Eines der populärsten Grimm’schen Märchen erzählt von einem Männchen, das ein Geheimnis um seinen Namen macht. Davor hatte es einer schönen Müllerstochter drei Mal geholfen, Stroh zu Gold zu spinnen – wie vom König nach einer angeberischen Behauptung ihres Vaters verlangt. Als Lohn gab sie dem Männchen erst ein Halsband, dann einen Ring und zuletzt in ihrer Verzweiflung das Versprechen, ihm ihr erstes Kind zu überlassen.
Als das Männchen nach einem Jahr von der inzwischen zur Königin Gewordenen das Kindlein einforderte, erweckte das Jammern der Mutter sein Mitleid, und er gestand ihr zu, von seiner Forderung abzurücken, sollte sie herausfinden, wie sein Name sei. Durch einen Zufall erfuhr die Königin, dass das Männchen Rumpelstilzchen hieß. Vor lauter Wut über diese Entdeckung trat es so fest auf die Erde, dass sein Fuß darin steckenblieb; dann packte es das noch freie Bein und riss sich selbst mitten entzwei, wie es bei den Grimms heißt.
Ein Geheimnis bleibt bei diesem Märchen, warum die eigentlichen Bösewichte dieses Märchens, der goldgierige König und der angeberische Müller, ungeschoren davonkommen. Und ob der König, der die Müllerstochter vor der Hochzeit dreimal unter Todesandrohung ans Spinnrad zwang, danach keine diesbezügliche Begehrlichkeit an den Tag legte. Und: ob man Kindern so viel moralische Fragwürdigkeit und den brutalen Selbstmord am Ende überhaupt zumuten kann.
Auf letzteres würde Märchenspezialist Michael Köhlmeier „Aber klar doch!“ antworten. Und wie in meinem Interview mit ihm Mitte Oktober solch rationale Anfragen als unangemessen bezeichnen. Märchen sind wie Träume auf einer symbolischen, archetypischen Ebene angesiedelt und entziehen sich der Pädago- oder Psychologisierung. Würde Köhlmeier sagen. Der ein sympathischer Mann ist und als Erzähler begnadeter denn als Interpret.
Geheimtipp Michaela
Little Britain mitten im 2. Wer die Engerthstrasse von der Reichsbrücke Richtung Happel-Stadion nimmt, aber wer tut das schon, käme unweigerlich daran vorbei. Mitten im 2., dort wo es wohl niemand vermutet, befindet sich ein “very british” Tearoom. Da gibt es Scones mit Clotted Cream, full English Breakfast und mehr – und eine herrlich kitschige Einrichtung, wie sich’s gehört.
Die Betreiberinnen sind keine Britinnen und haben auch sonst keinen speziellen Bezug zur Insel, sie fanden nur die Idee nett, hat die Kellnerin erzählt. Und als eine mit großer Liebe zum Britschen – Brexit und Co ausgenommen – muss ich sagen: Sie machen ihre Sache gut!