Zu meinen liebsten Gelegenheiten, die Redaktion zu verlassen, gehören Besuche in Museen. Im Herbst hat sich das umgebaute Wiener Dommuseum bestens in die reichhaltige Wiener Museumslandschaft eingefügt, die erste Sonderausstellung nach fünfjähriger Schließungszeit heißt „Bilder der Sprache und Sprache der Bilder“. Darin wird auch Bezug genommen auf das Faible von Rudolf IV. dem „Stifter“ (1339-1365) für Geheimschriften: Ein kleiner Raum des 1.200 Quadratmeter großen Museums mit Blick auf den von Rudolf initiierten Stephansdom ist voll mit rätselhaften „Hieroglyphen“ des selbsternannten Habsburger-Erzherzogs. Das „Alphabetum Kaldeorum“ wurde zu einem im Mittelalter beliebten Geheim-Alphabet zur Verschlüsselung diplomatischer Korrespondenz, als Urheber wird Rudolf persönlich vermutet. Zu dechiffrieren sind die an die lateinischen Buchstaben angelehnten Zeichen nicht sonderlich schwer, es geht ähnlich wie durch Zahlen wiedergegebene Buchstaben unseres Alphabets: Hat man erst einmal das „E“ als häufigsten Buchstaben, kann man auch auf die restlichen schließen. Diese Spintisiererei des schon als Teenager auf den Herzogstuhl gelangten Rudolf war ihm offenbar so lieb, dass sie sich auch auf dem Scheingrab („Kenotaph“) Rudolfs im Stephansdom findet. Die dortige Inschrift gibt den Namen und Titel des bereits 25-jährig verstorbenen Herzogs wieder.
Eine andere Geheimschrift mit Bezug zu den Habsburgern ist das „Voynich-Manuskript“, ein Schriftstück, das sich einmal im Besitz des Kaisers Rudolf II. (1552-1612) befand, 1912 vom amerikanischen Büchersammler Wilfrid Michael Voynich erworben wurde und jetzt zu den Beständen der Yale University gehört. Fachleute datieren die Handschrift aufgrund von Materialanalysen auf etwa 1500 n.Chr., über den Inhalt weiß man bis heute nichts: Das Manuskript ist in einer bisher nicht identifizierten Schrift und Sprache geschrieben. Ja, es ist nach wie vor unklar, ob der Text überhaupt einen Sinn ergibt. Ehrgeizige Geheimnislüfter und Rätselköniginnen vor – auf nach Yale!
Geheimtipp Claudia ME.:
„unverblümt LOK. Non Profit. Blumen und Accessoires“ ist ein besonderes Blumengeschäft und zugleich ein Beschäftigungsprojekt für Menschen, die aufgrund psychischer Probleme derzeit am ersten Arbeitsmarkt nicht Fuß fassen können. Man bekommt dort sehr schöne Sträuße und Gestecke, zum Teil aus Fairtrade- und Bioblumen, Topfpflanzen, Kräuter und Gemüsepflanzen, außerdem Dekorationsobjekte und Geschenkartikel aus eigener Produktion und aus anderen Sozialprojekten. Die Einnahmen kommen zur Gänze dem Projekt und seinen betreuten MitarbeiterInnen zugute.
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