Gründe (Erich Fried)
„Weil das alles nicht hilft
Sie tun ja doch was sie wollen
Weil ich mir nicht nochmals
die Finger verbrennen will
Weil man nur lachen wird:
Auf dich haben sie gewartet
Und warum immer ich?
Keiner wird es mir danken
Weil da niemand mehr durchsieht
sondern höchstens noch mehr kaputtgeht
Weil jedes Schlechte
vielleicht auch sein Gutes hat
Weil es Sache des Standpunktes ist
und überhaupt wem soll man glauben?
Weil auch bei den andern nur
mit Wasser gekocht wird
Weil ich das lieber
Berufeneren überlasse
Weil man nie weiß
wie einem das schaden kann
Weil sich die Mühe nicht lohnt
weil sie das alle gar nicht wert sind“
Das sind Todesursachen
zu schreiben auf unsere Gräber
die nicht mehr gegraben werden
wenn das die Ursachen sind
Der Grazer Katholischen Hochschulgemeinde verdanke ich Einiges. Z.B. eine Begegnung mit Erich Fried – damals für mich Germanistikstudenten ein absoluter Hero. Ich erinnere mich noch, dass der damals etwa 60-Jährige eine allzu allegorisch-schwülstige Interpretation eines seiner Liebesgedichte zurückwies: Er sei halt verliebt gewesen, that‘s it.
Unprätentiös und ehrlich, ohne „lyrisches Getue“ sind Frieds Gedichte, und seine Neigung zu Klartext hat dem „Stören-Fried“ gerade für seine mehrheitlich politischen Texte oft Probleme eingetragen. Doch wie heißt es so schön in seinem berühmtesten Gedicht: „Es ist was es ist / sagt die Liebe“.