Adventmail 2017/08 (Thema Geheimnisse)

Das könnte heute nicht mehr so leicht passieren: ein Streit zwischen dem Papst und dem Bettelorden der Franziskaner, der tödliche Folgen hat. Der große Wissenschaftler und pointierte Erzähler – eine wahrhaft seltene Kombination! – Umberto Eco siedelt seinen philosophischen Mittelalter-Krimi „Der Name der Rose“ just vor dem Hintergrund eines Konflikts um den Stellenwert der Armut bei der Nachfolge Christi an, der vor 700 Jahren tatsächlich schwelte.
Aber das ist längst nicht das einzige Thema von Ecos vielschichtigem Roman, der zu meinen Top-Five-Ever gehört. Im Mittelpunkt steht ein vom greisen Bibliothekarsmönch Jorge von Burgos gehütetes Geheimnis um das verschollene „Zweite Buch der Poetik“ des Aristoteles, in dem – nach der Tragödie im ersten Teil – die Komödie behandelt wird. Jorge hält die in diesem Buch vertretene positive Einstellung zur Freude und zum Lachen für gefährlich, subversiv und einem auf Gottesfurcht fußenden Glauben abträglich. „Die Komödien wurden geschrieben, um die Leute zum Lachen zu bringen, und das war schlecht“, so Jorge im Roman. „Unser Herr Jesus hat weder Komödien noch Fabeln erzählt, ausschließlich klare Gleichungen, die uns allegorisch lehren, wie wir ins Paradies gelangen, und so soll es bleiben.“
In der Bibel kommt tatsächlich keine einzige Stelle vor, in der Jesus gelacht hätte. Was er natürlich getan hat, so wie – ebenfalls unerwähnt – waschen, singen, schnäuzen, pinkeln.
Bereits zehn Jahre vor Eco schrieb der austro-amerikanische Religionssoziologe Peter L. Berger (den ich in der KHG Graz mal live erlebte) in „Auf den Spuren der Engel“ über Humor. Dieser sei ein Hinweis auf die Transzendenzfähigkeit des Menschen: Humor (er)schafft Alternativen zum banal Realen, zum Unerträglichen, gibt das vermeintlich Unverrückbare der Lächerlichkeit preis, transzendiert somit Wirklichkeit.

Ein (zu Unrecht?) seltener Anblick: lachender Jesus

Umberto Eco lässt Jorge die Klosterbibliothek anzünden, damit die „Komödie“ des antiken Philosophen nicht in falsche Hände gerate und Wirkung entfalte. Dabei kommt er, wie ein Häretiker auf dem Scheiterhaufen, selbst in den Flammen ums Leben.
Wer’s noch nicht getan hat: „Der Name der Rose“ ist ein Must-Read!

Geheimtipp Norbert:
Mein Geheimtipp ist das Release des Songs „ENGELN“ vom 2018 erscheinenden Album “LOCKER UND LEICHT SCHWER”, ganz frisch auf YouTube gestellt. Der Song stammt von meinem Singer-Songwriter-Alter Ego „dog&SCHWOAZ“ (Hörproben: http://dog.schwoaz.com); Kontakt bzw. Newsletter: dog@schwoaz.com.

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