Mein Gott, werden sich vielleicht einige von Euch denken, wenn Sie dieses Kästchen lesen, hat’s der alte Depp jetzt nötig, sich für Damenunterwäsche zu interessieren, wenn er über „Victoria’s Secret“ fabuliert?! Dazu erstens: Ich richtete mein Augenmerk schon in jüngeren Jahren (z.B. im Quelle-Katalog) gerne mal auf Dessous, und zweitens war und ist mein Interesse natürlich rein akademisch.
Der ehemalige Hamburger Museumsdirektor Torkild Hinrichsen z.B. gab einen Sammelband über die Kulturgeschichte der Unterwäsche mit dem reiz(wäsche)vollen Titel „Leibhaftig – Doppelripp und Spitzentraum“ heraus. Das Buch behandelt die „verborgenen“ Dinge, die der Mensch morgens als Erstes anzieht und abends als Letztes ablegt. Und das im Wandel der Zeit mit ihren Hüftpolstern, Korsagen, Wonderbras und Stringtangas. Um den Blick auf das Darunter nicht zu ernst ausfallen zu lassen, sind die zahlreichen Illustrationen mit augenzwinkernden Comics, Cartoons und Postkarten zum Thema aufgelockert.
Die Bandbreite des möglichen Untendrunter ist enorm: Sie reicht vom alljährlich präsentierten „Fantasy Bra“, einem juwelenbesetzten BH als dem Höhepunkt der jährlichen „Victoria’s Secret Fashion Show“ (das 15 Millionen Dollar teure Exemplar aus dem Jahr 2000, getragen von Gisele Bündchen, ist im Guinness-Buch der Rekorde als teuerstes Wäscheteil ever verzeichnet), bis hin zum „Liebestöter“. Darunter versteht man Kleidungsstücke, die sich negativ auf die erotische Anziehung auswirken – ursprünglich lange Männerunterhosen.
Und dabei muss ich an die Geschichte denken, die mir mein Bruder mal über einen steirischen Landespolitiker erzählte. Der hatte bei einem vulkanausbruchbedingt zwangsverlängerten Arbeitsaufenthalt in Irland in wohl guinessgeschwängerter Atmosphäre etwas verkündet, was wirklich keiner hören wollte: „Samma uns ehrlich: Wer wechselt wirkli jedn Tog sei Unterhosn…?!“