Adventmail 2017/04 (Thema Geheimnisse)

Geheimnis des Glaubens“ – das sagt der Priester im Gottesdienst nach der Wandlung von Brot und Wein zu Leib und Blut Christi. Und die in der Kirche Versammelten antworten: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“
Diese Formel geht geübten Messbesuchern leicht von den Lippen. Und auch ich Gelegenheitskirchgänger reagiere ein bisschen wie der Pawlow’sche Hund auf die Einbegleitung des Priesters und schnurre den Satz korrekt herunter.
Jedoch: Verkünde ich Jesu Tod? Preise seine Auferstehung, in Erwartung einer augenöffnenden Wiederkunft? Nein, tu ich nicht. In den Kontexten, in denen ich mich üblicherweise bewege, erschiene mir das unpassend, ja geradezu peinlich. Darum wusste schon Paulus, als er im Korintherbrief davon schrieb, der öffentlich bekannte Glaube der Christen sei „den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit“.
Und ich denke, vielen Christen geht es so wie mir: Sie leben unbehelligt ihren Glauben (und ihre Zweifel daran) im Stillen, es gibt eine unausgesprochene Übereinkunft mit den Agnostikern und Atheisten ringsum, Glaubensinhalte außen vor zu lassen. Und von Wichtigerem zu sprechen, bei dem man mit Wissen, Esprit und Ironie punkten kann, statt (sich) einzugestehen, wie angekränkelt von des Gedankens Blässe wir oft sind (wie das Schlegel so hübsch formulierte). Dass die Wirklichkeit unbetretene Terrains kennt, in denen wir stolpern, statt stolzieren. Und dass es wunderbar wäre, von allen Unzulänglichkeiten befreit, erlöst zu werden.
Der Schriftsteller Martin Walser bewegte das Feuilleton vor einigen Jahren mit Bekenntnissen wie jenem, “dass ich nicht sagen könne, ob es Gott gebe oder nicht gebe, dass ich nur sagen könne: er fehlt, mir fehlt er”. Er habe sein Leben im Klima des Rechthabenmüssens verbracht. “Gott wäre natürlich prima”, folgerte Walser. “Aber er könnte, wenn es ihn gäbe, nicht deutlicher sein, als er durch seine Abwesenheit ist. So ist er das Wort für alles, was mir fehlt.”
Auch eine Art Geheimnis des Glaubens.

Geheimtipp Manuela: Eine Städtereise nach Tiflis!
Nur 3,5 Flugstunden von Wien entfernt (mit Direktflügen bequem erreichbar) liegt die georgische Hauptstadt, in der moderne Glasbrücken und alte Kirchen aufeinandertreffen. Das Essen ist großartig und die Aussicht von einem der leicht zu erklimmenden Hügel auf die bunt erleuchtete Stadt beeindruckend (Tiflis ist auch für Fremde erwanderbar und wer nicht sportlich sein will, nimmt die Stadtseilbahn)! Wer viel Zeit hat, kann mit dem Zug ans Meer oder mit dem Mietauto in die Berge fahren. Wer wenig Zeit hat, genießt das Leben in Tiblisi. Z.B. im nicht ganz billigen, aber rundum großartigen Rooms Hotel
.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *