Magnificat 2.0 (Robert ME)
Maria was haben sie
zu wenig gestürzt
aus dir gemacht
die Mächtigen vom Thron
aus deinen Worten, die
zu viel ich bin
am Himmel kratzen
die Magd des Herrn
und doch flüstert
deine Mädchenstimme
erhöht die Niedrigen
Planänderung. Hier sollten heute eigentlich Epigramme von Angelus Silesius stehen, aber dann ist etwas Unvorhergesehenes passiert: Ich wachte noch vor 6 Uhr auf – und ich hatte einen lyrischen Einfall: Mir kam die Idee, das Magnificat, den umstürzlerischen Lobpreis Marias aus dem Lukasevangelium, mit feministisch inspirierter Kritik zu verschränken. Nämlich daran, dass dieser Hymnus gegenüber dem „Mir geschehe nach Deinem Willen“-Bild der stets gehorsam leidenden Gottesmutter ins Hintertreffen geriet. Noch im Bett ein Griff nach einem Notizblatt. Danach nicht mehr einschlafen können.
Ich hatte tags zuvor über ein feministisch-theologisches Symposion an der Uni Graz berichtet. Dort schrieb ich vor 35 Jahren eine Diplomarbeit über Maria von Nazareth. Mag sein, dass dies meine literarische Ader ins Fließen brachte, obwohl ich heute – offen gesagt – nicht sehr oft mariologische Gedanken spinne.
Mein Text ist noch zu frisch, als dass ich seine Qualität aus gebührender Distanz beurteilen könnte. Insofern mute ich euch eine Art Werkstattbericht zu. Mit für mich offenen Fragen wie: Soll ich die Magnificat-Zitate wirklich mit den Anfragen an Maria abwechseln lassen? Oder lieber beides in eigenen Absätzen bündeln? Hm… was meint Ihr?
Jedenfalls: Danke für deinen Musenkuss, Magnificatwoman, du Powerfrau im Himmel!
