternierte Rückfrage: „Ja, dürfen’s denn des?!“) Trotz vieler Zugeständnisse musste Ferdinand im Oktober 1948 samt seinem Hofstaat vor erneuten Wiener Unruhen nach Olmütz fliehen. Am 2. Dezember dankte der führungsschwache Kaiser zugunsten seines Neffen ab. Der wurde noch am selben Tag in Olmütz im kleinen Kreis gekrönt.
Ein neues Gesicht sollte die Donaumonarchie bewahren. Ob es wie bei vielen seiner Ahnen von „Progenie“ – einem zu großen, ausgeprägten Unterkiefer, bei dem die unteren Schneidezähne vor die oberen beißen (sog. „Habsburger-Kinn“) – geprägt war, entzieht sich meiner Kenntnis. Schon auf frühen Darstellungen trug Franz Joseph den für ihn typischen Backenbart.
Und immer zeigte er sich in der Uniform des obersten Kriegsherrn. Der erzkonservative „rothosige Leutnant“, wie seine Kritiker spöttelten, war am Beginn seiner Regierungszeit keineswegs die Vaterfigur der Phase vor dem Ersten Weltkrieg. Im Gegenteil: Er war unpopulär bis zur Verhasstheit, wurde mit dem repressiven Säbelregiment des Nachmärz assoziiert. Sein neoabsolutistischer Anspruch, ohne jedes Parlament zu regieren, erschien schon damals unzeitgemäß.
Erwin Ringel, der Analytiker der „österreichischen Seele“, sagte einmal über Kaiser Franz Joseph: „Der Mann wurde schon in der Kindheit durch seine Mutter und die Erziehung vernichtet, hat dann 68 Jahre regiert, (und) hat in dieser überlangen Zeit keine einzige konstruktive Idee gehabt…“ Der Kaiser war pessimistisch, durchdrungen von Pflichtbewusstsein und der gleichzeitigen Scheu vor Veränderungen oder gar Reformen. Die hätte vielleicht sein Sohn Kronprinz Rudolf in Angriff genommen. Doch der starb ebenso tragisch wie seine Mutter Sisi. Als ihm 1898 die Nachricht vom Attentat in Genf überbracht wurde, soll Franz Joseph geseufzt haben: „Mir bleibt auch nichts erspart!“

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