Adventmail 2017/05 (Thema Geheimnisse)

Meine Liebste und ich sind in einem Alter, wo wir ganz gerne gemeinsame Fernsehabende verbringen (eine Generationenfrage, für meine Söhne z.B. undenkbar). Wir stießen beim Herumsuchen auf die 2013 mit einem Oscar ausgezeichnete Filmdoku „Searching for Sugarman“, die uns begeisterte – und sich bestens für diese Adventreihe eignet. Denn der „Sugarman“, das ist der mexikanischstämmige US-Musiker Sixto Rodriguez, auf dessen vom Wind verwehte Spuren sich ab 1996 zwei Südafrikaner hefteten. Rodriguez hatte Anfang der 1970er in den USA zwei LPs veröffentlicht, die in seiner Heimat floppten, in Südafrika durch Raubkopien aber bald außerordentlich populär wurden, darunter auch der namensgebende Song „Sugarman“.
Die Recherche der beiden Südafrikaner über den in Vergessenheit geratenen Musiker geriet zu einer Art Rätselrallye, wie die spannende Doku zeigt. Aufgrund der damaligen Apartheid-Politik war ihr Land international isoliert, und über den nur unter seinem Nachnamen firmierenden Liedermacher war lange nichts zu erfahren. Es ging das Gerücht um, Rodriguez habe sich auf offener Bühne erschossen.
Der inzwischen als bescheidener Bauarbeiter Tätige erfuhr nichts von seinem Ruhm fernab der Heimat Detroit, da die Plattenfirma, die seinen Vertrag 1971 gekündigt hatte, ihm den Erfolg verschwieg. Auch in Australien war Rodriguez zum geheimnisumwitterten Star geworden. Eine seiner Töchter bemerkte die Suche nach Rodriguez per Internet und lüftete 1998 das Inkognito ihres Vaters – 27 Jahre nach dessen letzter Plattenaufnahme.
14 weitere Jahre später veröffentlichte der schwedische Regisseur Malik Bendjelloul „Searching for Sugarman“; darin kommt die Suche ebenso vor wie Rückblenden auf die Anfänge eines hochbegabten Songwriters, Interviews mit dem inzwischen abgeklärten Familienvater und das unglaubliche Comeback eines durch wunderbare Umstände wieder auf die Bühne zurückgekehrten Hobbymusikers, der viel zu weise für Eitelkeit oder gar Starallüren geworden war: Rodriguez gab noch 1998 sechs überaus erfolgreiche Konzerte in Südafrika, bis 2007 folgten weitere Konzertreisen nach Europa, Afrika und Australien.

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